ver.di-Fragen an DIE LINKE und OB-Kandidatin Brigitte Diesterhöft

(Foto: Michael Krischka - pixelio)

Fragen an die Kandidatinnen und Kandidaten, die zur Oberbürgermeisterwahl am 30.08.2009 für das Amt der/des Oberbürgermeister/in der Stadt Duisburg kandidieren.
Unsere Kolleginnen und Kollegen, aus dem Bereich Postdienste, Speditionen & Logistik haben nachfolgende Fragen zusammengestellt. Wir bitten Sie, als die Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt der/des Oberbürgermeister/in der Stadt Duisburg, hierzu Stellung zu nehmen.

Wir freuen uns auf Ihre Beantwortung!
Mit freundlichen Grüßen
gez. Thomas Komann
(Vorsitzender des ver.di Bezirkfachbereich 10 Duisburg-Niederrhein)

Lieber Kollege Komann, liebe Kolleginnen und Kollegen,

danke für den Fragenkatalog, dessen Beantwortung wir Euch leider erst jetzt zusenden, nachdem wir zu einigen Punkten noch intern und extern Erkundigungen einholen mussten bzw. versucht haben, Sachfragen zu klären.

1. Wie stehen Sie zur geplanten Ansiedlung eines Autohofes in Duisburg - Duissern im Bereich des Autobahnkreuzes und den dort geplanten Einrichtungen? Würden Sie nicht auch die Erstellung von mehr und ruhigem Parkraum für Lkws bevorzugen?

DIE LINKE ist im Grundsatz für die geplante Ansiedlung eines Autohofs im Bereich Autobahnkreuz Kaiserberg, nach dem sich die Alternative Neuenkamp zerschlagen hat. Wir setzen uns allerdings dafür ein, dass der Autohof sich auf eine vertretbare Anzahl von Stellplätzen, auf Sanitärräume und Restaurant beschränkt und ein vernünftiges Verkehrskonzept entwickelt wird. Pläne des Investors, auch weitere Schwerpunkte (Automatenkasino usw.) zu setzen, lehnen wir ab.

2. Wie stehen Sie zur Einrichtung eines LKW-Leitsystems für die Logistikflächen in Duisburg? Müsste ein solches Leitsystem auch auf den Autobahnen in und um Duisburg herum installiert werden, wie zum Beispiel die Zahlenzuordnung in den Niederlanden?

Wir sind sehr dafür, dass alle sinnvollen Möglichkeiten genutzt werden, um effektive Verkehrslenkung zu betreiben, Irrfahrten und unerwünschte Verkehrsbelastungen, Mautausweichverkehre usw. etwa durch Wohngebiete zu vermeiden. In Duisburg ist die Verkehrslenkung für Speditionsverkehre u. E. inzwischen weitgehend gelöst. Das niederländische Modell ist in Deutschland auf Autobahnen nicht zugelassen. Für Speditionsbetriebe und ihre Fahrzeuge, die die Duisburger Logistikeinrichtungen andienen, dürften allerdings auch durch die inzwischen verbreitete Nutzung von GPS die wesentlichen Orientierungsprobleme gelöst sein. Wir sind aber gerne bereit, konkrete Missstände zusammen mit den betroffenen Akteuren und in Zusammenarbeit mit Ver.di anzugehen.

3. Der Zustand der Straßen, einschließlich der Fahrbahndecken in Duisburg ist vielerorts katastrophal. Frage: Was gedenken Sie in Bezug auf die Situation der Duisburger Straßen zu tun?

Dass der Zustand vieler Straßen und Brücken in Duisburg problematisch ist, ist unbestritten. Straßenbau und -Erhaltung, soweit sie in die Verantwortung der Kommune fallen, sind allerdings durch die scharfen Haushaltsrestriktionen für unsere Stadt enge Grenzen auferlegt. Aus dem Konjunkturpaket II werden etliche Maßnahmen finanziert, soweit sie der Lärmvermeidung dienen. Grundsätzlich wollen wir ein Straßennetz von hoher Qualität. Wir müssen allerdings auch immer wieder abwägen, ob nicht andere legitime Aufgaben im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge und der öffentlichen Infrastruktur Vorrang haben könnten.

In Duisburg haben wir in den letzten Jahren stets besondere Haushaltsanstrengungen unterstützt, um dem schlechten Zustand vieler Straßen entgegenzuwirken.

DIE LINKE macht allerdings darauf aufmerksam, dass die PKW- und LKW-Verkehrslawinen mit ihrem Gefahrenpotenzial, ihrem Flächenverbrauch, ihren Zerschneidungswirkungen und ihren Umwelt schädigenden Folgen nicht ungebremst weiter wachsen dürfen. Der explodierende Straßengüterverkehr, der die Verkehrsflächen extrem belastet und auf Kosten vieler anderer wichtiger Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge übersubventioniert wird, ist ein besonderes Problem. Es ist bekannt, dass dies nur möglich ist, weil andere, umweltfreundlichere Verkehrsträger wie die Bahn politisch zurückgedrängt und schwer benachteiligt werden. Und es ist personalwirtschaftlich möglich, weil die Lohnkosten gerade im Speditionsgewerbe alles andere als erfreulich sind, Lenkzeiten massiv überschritten werden, die Betriebs- und Verkehrssicherheit häufig vernachlässigt wird, Geschwindigkeitsüberschreitungen verbreitet sind usw. Alles Probleme, die ver.di sicher bestens bekannt sind. Diese Missstände wollen wir auch weiterhin auf allen Ebenen angehen.

DIE LINKE setzt sich in ihrer verkehrspolitischen Strategie dafür ein, dass die Anteile zwischen den Verkehrsträgern LKW, Bahn, Schiff und Luftverkehr sowohl im Güter- wie im Personenverkehr - zugunsten von Bahn und Schiff verlagert werden. Wir wollen eine umfassende Renaissance der Bahn mit flächendeckender Netzqualität im Personen- und Güterverkehr. Das würde auch zahlreiche neue Arbeitsplätze in der Bahngüterindustrie und im Bahnbetrieb mit sich bringen. Steuerpolitisch müssen das Verursacherprinzip beachtet, die enormen externen Kosten unserer heutigen Verkehrssysteme transparent gemacht und gerecht angelastet werden, so wie es auch der DGB seit Langem zu recht fordert.

