„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“

Erfolgreiche Protestaktionen auch in Duisburg – hartes Vorgehen der Polizei. Bericht der Linksjugend ['solid]

Überfüllte Klassenräume, Unterricht bis in die Nachtmittagsstunden, ständiger Leistungsdruck, der schon in der Grundschule beginnt...Überfüllte Hörsäle, Nachtschichten schaffen und am Wochenende arbeiten, um die Studiengebühren zu verdienen, krank in die Vorlesung gehen, weil man  sonst das Semester wiederholen muss, stumpfes Auswendig lernen statt eigenständiger  Recherche... Das ist inzwischen trauriger Alltag an vielen deutschen Schulen und Hochschulen.

Deshalb gingen vom 15.-21 Juni 2009 in ganz Deutschland rund eine halbe Million SchülerInnen und StudentInnen auf die Straße. Sie bestreikten ihren Unterricht, ihre Vorlesungen und ihre Seminare. Die zentralen Forderungen der Bildungsstreikwoche: Abschaffung der Kopfnoten, eine Ende des Einflusses der Wirtschaft auf die Schulen und Unis und die Zurücknahme des Abiturs nach 12 Jahren („G8“), mehr Lehrer, kleinere Klassen und auch „eine Schule für alle“. Die StudentInnen forderten  vor allem die Mitbestimmung, u. a. durch mehr VertreterInnen in den Hochschulgremien und die Abschaffung des Bachelor-/Master-Systems in der derzeitigen Form.

An einigen Orten in Deutschland, wie z.B. in Kassel,  gelang es mit den Bildungsstreikaktionen erfolgreich Universitäten und Seminarräume zu besetzen und eigene Workshops zum Thema abzuhalten – im Einvernehmen mit den Hochschulleitungen. In Dortmund stürmten mehrere Tausend SchülerInnen das Rathaus. Leider wurden vielerorts die weitestgehend friedlichen Aktionen an den Schulen und Unis sowie Demos mit Polizeigewalt aufgelöst, viele junge Menschen in Gewahrsam genommen. So auch in Duisburg. Hier versammelten sich rund 400 Leute am Hamborner Rathaus. Nach einer Sitzaktion auf der Straße wurde die Demo aufgelöst und bei folgenden Aktionen auf einem Schulhof wurden 26 (!) Strafanzeigen gegen die Jugendlichen gestellt, unter anderem wegen Land- und Hausfriedensbruch, Widerstand oder Verstoß gegen das Versammlungsgesetz!

Die Linksjugend ['solid] unterstützt die Forderungen des Bildungsstreik-Bündnisses und fordert alle SchülerInnen und StudentInnen auf, sich aktiv an der Kommunalwahl am 30.08. 2009 zu beteiligen! Informiert euch und geht wählen! Auch auf kommunaler Ebene gibt es Handlungsspielräume für eine andere Bildungspolitik. DIE LINKE fordert in ihrem Kommunalwahlprogramm z. B. neben kleineren Klassen, SozialarbeiterInnen für die Schulen, dem Ausbau von Ganztagsschulen und kostenlose Schulbücher auch eine Gemeinschaftsschule für alle bis zur 10. Klasse. Außerdem fordert DIE LINKE u. a. die Uni Duisburg-Essen auf, die Studiengebühren zurückzunehmen. Das sind nach unserer Meinung richtige und gute Forderungen!

Jetzt gilt es, weiter gemeinsam mit SchülerInnen und StudentInnen Druck zu machen: Auf der Straße, in den Schulen und Unis und in den Parlamenten! Wir werden nicht aufhören für ein anderes Bildungssystem zu kämpfen! Notfalls mit „Bildungsstreik reloaded ...“!

*von Jonas Löwenberg und Anna Conrads