Hummelautobahn für Duisburg

03. November 2017

Lukas Hirtz

Der Umweltausschuss möge beschließen:

 

Die Verwaltung wird gebeten eine Planung für eine sogenannte Hummelautobahn zu erarbeiten.

 

Begründung:

 

Hummeln und andere bestäubende Insekten wie Bienen tragen im Ökosystem eine zentrale Verantwortung für die Befruchtung der Pflanzenwelt. Vor allem in Großstädten sind die nützlichen Insektenkolonien jedoch vom Aussterben bedroht. In den Betonwüsten fehlt es ihnen an Nahrung in Form von nektarreichen Blumen. In den USA etwa warnen Umweltschutzorganisationen seit Jahren vor dem Aussterben der Hummeln. In NRW wird ein Rückgang der Insektenpopulation von ca. 75% beobachtet. Auch im benachbarten Krefeld am Rhein, also in unmittelbarer Nähe zu Duisburg, wurde ein solcher Rückgang gemessen. Oslo baut nun einen Korridor aus Fütterstationen vom Westen in den Osten der Hauptstadt. Alle 250 Meter kommt eine neue Station für Hummeln.

Auch Essen möchte als grüne Hauptstadt eine solche Hummelautobahn schaffen, indem jobcenter-Mitarbeitern nahe gelegt wird, ihre Balkone hummelfreundlich zu bepflanzen.

 

Auch für Duisburg ist eine solche Hummelautobahn wünschenswert, zumal sie nicht nur das Image der Stadt, sondern auch das Stadtbild verbessert kann.

 

Das Konzept fand Zustimmung im Ausschuss und wird in Kooperation mit dem Bienenmuseum ausgearbeitet werden.

 

 

Mitteilungsvorlage der Verwaltung vom 29.05.2018

 

 

Auf Antrag der Fraktion Die Linke. wurde mit Beschluss des Umweltausschusses vom 05.02.2018 die Verwaltung aufgefordert, in Zusammenarbeit mit dem Duisburger Bienenmuseum eine Stellungnahme über die Machbarkeit einer sogenannten Hummelautobahn abzugeben.

 

Dazu nimmt die Fachverwaltung nach fachlichem Austausch mit dem Bienenmuseum Duisburg wie folgt Stellung:

 

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, die Insektenwelt, hier die Hummeln, zu fördern, da diese, wie in der Tat die zitierte Studie belegt, stark im Rückgang begriffen sind. Allerdings trifft dies nicht alleine die Hummeln, sondern auch andere Insekten, ob blütenbesuchend oder nicht. Wildbienen beispielsweise und auch die Honigbiene leiden unter dem Rückgang an verfügbaren Nahrungsquellen. Tatsächlich ist die im Antrag zitierte naturferne Gestaltung von Gartenflächen ein Grund für den Rückgang blütenbestäubender Arten.

Der Vorschlag, „Futterstellen" im Stadtgebiet nach dem Vorbild von Oslo und Essen als sog. „Hummelautobahnen" zu etablieren, wird jedoch aus folgenden Gründen als kritisch angesehen:

 

• Futtermenge und Distanz: Hummeln bewegen sich in der Regel in einem Radius von ca. 4,5 km um ihr Nest. Dabei sind sie durchaus in der Lage auch weiter entfernte Futterquellen anzufliegen – allerdings nur, wenn es sich lohnt. Eine üppig blühende Baumweide im zeitigen Frühjahr beispielsweise verspricht als gute Tracht eine gute Nahrungsquelle. Diese wird dann auch von Hummeln aus größerer Entfernung angeflogen. Ein paar wenige Blütenpflanzen jedoch, die auf dem Dach oder Balkon angeboten werden, dürften schwerlich von Hummeln aus größerer Distanz gefunden werden. Wenn diese Nahrungsquelle dann doch gefunden wird, birgt dieses Angebot zudem die Gefahr, die Hummeln über größere Distanz angelockt zu haben – wenn diese Nektarquelle aber nicht ergiebig genug ist, haben die Hummeln viel Aufwand zum Anfliegen investiert, ohne genug Nahrung gefunden zu haben.

 

• Nachhaltigkeit: Ergänzend zu den o.g. Argumenten stellt sich die Frage nach der Dauerhaftigkeit bzw. Nachhaltigkeit eines solchen Projektes. Blumentöpfe, die nur kurzzeitig mit entsprechenden blütentragenden Pflanzen i.S. einer Nektarquelle bepflanzt sind, stehen dann nur für recht kurze Zeit Hummeln und ggf. auch anderen Seite 2 Drucksache-Nr. 18-0124/1 Datum 29.05.2018

Insekten zur Verfügung. Wichtig ist jedoch, dass für die gesamte Lebensspanne der Hummeln genügende Nahrungsquellen angeboten werden, d.h. dass Blütenpflanzen von März bis August vorgehalten werden müssten. Und dies dann auch nicht nur in einem Jahr, sondern möglichst fortdauernd. Eine derartige dauerhafte Bepflanzung und Pflege kann von öffentlicher Seite nicht geleistet werden. Ebenso ist zweifelhaft, dass dies durch Private zu bewerkstelligen ist.

Insgesamt wird der Antrag, eine „Hummelautobahn" in Duisburg zu etablieren von der Verwaltung abgelehnt, da diese als nicht effektiv und nachhaltig angesehen wird.

 

Vielmehr wird seitens der Fachverwaltung vorgeschlagen, darauf hinzuwirken, bei den Bürgern wieder ein stärkeres Naturbewusstsein zu schaffen. Durch Pressearbeit und unterstützt durch das Ehrenamt sollte erreicht werden, dass anstelle von möglichst pflegeleichten Steinwüsten und Zierrasengärten wieder vermehrt artenreiche, naturnahe Gärten angelegt werden. In diesen würde dauerhaft und im Jahresverlauf saisonal wechselnd Nahrung für zahlreiche Insekten, darunter auch die Hummeln, angeboten werden. Das Umweltamt – hier die untere Naturschutzbehörde – geht in dieser Richtung voran, z.B. indem die Biotopverbundausstellung in Kürze wieder der Öffentlichkeit präsentiert wird. Im Rahmen dieser Ausstellung wird beispielsweise über den Sinn von naturnahen Gärten u.a. auch als Lebensstätte zahlreicher Insekten aufgeklärt.

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