4. Logport I in Duisburg-Rheinhausen ist einer der zentralen Drehpunkte für die Logistik in Duisburg. Doch scheinbar wurden bei der Erschließung einige Dinge nicht ausreichend berücksichtigt. So sind die Parkstreifen nicht breit und lang genug, die Kreisverkehre zu eng und es gibt in der näheren Umgebung keine Tankstelle, geschweige denn sanitäre Einrichtungen für die Fahrerinnen und Fahrer. Frage: Planen Sie bei Ihrer Amtsübernahme an dieser Situation etwas zu ändern und wie soll Logport II vor diesen Gesichtspunkten gestaltet werden?

Offensichtlich sind bei der Konzeption des für Duisburg außerordentlich wichtigen Logistikzentrums Logport I Fehler gemacht worden. Sie sollten sich bei Logport II nicht wiederholen. Die Kreisverkehre hätten sicherlich großzügiger gebaut werden können. Anderseits zeigen unsere eigenen Beobachtungen, dass die Probleme umso größer werden und Kreisverkehre sogar diagonal durchquert werden, wenn mit überhöhten Geschwindigkeiten gefahren wird.

Was die Tankstellensituation betrifft, so bietet Logport I unseres Wissens auf der Marseiller Straße einen Service-Point an, wo mit Karte selbst getankt werden kann. Der Mangel an Sanitäreinrichtungen ist nicht hinnehmbar. Auskünfte bei DuisPort waren dazu bisher nicht zu bekommen. Wir werden ihn in den Ratsgremien thematisieren bzw. städtische Vertreter in den Aufsichtsgremien darauf ansprechen. Wir weisen aber darauf hin, dass Logport privatwirtschaftlich betrieben wird.

5. Wie wollen Sie sich dafür einsetzen, dass die Fahrerinnen und Fahrer nicht mehr über 60 Std. in der Woche zu Einsatzzeiten herangezogen werden können und damit durch Übermüdung andere Verkehrsteilnehmer gefährden?

Lenkzeitüberschreitungen, wie sie nach unseren Kenntnissen leider vielfach vorkommen, müssen politisch konsequent bekämpft werden. Dabei ist nicht das lohnabhängige Fahrpersonal in den Fokus zu nehmen, sondern der verantwortliche Unternehmer. Die Lenk- und Ruhezeitenverordnung von 2007, die 56 Wochenstunden und sogar Doppelwochen mit 90 Stunden zulässt, halten wir für reformbedürftig. Sie kommt den Unternehmerinteressen viel zu weit entgegen und wird den Belastungen des Speditionspersonals unter den heutigen Verkehrsverhältnissen und dem ständigen Zeitdruck nicht gerecht. Die Überprüfung der Einhaltung der zulässigen Lenkzeiten ist im Wesentlichen Aufgabe der Polizei und keine kommunale Aufgabe. Sollten sich kommunal Ansätze ergeben, so werden wir uns dafür einsetzen, sie zu nutzen, etwa durch den städtischen Ordnungsdienst.

6. Unterstützen Sie die Forderung der Gewerkschaft ver.di, einen gesetzlichen Mindestlohn einzuführen?

Uneingeschränkt ja! Unsere Bundestagsfraktion hat einen Gesetzentwurf zur Einführung des gesetzlichen Mindestlohns für alle Branchen eingebracht, um Lohn- und Sozialdumping wirksamer bekämpfen zu können. Die Mehrzahl der EU-Länder hat längst einen gesetzlichen Mindestlohn eingeführt. Er ist umso dringender, als Tarifflucht eine verbreitete Erscheinung geworden ist und in etlichen Branchen der gewerkschaftliche Organisationsgrad und die Durchsetzungskraft derzeit nicht hinreichen, um für ArbeitnehmerInnen günstige oder günstigere Tarifabschlüsse zu erzielen. Der Gesetzentwurf wurde leider in namentlicher Abstimmung abgelehnt, darunter waren fast alle Abgeordneten der beiden Regierungsparteien. Wir bleiben am Thema und sind uns der Erwartungshaltung in den DGB-Gewerkschaften bewusst.

7. Wie ist Ihre politische Positionierung zum branchenspezifischen Mindestlohn Postdienste?

Der branchenspezifische Mindestlohn Postdienste ist aus unserer Sicht nur die zweitbeste Lösung. Er sollte durch einen branchenübergreifenden gesetzlichen Mindestlohn von zunächst 10 Euro und einer anschließenden weiteren Steigerung abgelöst werden.

8. Wie stehen Sie dabei zur Forderung der Gewerkschaft ver.di, Anbieter aus öffentlichen Ausschreibungsverfahren auszuschließen, wenn diese keine sozialen Mindeststandards einhalten?

Die Forderung ist absolut richtig und DIE LINKE setzt sich auch weiterhin dafür ein. Bundesweit gibt es ca. 30.000 öffentliche Stellen, die Ausschreibungen tätigen. Sie müssen klare Richtlinien haben. Bundesgesetzlich ist eine gesetzliche Regelung unverzichtbar, die auch die skandalösen EUGH-Urteile kontert, die leider auf der Linie der von den meisten anderen Parteien befürworteten Lissabon-Strategie der EU liegen. Kriterien wie betriebliche Ausbildung, Tarifgebundenheit, ökologische Nachhaltigkeit usw. müssen künftig harte und ständige Kriterien bei der öffentlichen Auftragsvergabe sein.

Mit kollegialen Grüßen

Brigitte Diesterhöft, OB-Kandidatin der LINKEN Duisburg
Hermann Dierkes, Vorsitzender der Ratsfraktion der LINKEN Duisburg

 

Fagenbogen der BI gegen das Steinkohlekraftwerk Walsum an alle OB-KandidatInnen

(Foto: privat)

Wir, Walsumer Bürgerinnen und Bürger, sind in Sorge um unsere Gesundheit und die unserer Kinder und Kindeskinder

• wegen der Feinstaubproblematik im Duisburger Norden und
• wegen der Anhäufung unzähliger weiterer Umweltgifte,

wir sind aber auch in Sorge

• wegen des vermehrten Ausstoßes von Kohlendioxid (das bekanntermaßen „Klimakiller“ genannt wird) durch die Erweiterung des Kohlekraftwerks Walsum und durch den eventuell bevorstehenden Bau des Kohlekraftwerks in Krefeld.

Daher bitten wir um Beantwortung folgender Fragen:

1. Haben Sie bzw. Ihre Partei der Erweiterung des Kohlekraftwerks Walsum zugestimmt? Warum bzw. warum nicht?

Wir haben der Erweiterung des Kohlekraftwerks Walsum nicht zugestimmt. Aus Gründen des  Klimaschutzes, also Reduzierung des CO2 Ausstoßes und natürlich mit Blick auf die (insbesondere Feinstaub)belastung. Wir stellten den Antrag, das gemeindliche Einvernehmen zu versagen – leider erfolglos. Behauptet wurde, dass dies angesichts zu erwartender horrender Entschädigungszahlungen nicht durchführbar sei.
Das Beispiel Krefeld zeigt, dass doch manches möglich ist, wenn es gewollt wird.

