
Erkan Kocalar: „Soziale Teilhabe für alle, Gleichstellung und Demokratie sind und bleiben mein Programm“
Mit 38:35 Stimmen wurde Erkan Kocalar am 02.11.09 vom Rat zu einem der drei Vertreter von OB Sauerland gewählt. Ein Novum, denn E. Kocalar – Ratsherr der LINKEN und ihr migrationspolitischer Sprecher - ist der erste Bürgermeister mit Zuwanderungshintergrund in der Duisburger Geschichte. Seine aus der Türkei stammenden Eltern und brachten ihn als Fünfjährigen mit nach Deutschland. E. Kocalar ist 40 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Von Beruf Schlosser, ist er im ThyssenKrupp-Werk Süd beschäftigt und dort auch seit 1994 IG Metall-Betriebsrat. Nach 10 Jahren in der SPD und frustriert über deren unsozialen „Agenda“kurs trat er 2003 in die damalige PDS über. Durch sein politisches und soziales Engagement wurde er bereits 2004 in den Rat der Stadt gewählt. Auch am Wahlerfolg der LINKEN am 30.08. und der Verstärkung ihrer Fraktion von 4 auf 6 Mandate hatte Erkan Kocalar großen Anteil.
Seiner Wahl vorausgegangen waren intensive Sondierungsgespräche zwischen LINKEN, SPD und Grünen. Als sich eine tragfähige Grundlage abzeichnete, sprachen sich eine Funktionärsversammlung der Duisburger SPD und eine Mitgliederversammlung der LINKEN für die Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Ziel einer arbeitsfähigen Ratsmehrheit aus. Ende Oktober machte jedoch eine knappe Mehrheit der grünen Mitgliederversammlung die Hoffnung darauf vorerst zunichte. Weitere Verhandlungen zwischen Grünen und LINKEN über die Besetzung des dritten Bürgermeisters scheiterten ebenfalls. Am 02.11. bedurfte es im Rat schließlich mehrerer Wahlgänge, weil es zwischen den beiden jeweils gemeinsamen Wahlvorschlägen von SPD/LINKEN und CDU/FDP/DWG zunächst ein Patt gab.
DIE LINKE hatte bereits in den – gescheiterten – Sondierungsgesprächen über eine Dreierkooperation mit SPD und Grünen die Meinung vertreten, das die Zeit reif sei, endlich einen Bürgermeister mit Zuwanderungshintergrund zu wählen. Schließlich hat fast ein Drittel der Duisburger Bevölkerung Wurzeln im Ausland. Mit der SPD war sich DIE LINKE bald einig. Im Gegenzug zur Unterstützung von Manfred Osenger durch DIE LINKE – dieser trat erneut als Bürgermeisterkandidat an - sagte die SPD die Unterstützung von Kocalar zu. Das aber wären zusammen nur 36 Stimmen gewesen. Viel schwieriger waren die Gespräche zwischen Grünen und LINKEN, die große Probleme in einer klaren Positionierung hatten. Die Grünen bzw. Teile von ihnen suchten für ihre – auch intern umstrittene – Kandidatin Nazan Aksu Unterstützung bei fast allen im Rat vertretenen Parteien.
Die LINKE schlug in den Vorgesprächen eine vertragliche Teilung der Wahlperiode vor, bei der Erkan Kocalar den Anfang machen sollte. Letzteres wurde von den Grünen mehrheitlich abgelehnt. Sie wollten für die erste Halbzeit N. Aksu. Doch bis zur Ratssitzung kam dazu kein Vertrag zustande. SPD und LINKE stellten daraufhin M. Osenger und Erkan Kocalar gemeinsam auf. CDU, FDP und DWG konkurrierten mit Benno Lensdorf (CDU) und Ratsfrau Betül Cerrah (FDP) auf. Diese erste Wahl endete im Patt zwischen den beiden Gesamtvorschlägen von 2 großen Blöcken im Rat. In der folgenden Stichwahl wurde zunächst zwischen Lensdorf und Osenger entschieden. Lensdorf landete knapp vor Osenger und war damit erster, Osenger zweiter Bürgermeister. Die folgende Stichwahl zwischen Betül Cerrah und Erkan Kocalar entschied dieser für sich. Erkan Kocalar: „Ich werde mein Engagement für soziale Teilhabe für alle, Gleichstellung und Demokratie auch als Bürgermeister konsequent fortsetzen.“ Erkan Kocalar ist ehrenamtlicher Bürgermeister und übt seine Betriebsratstätigkeit weiter aus. Ein voller Terminkalender mit zahlreichen Begegnungen mit der Stadtbevölkerung, die Ansprache von Besuchergruppen aus dem In- und Ausland und vieles mehr haben sein Handlungsfeld nochmals beträchtlich ausgeweitet. Die Standpunkt-Redaktion spricht Erkan Kocalar und seiner Familie herzliche Glückwünsche aus.