Eine Bereicherung für Duisburg

Merkez-Moschee in Marxloh eröffnet

In Marxloh wurde die bislang größte Moschee in Deutschland eröffnet. DIE LINKE hatte sich politisch für den Bau eingesetzt. An der viel beachteten Eröffnungsfeier nahmen tausende Menschen teil. DIE LINKE wünscht der DITIB-Gemeinde für die Zukunft alles Gute.
Nach 3,5 Jahren Bauzeit und großen Organisationsleistungen bildet die Merkez-Moschee (dt.: Zentralmoschee) jetzt eine würdige Stätte für Religionsausübung anstelle der lange genutzten ehemaligen Zechenkantine. Sie wurde im traditionellen osmanischen Stil gebaut und fasst insgesamt 1.200 Gläubige. Die Moschee ist ein bauliches Glanzlicht im recht „trüben“ Duisburger Norden.
Das Objekt hat rd. 7 Mio. Euro gekostet. Die Moschee wurde großteils aus Spenden finanziert. Das angeschlossene interreligiöse Begegnungszentrum wurde aus Landesmitteln mit 3,2 Mio. Euro errichtet. Wir legen Wert darauf, dass dessen Nutzung transparent gestaltet wird und demokratisch kontrollierbar ist.
Die DITIB-Gemeinde zählt inzwischen 750 Mitglieder, darunter viele Beschäftigte und Ehemalige aus den umliegenden Industriebetrieben. Die Moschee ist – wie viele RednerInnen aus Politik und Kirchen zu Recht betonten – jetzt ein Stück von Duisburg. Sie ist ein weiterer großer „Brückenschlag“ zwischen den verschiedenen Kulturen und Konfessionen und ein Bekenntnis zur stattgefundenen Einwanderung.
Für DIE LINKE ist Religionsfreiheit ein demokratisches Recht, und zwar im doppelten Sinn:  Das Recht sich konfessionell betätigen zu können oder auch nicht. Zum konfessionellen Bekenntnis zählen auch würdige Versammlungsstätten, die auch vielfältige soziale Funktionen erfüllen (Familienfeste, Bestattungsvorbereitungen, Jugendtreffs usw.). DIE LINKE tritt allerdings für die klare Trennung von Kirche und Staat ein. Das religiöse Bekenntnis ist Privatsache. Soziale Gerechtigkeit, Emanzipation und Demokratisierung müssen wesentlich mit anderen als religiösen Mitteln erstritten werden. Konfessionen können dabei helfen.
Die neue Moschee stellt einen Fortschritt dar im Vergleich zu der jahrzehntelangen Abdrängung der muslimischen Glaubensrichtungen und Gemeinden in das Schattendasein von Hinterhöfen und gewerblichen Altimmobilien. Die Ursachen dafür – kulturelle Ausgrenzung bis hin zum Rassismus; mangelnde Finanzmittel der meisten muslimischen Gemeinden usw. - wurden leider von den meisten Festrednern, darunter Ministerpräsident Rüttgers und der katholische Ruhrbischof Genn, nicht ausgesprochen. Im Gegenteil, neben vielen guten Worten wurden auch fragwürdige politische Botschaften abgegeben, indem – wohl verpackt – der „abendländische“ Zeigefinger gegen den Islam erhoben wurde.
Rüttgers thematisierte zudem die Forderung an die Migrantenbevölkerung, mehr Deutsch zu lernen. Er räumte zwar ein, dass „etwas schief gelaufen“ sein müsse, wenn Einwanderer auch nach 40 Jahren noch nicht richtig Deutsch sprächen und Sprachprobleme auch in der jüngeren Generation das berufliche Fortkommen behinderten. Er ging aber nicht auf das bildungspolitische Versagen und das ausgrenzende dreigliedrige Schulsystem ein. Er sprach auch nicht die jahrzehntelange Vernachlässigung von Sprachförderung und Integrationsaufgaben durch Arbeitgeber an.
Sehr positiv ist anzumerken, dass Michael Rubinstein als Vertreter der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen sich in seinem Grußwort klar von dem jüdischen Schriftsteller Giordano distanzierte, der sich leider in Köln und bundesweit an der rechten Kampagne gegen Moscheebauten beteiligt.