2. Ist Ihnen bekannt, dass durch den Block 10 des Kraftwerks Walsum keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen wurden?

Ja, durch Veröffentlichungen der BI ist dies bekannt geworden.

3. Würden Sie/Ihre Partei einer erneuten so genannten Erweiterung des Kohlekraftwerks Walsum auf dem ehemaligen Zechengelände zustimmen? Warum/warum nicht?

Nein, wir würden auf keinen Fall zustimmen. Neue Kohlekraftwerke konterkarieren jede Anstrengung zum Klimaschutz und zur Umweltplanung. Wir stellten einen Antrag, durch die Bauleitplanung einen Neubau von Kohlekraftwerken in Walsum zu verhindern – diesmal erfolgreich.

4. Ist Ihnen bekannt, dass seit dem Bau des Kühlturms in Walsum die Grundstückspreise und der Wert der Häuser gefallen sind? Wie stehen Sie dazu?

Informationen dazu liegen uns nicht vor. Es erscheint aber logisch, dass sich der Wohnwert erheblich gemindert hat. Für die Übermittlung von Daten wären wir dankbar.

5. Können Sie/Ihre Partei sich vorstellen, dass mit dem Ausbau der Umwelt belastenden Industrie der Stadtteil Walsum einen ähnlichen Weg nehmen wird wie Marxloh?
Warum/warum nicht?

Dies können wir uns eigentlich nicht vorstellen. Vielmehr sind wir zuversichtlich, dass gemeinsame Anstrengungen dies verhindern werden (und natürlich, dass Marxloh den Weg aus der Misere findet).
 
6. Können Sie sich eine andere Nutzung des ehemaligen Zechengeländes vorstellen und wie würden Sie das politisch umsetzen?

Ja, als Gewerbegebiet mit geringer Emission. Optimal wäre z. B. ein Mix aus Windkraft und Solaranlagen. Lärmschutz muss natürlich gewährleistet sein. Die Infrastruktur (Leitungen) sind ja zum Teil bereits vorhanden.

7. Wie stehen Sie zum Bau des Kohlekraftwerks in Krefeld?

Wir lehnen den Bau des Kohlekraftwerkes in Krefeld ab und beteiligen uns an den Aktivitäten der Bürgerinitiativen, die sich dagegen richten.

8. Was halten Sie davon, dass einige der politisch Verantwortlichen in Duisburg zum einen dem Ausbau des Kohlekraftwerks in Walsum zugestimmt, den geplanten Bau des Kraftwerks in Krefeld aber abgelehnt haben? Gehören Sie zu dieser Gruppe?

Das zeugt von der Doppelzüngigkeit mancher politisch Verantwortlicher. Wir gehören nicht dazu und sind auch durch Industrieinteressen nicht erpressbar.

9. Was halten Sie davon, dass in der so genannten Umweltzone die Betriebe, die den Duisburger Norden am meisten belasten, ausgenommen wurden und können Sie/Ihre Partei das erklären?

Wir haben immer eine umfassende Umweltzone gefordert. Der jetzt durch die Lobbyarbeit entstandene Flickenteppich macht kaum noch Sinn.

10. Welchen Anteil der für Walsum bereitgestellten 60 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II soll Ihrer Meinung / der Meinung Ihrer Partei nach für Umweltmaßnahmen ausgegeben werden und Können Sie diese konkret benennen?

Am 09. März 2009 wurde ein „Investitionsprogramm in den Jahren 2009 bis 2010 mit einem Gesamtvolumen von 66.830.440 Euro“ (Drucksache 09-0311 vom 20.02.2009) im Rat der Stadt verabschiedet, das für den Bezirk Walsum Maßnahmen von insgesamt 7,3720 Mio. Euro (s. Anlage) vorsieht. Demnach sind 5,4900 Mio. Euro für energetische Sanierung vorgesehen, 0,0500 Mio. Euro für eine Sanierung, für  Straßenerneuerungen insgesamt 0,8520 Mio. Euro und 0,9800 Mio. Euro für den Umbau von Tennenspielfeldern in Kunstrasenplätze.

Wir sehen die Straßenerneuerungen mit der Begründung, dass Flüsterasphalt aufgebracht wird, äußerst kritisch. Zusätzlich hatten wir beantragt, die Mittel für den Umbau von Tennenspielfeldern in Kunstrasenplätze (insgesamt ca. 6 Mio. Euro vom Gesamtvolumen) um ein Drittel zu kürzen und eher Mittel z. B. in den barrierefreien Um- und Ausbau von öffentlichen Gebäuden einzusetzen. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt.

Soweit meine bzw. unsere Antworten auf Ihre Fragen. Für Rückfragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung.

An der Demonstration in Krefeld am 6. Juni 2009 habe ich selbst teilgenommen und mit einer Presseerklärung am 7. Juni versucht, das Thema in Duisburg breiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Leider wurde meine Erklärung nicht veröffentlicht. Am 3. Juli 2009 versuchte ich, einen Leserbrief zu platzieren, auch der wurde von der WAZ nicht abgedruckt.

Wir werden uns weiter für konsequenten Klimaschutz einsetzen.

Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir Ihre Aussagen in eigenen Publikationen und in der Presse weiter verbreiten werden, um dem Wählervolk Anhaltspunkte für Ihre Wahlentscheidung zu geben.

Wilfried Mohr im Auftrag der BI gegen das Steinkohlekraftwerk Walsum

Wohnungspolitische Fragen des Mieterbundes Duisburg an DIE LINKE und OB-Kandidatin Brigitte Diesterhöft

(Foto: Hundertwasserhaus - Dietmar Grummt/pixelio)

1. Beabsichtigen Sie den Verkauf kommunaler Wohnungen, insbesondere der GEBAG?

Gebag/DBV sind für uns unverzichtbare Instrumente, um auf die Stadtentwicklung und eine angemessene Wohnungsraumversorgung für alle Duisburgerinnen und Duisburger Einfluss zu nehmen. Daher kommt für uns eine Privatisierung dieser Gesellschaften mit ihren noch rd. 15.000 Wohnungen nicht in Frage.

2. Durch welche Maßnahmen wollen Sie als Oberbürgermeister sicher stellen, dass für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen weiterhin „preiswerter Wohnraum“ zur Verfügung steht?

