Von Hermann Dierkes
Zweistellige Umsatzeinbrüche und Kostensenkungsprogramme gefährden nicht nur bei ThyssenKrupp die Arbeitsplätze. Entgegen geltender Tarifverträge wollte der TKS-Vorstand betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausschließen. Die massiven Proteste haben ihn zum Rückzug gezwungen. Rund 14.000 Beschäftigte müssen Kurzarbeit verfahren. Der erreichte Zuschuss zum Kurzarbeitergeld ist ein Erfolg. Entgelteinbußen haben alle, die nicht in Qualifizierung gehen. Zahlreiche Leiharbeitnehmer haben die totale „Arschkarte“. DIE LINKE Duisburg steht an der Seite der kämpfenden Belegschaften und ihrer Gewerkschaften. Die Ausbildungskapazitäten dürfen nicht angetastet werden. Nicht nur TKS hatte bis 2008 fette Jahre und hohe Gewinne. Die Krise beweist erneut, dass eine Konzernstrategie, die vor allem auf eine expandierende Autoindustrie setzt, langfristig zum Scheitern verurteilt ist. Hinzu kommen hausgemachte Verluste durch Missmanagement beim Bau des neuen Hüttenwerks in Brasilien. Dessen Produktion von 5 Mio. t Stahlbrammen pro Jahr soll zur Hälfte im Ruhrgebiet, zur anderen Hälfte in der neuen Edelstahlhütte in Alabama/USA weiterverarbeitet werden. Die Inbetriebnahme verzögert sich in beiden Fällen um ein Jahr. Betroffen sind auch die Investitionen in die Logistik-Kette. Dafür dürfen die Belegschaften nicht in Haftung genommen werden! Es wäre falsch, jetzt nur auf einen neuen Konjunkturanstieg zu warten. Nötig ist ein Strategiewechsel bei Produkten und Märkten. DIE LINKE schlägt einen öffentlichen Fonds für Industrieinnovation und Zukunftssicherung vor, in den z. B. auch die gefährdeten Opel-Werke einbezogen werden. In den Kontrollgremien müssen öffentliche Hand, Gewerkschaften und Umweltbewegung vertreten sein.