Erzieher/innen sind unterbezahlt

Soziale Berufe sind mehr wert

DIE LINKE will die frühkindliche Bildung und Betreuung in Duisburg ausbauen. Doch ohne angemessene Bezahlung der ErzieherInnen in Kindertagesstätten sind pädagogische Höchstleistungen auf Dauer nicht zu haben.
Längst hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Grundstein für die Zukunftschancen unserer Kinder schon im Vorschulalter gelegt wird. In der aktuellen Bildungsdebatte gilt besonders die frühkindliche Förderung als Schlüssel zur Verbesserung der Chancengleichheit. Doch die schlechten Arbeitsbedingungen für ErzieherInnen in Kindertagesstätten stehen in auffälligem Widerspruch zur angekündigten Bildungsoffensive.
Denn kontinuierlich gestiegen sind bisher vor allem die Anforderungen an die Arbeit der Beschäftigten. Außerdem müssen ErzieherInnen die Entwicklung ihrer Schützlinge sorgfältig beobachten, müssen dokumentieren und reflektieren. Die regelmäßige Rückkoppelung mit den Eltern gehört ebenso zum Auftrag wie das anspruchsvolle Konzept der Sozialraumorientierung. Viele Einrichtungen entwickeln sich von der Tageseinrichtung für Kinder zu komplexen Familienzentren.
Damit hat sich auch das Berufsbild von pädagogischen Fachkräften erweitert. ErzieherInnen sind professionelle Begleiter im Prozess der Selbstbildung der Kinder, aber auch Partner für die Eltern in punkto Erziehung. Keine leichten Aufgaben, denn je größer die sozialen Ungleichheiten innerhalb der Gesellschaft, desto schwieriger wird die individuelle Förderung der Kinder und die Einbindung der Eltern.
Kurz: Pädagogische Fachkräfte sind heute zugleich Experten für frühkindliche Bildung, Erwachsenenbildner und Netzwerker im Sozialraum. Damit nicht genug: Seit Einführung des § 8a SGB VIII im Jahr 2004 tragen sie zudem Mitverantwortung dafür, dass das Kindeswohl nicht gefährdet wird – etwa durch häusliche Gewalt.
Honoriert werden all diese Mehrleistungen nicht – weder durch eine angemessene Bezahlung noch durch veränderte Rahmenbedingungen. Der Personalschlüssel der Einrichtungen ist viel zu knapp bemessen; für Dokumentation, Reflexion und Dialog bleibt im Kita-Alltag kaum Zeit. Das ist nicht nur demotivierend, sondern macht auch krank. Doch ohne das Engagement der Beschäftigten ist eine Verbesserung der frühkindlichen Förderung nicht zu machen. Ihr Einsatz muss angemessen entlohnt werden – auch das ist eine Form der Wertschätzung.