Der Duisburger Wohnungsmarkt gilt zwar als entspannt, wenn wir das rein quantitative Wohnraumangebot im Verhältnis zur Nachfrage betrachten und auch das durchschnittliche Mietpreisniveau, etwa im Vergleich zu anderen Großstädten wie Düsseldorf. Wir haben aber nach wie vor einen hohen Altwohnungsbestand und immer noch viele sanierungsbedürftige Wohnungen oder Wohnungen in schlechter Lage, was Lärm, Emissionen und das sonstige Wohnumfeld betrifft.

Die Sozialberichte 2007 und 2008 weisen außerdem deutlich aus, dass gerade in Duisburg der Bedarf nach preiswertem Wohnraum aufgrund verbreiteter Niedrigeinkommen und ausge-sprochener Verarmungstendenzen nach wie vor groß ist und aufgrund der krisenhaften Wirtschaftsentwicklung noch steigen dürfte.

Der umfangreiche Verkauf von Wohnungsbestand, vor allem von Werkswohnungen der Stahlindustrie und der Bahn oder der LEG an Finanzgruppen, drohende Mietsteigerungen oder die vollzogene Mieterprivatisierung wirken ebenfalls negativ in diese Richtung.
Duisburg braucht aktuell ein Wohnraumversorgungskonzept. Dabei hat die Gebag, die sich nach wie vor zu 100 % im kommunalen Besitz befindet, eine zentrale Rolle zu spielen. Das Konzept muss unter Einbeziehung gesellschaftlicher Akteure wie der Sozialverbände, Migranten-organisationen, der zuständigen Verwaltungseinheiten der Stadt, der Wohnungswirtschaft und aller interessierten Einwohnerinnen und Einwohner erstellt werden. Nach dem Auslaufen der Finanz-hilfen des Bundes für die Wohnraumförderung und der Neuordnung auf Landesebene – eine Maßnahme, die die LINKE sehr kritisch sieht - sind die Städte übrigens landespolitisch seit 2007 dazu angehalten Handlungskonzepte aufzustellen. Ein Handlungskonzept ist neuerdings Voraussetzung für Fördergelder. Das Handlungskonzept für Duisburg wird zur Zeit erarbeitet und wir gehen davon aus, dass das Konzept den Gremien Anfang 2010 vorgelegt wird.

3. Ist ein kommunales Programm zur Förderung Energiesparmaßnahmen geplant?Welche Maßnahmen sind geplant, um die energetische Sanierung der eigenen Wohnungsbestände sicher zu stellen? Welche Maßnahmen sind geplant, um Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsgenossenschaften anzuhalten, ihren Wohnraum in Duisburg durch energetische Maßnahmen zu sanieren?

Duisburg hat in den letzten Jahren etliche Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Senkung des Energieverbrauchs ergriffen, um den bundespolitischen Zielen in Sachen Klima- und Ressourcenschutz nachzukommen. Abgesehen davon, dass die Ziele und Maßnahmen der Herausforderung aus unserer Sicht nicht gerecht werden, wollen wir, dass die kommunale Ebene jede Möglichkeit ergreift, die sie ergreifen kann. Die Kommune kann und muss beim öffentlichen Gebäudebestand, in der Verkehrspolitik, in der Förderpraxis für die Sanierung privaten Wohnungsbestands, im kommunalen Wohnungsbestand und bei der Herstellung des „politischen Klimas“ in der Bevölkerung für eine solche Politik viel tun. So haben wir beispielsweise das ESPADU-Programm für die Schulen unterstützt, die – viel zu geringen - Bundesmittel aus dem Konjunkturprogramm II sollen ebenfalls zu einem großen Teil in die energetische Sanierung der Schulen fließen. Ganz wichtig ist aber auch die innovative Rolle der Kommunalpolitik beim notwendigen weitgehenden Ausstieg aus der CO2-Wirtschaft. Aktuell hat DIE LINKE den Ersatz des demnächst abgängigen Kohlekraftwerks II der Stadtwerke in Wanheim durch Bereitstellung von erneuerbaren Energien in gleicher Größenordnung mit beschlossen.

Nun aber zum Kern Ihrer Frage: Was die Förderung der energetischen Sanierung der privaten und öffentlichen Wohnungen betrifft, so ist die Finanzierung durch den Bund das Hauptproblem. DIE LINKE auf Bundesebene fordert, dass das CO2-Gebäude-Sanierungsprogramm deutlich aufgestockt wird. Wenn die 37,2 Millionen Wohnungen in Deutschland mit dem gegenwärtigen Tempo – 256.000 Wohnungen pro Jahr - energetisch saniert werden, brauchen wir noch 144 Jahre bis zur letzten Wohnung. Das ist völlig absurd. Notwendig ist auch die Umstellung von zinsverbilligten Krediten auf direkte Zuschüsse. Eine Eigenkapital ersetzende Förderung ist für jene Eigentümer zu unterstützen, die nachweislich nicht über ausreichendes Eigenkapital verfügen beziehungsweise wegen ihres Alters von den Banken die erforderlichen Kredite nicht erhalten. Die Einspeisevergütung aus dezentralen privaten Fotovoltaikanlagen darf nicht reduziert werden, wie es leider vorgesehen ist.

4. Wie sehen Sie die kommunalpolitischen Schwerpunkte der Stadtentwicklung? Welche Konzepte sollen zur Förderung innovativer Wohnkonzepte Mehrgenerationen-/Senio-renbereich aufgestellt werden?

Im Rahmen eines kommunalen Wohnraumkonzepts müssen heutzutage qualitative Kriterien sehr stark berücksichtigt werden. Sie müssen dem demographischen Wandel gerecht werden, das Altern unserer Gesellschaft, Barrierefreiheit, veränderte Familienstrukturen und veränderte Formen des Zusammenlebens berücksichtigen. Ökologische und verkehrspolitische Überlegungen müssen eingehen, die Reintegration von Arbeiten und Wohnen, die Gewährleistung guter Nahversorgung usw. Bei all dem wollen wir weiteren Flächenfraß und Naturverbrauch für Neubausiedlungen weitgehend vermeiden und der dynamischen Bestandsentwicklung den Vorrang geben.

Bei der Barrierefreiheit gibt es z. B. in Duisburg stadtweit großen Handlungsbedarf, nicht nur im Wohnungsbau. Die Ratsfraktion DIE LINKE hat sich in der auslaufenden Wahlperiode bereits intensiv mit dem Thema Barrierefreiheit befasst und Handlungsvorschläge erarbeitet, die dem Oberbürgermeister, den verschiedenen Ämtern und städtischen Gesellschaften übergeben wurden.

