Pressemitteilungen, Loveparade25. Juli 2010

 

Love Parade endet in Kathastrophe

Zum katastrophalen Ausgang der Love Parade in Duisburg erklärt die Ratsfraktion der LINKEN Duisburg:

 

„Die als fröhliches Fest geplante Love Parade wurde zur Death Parade. 19 Tote und zahlreiche Verletzte sind die traurige Bilanz. Die Ratsfraktion DIE LINKE trauert mit den Verwandten und Freunden der Opfer. Wir waren von Anfang an skeptisch gegenüber der Durchführung einer solchen Riesenveranstaltung in Duisburg. Umsätze und Prestigegewinn haben schließlich den Ausschlag gegeben.

Das vorgesehene alte Güterbahnhofsgelände war mit Blick auf Flächenbedarf, Zugangs- und Sicherungsmöglichkeiten fragwürdig. Das Sicherheitskonzept von Veranstalter und Behörden, an dem monatelang gearbeitet worden war, hat sich, bei allem, was man zu diesem Zeitpunkt sagen kann, als unzureichend erwiesen. Offensichtlich hatten sie keine ausreichende Vorstellung davon, was es bedeutet, so gewaltige Besucherströme zu lenken, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Man rechnete offiziell mit mehreren hunderttausend Besuchern. Aber seit Wochen gingen die öffentlich diskutierten Erwartungen bereits in eine Größenordnung von einer Million und mehr.

Angesichts der Lage des Geländes zwischen Eisenbahntrassen und A 59 war man auf die Idee verfallen, das Gelände mit Drahtgitterzäunen zu umgeben. Der Hauptzu- und Ausgang befand sich im mittleren Bereich des Karl-Lehr-Tunnels.

Sollte das Gelände sich überfüllen, so wollte man den Flaschenhals Karl-Lehr-Tunnel gewissermaßen als Ventil nutzen und weitere Besucherströme zurück halten (so hatten sich Vertreter Planungsgruppe mehrfach presseöffentlich geäußert, darunter Polizeisprecher R. van der Maat und Rechtsdezernent W. Rabe). Dies wurde von Polizei und Ordnern auch versucht. Was die Planer offensichtlich nicht bedacht hatten, war eine ausbrechende Panik unter den Menschenmassen, die sich bereits im Tunnel befanden. In diesem trafen auch noch zwei Bewegungen aufeinander – die nach vorn drängenden Menschen und diejenigen, die das Gelände bereits wieder verlassen wollten. Hier hat es nach Zeugenaussagen viele Zusammenbrüche, Quetschungen und auch Tote gegeben. Der Versuch von Verantwortlichen, die Verletzten und Toten in der Hauptsache vor allem darauf abzustellen, dass Besucher die Sperrzäune überwanden, eine ungesicherte alte Treppe nutzten oder sich an einem Mauerstück hochzogen, von dem sie abstürzten, ist allem Anschein nach nicht die ganze Wahrheit. Angesichts der Katastrophe individuelles Fehlverhalten von Teilnehmern als Hauptursache herauszustellen, ist unakzeptabel. Zur Debatte stehen die Fehler und Defizite des – aus einsatztaktischen Gründen geheim gehaltene - Organisationskonzepts.

 

Die Ratsfraktion fordert die rückhaltlose Aufklärung der Katastrophe und ggfls. politische Konsequenzen.“