Die Forderung des Duisburger Frauennetzwerks Lokale Agenda 21 nach einem Beginenhof wird von uns unterstützt. Hier können Eigeninitiativen von Frauen unterstützt und generationsübergreifende Projekte verwirklicht werden. Für die Nutzung des alten Güterbahnhofsgeländes fordert DIE LINKE seit langem eine nachhaltige Nutzung durch integrierte, autoarme und energieeffiziente  Bebauung. Die dort auch vorgesehene Wohnbebauung sollte nach unseren Vorstellungen mustergültig sein.

5. Welche politischen Maßnahmen verfolgen Sie, um vernachlässigte Wohnungs-bestände von Wohnungsgesellschaften bzw. Wohnungsgenossenschaften wieder auf Dauer bewohnbar und vermietbar zu machen?

Wir brauchen bezirkliche Entwicklungspläne, die auch diesen Aspekt umfassen. Vernachlässigte Stadtteile müssen infrastrukturell und ökologisch aufgewertet werden, Schrottimmobilien und hohe Leerstandsquoten müssen beseitigt und noch viele Eigentümer zu Instandhaltungs- und Modernisierungsinvestitionen bewegt werden. Wir müssen der wachsenden sozialen Aufspaltung in vielen Stadtgebieten entgegenwirken, so gut das eine Kommune kann. Dazu gehört z. B., dass die ARGE Duisburg die Erstattung für die Kosten der Unterkunft von derzeit  3,94 Euro/m² deutlich anhebt. Dieser Satz liegt am Ende des gültigen Mietspiegels, ist realitätsfremd und setzt die Betroffenen enorm unter Druck, fördert Zwangsumzüge von Hartz-IV-Empfängerinnen und -empfänger und soziale Aufspaltung.

6. Sind Fördermittel für Rückbau oder Abriss geplant? Welche Maßnahme soll die Kommune bei verfallendem Wohnungsbestand über Wohnungsbaugesellschaften bzw. Wohnungsgenossenschaften und Vermietern allgemein ergreifen?

Der Rat hat beispielsweise umfassende Sanierungskonzepte im Volumen von rd. 72 Mio. € beschlossen für Teile von Bruckhausen, Beeck und Marxloh, wo nach einer umfassenden Untersuchung die vorhandenen städtebaulichen Missstände offiziell festgestellt wurden. ThyssenKrupp – der Konzern hat hier erheblichen Altwohnungsbestand - beteiligt sich an der Sanierung mit knapp 36 Mio. €. Hier werden über 10 Jahre die Wohnnutzung zurückgebaut und eine Abstandsfläche zwischen Wohnungsbestand und emittierender Industrie geschaffen. Wenn, wie hier, unter den Abrissimmobilien auch viele von kleinen Privateigentümern sind, ist es für DIE LINKE wichtig, dass solche Sanierungskonzepte unter umfassender demokratischer Beteiligung der Betroffenen erfolgen, keine industriellen Interessen einseitig durchgesetzt werden, ein Sozialplan aufgelegt und beim Abriss von Häusern eine angemessene und vertretbare Entschädigung erfolgt. Das ist für den sog. Grüngürtel zwar weitgehend erfolgt, aber es gibt auch berechtigte Kritik.

Des Weiteren sind wir der Meinung, dass künftig im Rahmen eines Konzepts, wie es auch andernorts durchgeführt wurde, ganze Stadtteile und –quartiere untersucht werden sollten, um weitere Sanierungsmaßnahmen zu beschließen. Dabei wären auch Erhaltungs- und Milieuaspekte in die Sanierungssatzungen einzubeziehen, um Mieterverdrängung und unsoziale Mietpreissteigerungen zu vermeiden. Duisburg kann hier auf Erfahrungen im Rahmen der Erhaltungssanierungen seiner zahlreichen (Industrie-)Siedlungen zurück greifen. Nach neueren Konzepten mit Namen „perforierte Stadt“ wurden andernorts aber auch einzelne Wohnimmobilien in Verdichtungslagen entweder saniert oder entfernt, um Abwärtsspiralen zu stoppen, die soziale Zusammensetzung von Stadtquartieren nicht umkippen zu lassen und neue Impulse für die Wohnungswirtschaft zu geben. Die Kommune kann hier – im Zusammenhang mit Fördermitteln des Landes und der EU - eine sehr initiative Rolle spielen und Dinge anschieben, die Markt und Wohnungswirtschaft allein nicht oder nur unzureichend zustande bringen.

Was den zweiten Teil der Frage betrifft, so müssen unseres Erachtens freiwillige Schritte im Rahmen von Sanierungsvorhaben, finanzielle Anreize (wie z. B. das Fassadenerneuerungsprogramm), aber notfalls auch baupolizeiliche Schritte zusammenwirken. Es gibt in etlichen Stadtteilen Wohnimmobilien, besser Schrottimmobilien, bei denen die einfachsten Erhaltungs- und Brandschutzmaßnahmen unterbleiben. Das hat zwar manchmal mit den erzielten geringen Mieterträgen zu tun, aber nicht nur. Es beweist auch ein hohes Maß an Verantwortungslosigkeit von Eignern. Dem muss im Einzelfall konsequent entgegengewirkt werden. Dabei müssen freiwillige Schritte, finanzielle Anreize (wie z. B. das Fassadenerneuerungsprogramm, aber notfalls auch baupolizeiliche Schritte zusammenwirken.

Die Antworten sind in Zusammenarbeit von Ute Abraham, Hermann Dierkes und mir erarbeitet.

DIE LINKE begrüßt Urteil des Bundesverfassungsgerichts

Brigitte Diesterhöft
Ratsfrau und OB-Kandidatin
für DIE LINKE

Das Bundesverfassungsgericht hat heute entschieden, dass Hartz-IV-EmpfängerInnen nicht bei der gleichen Behörde, von der sie einen Sanktions- oder Kürzungsbescheid erhalten haben, Rat und Hilfe suchen müssen. „Das ist eine vernünftige Entscheidung“, so Brigitte Diesterhöft, OB-Kandidatin der LINKEN und Mitglied im Rat der Stadt Duisburg.

„Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist auch eine schallende Ohrfeige für die Landesregierung NRW, die im letzten Jahr die Mittel für unabhängige Arbeitslosenbera-tungen gestrichen hat. Das war das Ende der Beratungsstelle der Diakonie in Duisburg, was nicht erst im Nachhinein ein Skandal ist. Allein die ständig steigende Zahl von Widersprüchen und Verfahren vor den Sozialgerichten zeigt deutlich die Notwendigkeit von Beratungsstellen. Die Zerstörung sozialer Strukturen, wie der Arbeitslosenzentren, rechnet sich also nicht mehr. Jetzt müssen die höheren Ausgaben für Beratungshilfen durch Rechtsanwälte im Rahmen der Prozesskostenhilfe übernommen werden.

Für dieses Mal hat die Politik der sozialen Kälte höchstrichterlich eine Abfuhr erhalten.“

Hartz IV: Observierungsplan fallen gelassen – oder doch nicht?

Nach Medienberichten wollte die Bundesagentur für Arbeit Hartz-IV-Empfängerinnen und Empfänger strenger kontrollieren als bisher. Bei Betrugsverdacht sollte sogar von den Sozialbehörden observiert werden können. Es sollte Außendienstmitarbeitern erlaubt sein, Nachbarn, Bekannte und auch die Kinder (mit Zustimmung der Eltern) über Hartz-IV-Bezieherinnen und -Bezieher zu befragen. Außendienste sollten eingerichtet oder private Firmen sollten beauftragt werden können.

Dazu Brigitte Diesterhöft, Ratsfrau und OB-Kandidatin der LINKEN: „Die geplante Ausforschung war völlig absurd. Derartige Aktivitäten stehen im krassen Gegensatz zur personell und organisatorisch vollkommen vernachlässigten Steuerfahndung in Unter-nehmen und Großbanken. Da wäre wirklich was zu holen. Nach den massiven Protesten von Datenschützern, Sozialverbänden und Betroffenen haben Bundesregierung und Nürnberger Bundesagentur die Notbremse gezogen und das Vorhaben eingestellt. Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass auch die ARGE in Duisburg jetzt keine Observierungen durchführt. Sollten betroffene Bürgerinnen und Bürger in Duisburg sich dennoch bespitzelt fühlen, bitte ich sie, sich bei mir persönlich oder bei der LINKEN zu melden. Diesen Beobachtungen werden wir dann konsequent nachgehen.“

Einsatz in Krefeld für saubere Luft und Klimaschutz - Pressemitteilung v. 7.6.09

Brigitte Diesterhöft
Ratsfrau und OB-Kandidatin
für DIE LINKE

DIE LINKE war am 6. Juni in Krefeld, um ihre Forderung nach sauberer Luft und Klima-schutz gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern demonstrativ zu vertreten. Auch Brigitte Diesterhöft, die OB-Kandidatin der Linken war dabei.

Brigitte Diesterhöft: „Das Ruhrgebiet und damit auch Duisburg gehört zu den am höchsten belasteten Gebieten Deutschlands. Das geplante Steinkohlekraftwerk würde zusätzlich 4,4 Millionen Tonnen klimaschädigendes Kohlendioxid ausstoßen und die Umgebung mit Schwermetallen belasten. Zum Schutz der Menschen fordere ich dazu auf, Alternativen ernsthaft zu prüfen. Das Wichtigste sind die Menschen, und nicht die Profite!“

Darum war Brigitte Diesterhöft nicht in Duisburg, sondern für Duisburg in Krefeld unterwegs. Immer nach dem Motto: Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt!

Fotostrecke vom Einsatz in Krefeld für saubere Luft und Klimaschutz - Demo gegen das geplante Kohlekraftwerk in KR-Uerdingen am 6.6.09

Es waren ca. 1.500 TeilnehmerInnen auf der Kundgebung.

Zum Auftakt sprachen u. a. Vertreter von Natur- und Umweltverband( NUV), Bürgerinitiative saubere Luft aus Rheinhausen, Hüseyin Aydin MdB DIE LINKE, VertreterInnen der Grünen, der MLPD und Initiativen gegen Kohlekraftwerke in Lünen, Datteln, sowie Atomkraftgegner aus dem Münsterland. Angeprangert wurde die Steinzeittechnik der Kohlekraftwerke, von denen in NRW noch insgesamt 11 gebaut werden sollen, das durchsichtige Wahlkampfmanöver des SPD-Umweltministers Gabriel,
nur noch Kraftwerke zu genehmigen, die über die CO²-Abscheidetechnik verfügen.

Zur Sprache kam auch, dass mit dem Ausbau erneuerbarer Energien sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen können, verbunden mit dem Aufruf, dass Kraftwerksgegner und Beschäftigte in Krefeld und anderswo sich nicht gegeneinander ausspielen lassen sollen.

Die anschließende Demonstration führte durch die Fußgängerzone von Krefeld-Uerdingen, als Abschlußrednerin sprach die ehemalige Umweltministerin NRW der Grünen, Bärbel Höhn.

Interview mit den Teilnehmern der Podiumsdiskussion des ADFC vom 04.05.09

Hermann Dierkes, Vorsitzender der Ratsfraktion DIE LINKE Duisburg

Zu Frage 1 (Nutzen Sie das Fahrrad auch zu Alltagsfahrten oder nur für Ausflüge ins Grüne?)

Ich nutze mein Rad auch zu Alltagsfahrten und Ausflügen. Die meisten meiner Einkäufe erledige ich fußläufig. Leider sind die Möglichkeiten zur häufigeren Nutzung des Rades durch ständigen Termindruck, wechselnde Einsatzorte im gesamten Stadtgebiet und darüber hinaus - sowie die großen verkehrlichen Defizite Duisburgs für den Fraktionsvorsitzenden der Duisburger LINKEN aber sehr begrenzt.

Zu Frage 2 (Wie wollen Sie bzw. Ihre Partei den Radverkehr in den nächsten 5 Jahren fördern, besonders angesichts der angespannten Haushaltslage?)

Die „angespannte Haushaltslage“ ist ja für Duisburg seit Mitte der 90er Jahre nichts wirklich Neues. Dennoch sind auch bei uns bis heute große öffentliche Finanzmittel in den Auto- und LKW-zentrierten Verkehr geflossen. ÖPNV-, Rad- und fußläufiger Verkehr und damit alle Menschen, die darauf angewiesen sind, sind unterm Strich ganz schlecht dabei weggekommen. Die Duisburger Kommunalpolitik ist insoweit nur den verkehrspolitischen Prioritäten der Landes- und Bundesregierungen gefolgt.

DIE LINKE setzt sich dafür ein, genau diese Prioritäten zu ändern. Und zwar aus städtebaulichen Gründen, aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit, der Demokratie im Verkehr, der Gerechtigkeit bei der Verwendung der knapper und knapper werdenden öffentlichen Ressourcen. Gerade die Kosten für die sog. Autogesellschaft – die ja in Wahrheit eine Minderheit der Gesellschaft ist - laufen uns davon. Und nicht zuletzt müssen wir den Radverkehr im Interesse des Umwelt- und Gesundheitsschutzes fördern, angefangen mit einer radikalen Verringerung krankmachender Luftschadstoffe, des Verkehrslärms, des Flächenverbrauchs und der Ressourcenschonung. Die immensen Vorteile gesunder Bewegung für die Volksgesundheit kommen hinzu.

Wir wollen vor allem die kontinuierliche und umfassende Aufwertung des Radverkehrs durch den weiteren Ausbau und die laufende Instandhaltung von modernen und kostengünstigen Radverkehrswegen. Wir wollen nutzerfreundliche und sichere Abstellanlagen an allen wichtigen Verkehrsknoten, flächendeckende Beschilderung, die weitere Öffnung von Einbahnstrassen, eine qualitativ verbesserte Anbindung der Großbetriebe und Einkaufszentren an den Radverkehr sowie eine Offensive Pro Rad an den Schulen und Bildungseinrichtungen, um die junge Generation zu begeistern. Dazu müssen Runde Tische gebildet werden, die die jeweils besten Konzepte entwickeln und der Politik, den EinwohnerInnen und den Wirtschaftsakteuren vorschlagen. Nicht zuletzt bietet ein qualitativ hochstehendes Radverkehrsnetz eine wichtige Grundlage für die zielstrebige Entwicklung des sanften Tourismus. Duisburg hat da selbst viel Potenzial und ist schließlich ein wichtiges Scharnier zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein.

Zu Frage 3 (Duisburg wird jetzt Mitglied in der AGFS. Welche Möglichkeit sehen Sie, dem Rad einen angemessenen Stellenwert einzuräumen?)

Zunächst einmal ist die Tatsache, dass Duisburg sich erfolgreich um die Aufnahme in die Reihe der rd. 50 fahrradfreundlichen Städte von NRW beworben hat, Ausdruck des sich wandelnden Bewusstseins – auch in der Kommunalpolitik. Duisburg ist aber noch keine durchweg fahrradfreundliche Stadt, obwohl sich in den letzten Jahren schon viel getan hat. Schon gar nicht wenn, wir uns an den überaus positiven Verhältnissen in Freiburg oder Münster messen. Die zunächst auf 7 Jahre befristete Mitgliedschaft in der AGFS ist Herausforderung und Ansporn, mit einer qualitativ neuer Radverkehrsförderung Ernst zu machen, um Anspruch und Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen. Die Vorhaben scheinen für die Entscheidung der Aufnahmekommission ausschlaggebend gewesen zu sein. Die AGFS bietet Beratung und Unterstützungsleistungen an, und die sollten konsequent abgefordert werden.

Zu Frage 4 (Wie könnte der Radverkehrsanteil im Modal Split erhöht werden?)

Bei den Anteilen der Verkehrsträger schneidet der Radverkehr in Duisburg mit 8 % grottenschlecht ab. Bei den Spitzenreitern liegen wir zwischen 30 und 40 %. Aber noch meinem Eindruck steigt die Zahl der Menschen, die sich auch im Alltagsleben fürs Rad entscheiden. Sie müssen unterstützt und gefördert werden. Um den Satz der Kritiker der sog. Autogesellschaft aufzugreifen „Wer Strassen säht, wird Verkehr ernten“ muss es künftig heißen: „Wer optimale Radverkehrseinrichtungen anbietet, wird Radverkehr ernten“. Eine Verdoppelung und perspektivisch eine Verdreifachung der Radverkehrsleistungen in Duisburg ist nach Meinung der LINKEN ein realistisches Ziel. Dazu braucht Duisburg einen durchdachten, mit breiter Öffentlichkeitsbeteiligung entwickelten und von dieser legitimierten Radverkehrsplan. Die wichtigsten Bestandteile habe ich erwähnt.

Zu Frage 5 (Warum sollte eine Radlerin bei der Kommunalwahl ausgerechnet Sie wählen?)

Die LINKE hat ein schlüssiges Konzept. Viele ihrer Mitglieder sind Radler aus Überzeugung oder in Lobbyverbänden wie dem ADFC aktiv. Die LINKE verteufelt dabei nicht den Autoverkehr an sich. Was wir wollen, ist eine sinnvolle Neubestimmung der Verkehrsanteile bezogen auf die Verkehrsträger. Durchbrüche in der PKW-Antriebstechnik und bei der Ressourcenschonung werden von der profitorientierten Industrie systematisch verhindert und verzögert. Wir machen nachdrücklich auf die vielen Probleme aufmerksam, die mit dem motorisierten Individualverkehr verbunden sind, unter denen viele Menschen leiden. Viele der MIV-Probleme werden auch noch mit revolutionärer Antriebstechnik fortbestehen. Ein hohes Maß an motorisiertem Individualverkehr frisst nun mal enorme Ressourcen und Flächen, zerschneidet Städte, fordert jedes Jahr tausende Tote und Verletzte, usw.

Wir wollen, dass die Kommune handfeste und komfortable Alternativen zugunsten des emissionsfreien und unerhört Ressourcen schonenden Radverkehrs anbietet. Und zwar im Rahmen eines integrierten Verkehrskonzepts. Dazu gehören ein starker ÖPNV, die Umsetzung des städtebaulichen Prinzips der kurzen Wege, die Reintegration von Wohnen und Arbeiten, flächendeckend Tempo 30 in Wohngebieten, die Überwindung der „Unwirtlichkeit“ unserer Städte.

Ist durch entsprechende Förderung des Radverkehrs erst einmal die „kritische Masse“ erreicht, wird für zehntausende unserer Einwohnerinnen und Einwohner noch deutlicher, dass es auch anders geht. Viele Städte und Gemeinden in der Region, in den Niederlanden aber auch in anderen Städten Europas machen es uns doch vor.

Kurzfassung Kommunalwahl-Programm 2009

 

 

Die Kernpunkte:

• Arbeits- und Sozialpolitik: Sie wird wesentlich durch Bundesgesetze bestimmt. DIE LINKE bekämpft den massiven Sozialabbau durch die von SPD und Grünen unter Schröder beschlossene Agenda 2010, die Hartz-Gesetze und deren Fortführung unter der Großen Koalition aus CDU/SPD. Die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2008 beweist erneut: Mit unmenschlicher Drangsalierung von Erwerbslosen können fehlende Erwerbsarbeitsplätze nicht herbei geschafft werden. Sozialabbau und Erwerbslosigkeit belasten auch die kommunale Ebene. Nur durch Arbeitszeitverkürzung mit Entgeltausgleich, sinnvolle öffentliche Aufträge und eine Ausweitung der öffentlichen Beschäftigung kann der wachsenden Erwerbslosigkeit wirksam begegnet werden. Wir wollen, dass kommunale Sozialpolitik ihre Möglichkeiten nutzt, um solange gegenzuhalten, bis der Abbau auf Bundesebene gestoppt werden kann. Dazu gehören für uns: Der DU-Pass, das Sozialticket für die DVG, soziale Stromtarife, verbesserte Erstattung bei den Kosten der Unterkunft für Hartz-IV-Empfänger, ein breiter öffentlicher Beschäftigungssektor zu Tarifbedingungen und mehr öffentliche Ausbildungsplätze. Zu den Hauptnutznießern einer offensiven kommunalen Sozialpolitik würden vor allem Frauen zählen.

• Demokratisierung der Demokratie: Wir wollen aktive Demokratie und Bürgerbeteiligung. Dazu gehört die demokratische Weiterentwicklung von Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden. Allerdings haben die Duisburger Verfahren zum Erhalt des Klinikums in städtischer Hand und zum Freibad Toeppersee gezeigt, dass die Quoren viel zu hoch sind. Wir setzen uns dafür ein, dass die Quoren von 20 auf 10 % abgesenkt werden. Eine entwickelte Beteiligungskultur der BürgerInnen steigert die Effizienz der Kommunalpolitik und schafft weitreichende Transparenz. Die Haushaltstage in den Bezirken müssen daher qualitativ weiter aus-gebaut werden.

• Zur Integration gibt es keine Alternative: Ein großer Teil unserer Bevölkerung hat einen Einwanderungs-hintergrund, insbesondere die Jugend. Sie ist Teil unserer Stadtgesellschaft, aber in ihrer Mehrheit auf fast allen Gebieten massiv benachteiligt. Ihre Integration ist eine erstrangige kommunale Querschnittsaufgabe. Wir streben Gleichstellung in allen Bereichen an. Wir wollen ihre bürgerschaftlichen und wirtschaftlichen Potenziale entfalten. Akzeptanz der Vielfalt in einer globalisierten Welt nützt unserer Stadt und ist Voraus-setzung für ein friedliches Zusammenwachsen.

• Keine weitere Privatisierung von öffentlichem Besitz und Dienstleistungen. Diese sind unverzichtbar für die kommunale Selbstverwaltung und für die Herstellung von sozialer Gerechtigkeit. 2001 haben SPD/Grüne bereits 40 % der Stadtwerke an RWE und Evonik verscherbelt, Konzerne, die sich goldene Nasen verdienen. CDU/Grüne haben 49 % des städtischen Klinikums privatisiert. Wir wollen die städtischen Anteile sobald es geht zurückhaben. Mit uns gibt es keine Privatisierung der 15.000 Gebag-Wohnungen, der DVG oder von Logport, um nur einige zu nennen. Wir lehnen die Sparkassennovelle der Rüttgers-Regierung ab, die zu einer schleichenden Privati-sierung der öffentlichen Sparkassen führen soll.

• Neue Bildungspolitik: Bildungspolitik ist Ländersache, aber die Kommune kann und muss Einfluss darauf nehmen. DIE LINKE hat sich lange für einen Schulentwicklungsplan in Duisburg eingesetzt. Aber er muss mehr sein als ein Zusammenlegungs- und Abrissprogramm. Wir wollen ein Bildungssystem, das nicht ausgrenzt, sondern alle fördert. Dazu muss das dreigliedrige Schulsystem abgeschafft werden zugunsten einer Schule, in der bis zum 10. Schuljahr alle SchülerInnen gemeinsam lernen und speziell gefördert werden. Schulen müssen im Ganztag laufen, gemeinsames Mittagessen muss gesund und bezahlbar sein. Hinzu kommen umfassende Sprachförderungs- und Erwachsenenbildungs-Programme.

• Konsequente Umwelt- und Energiepolitik: Duisburg ist nach wie vor Hochbelastungsgebiet durch die ansässige Schwerindustrie. Hinzu kommt der überbordende LKW- und Autoverkehr. Studien haben bewiesen, dass sich in den Stadtteilen mit besonders hoher Umweltbelastung typische Krankheitsbilder häufen. Die Stadtpolitik muss bei Wirtschaft und Genehmigungsbehörden entschieden mehr Druck machen für die Sanierung von Altanlagen und für harte Umweltauflagen beim Neubau von emittierenden Großanlagen. Wir wollen NRW-weit flächendeckende Umweltzonen anstelle des Flickenteppichs. Wir wollen den Ausstieg aus der CO²-Wirtschaft und auch der Müllverbrennung, nicht nur in Krefeld, sondern auch vor Ort. Wir wollen eine umfassende energetische Sanierung und Umstellung auf nachhaltige Energieträger (Solarkraft, Biogas, Windkraft, Erdwärme usw.).

• Eine andere Verkehrspolitik: Vorrang für den öffentlichen Nahverkehr, den Radverkehr und eine Stadt der kurzen Wege. Wir wollen ein dichtes und intelligentes Netz von Nahverkehrsverbindungen in öffentlicher Regie zu attraktiven Preisen. Wir streben schließlich kostenlose Busverkehre an wie in Hasselt (Belgien) – durch Umschichtung der immensen Ausgaben für Auto- und LKW-Verkehr.

• Ausgewogene Stadtentwicklung: Innenstadtentwicklung und Entwicklung der Nebenzentren müssen für uns Hand in Hand gehen. Wir setzen uns deshalb schon länger für Entwicklungspläne und höhere Investi-tionen in den Bezirken ein. Die Aufspaltung in "besser gestellte" und "arme" Stadtteile sowie in Einheimische und Einwanderer muss rückgängig gemacht werden. Die Unterzentren müssen alles anbieten, was die Bevölkerung im Alltagsleben braucht. Bei den Immobilien haben für uns die dynamische Bestands-entwicklung und die Wiedernutzung von Flächen Vorrang. Wir wollen den sozialen Wohnungsbau wieder ankurbeln.

• Sanierung der Kommunalfinanzen: Duisburg ist nach wie vor hochgradig verschuldet. Die jährliche Zinslast erreicht bald 100 Mio. Euro. Wir sind nicht bereit, ein Kürzungspaket nach dem andern zu schultern, weil Bund und Länder die entscheidende Verantwortung für die immense kommunale Schuldenlast tragen. Wir sind selbstverständlich für sinnvolles Sparen. Energieeinsparung, Ampelabschaltungen, effizienter Einkauf der Verwaltung usw. haben wir unterstützt. Weitere Schuldenlasten durch Prestigeprojekte wie den Parallelkanal lehnen wir ab. Die 67 Mio. Euro aus dem Konjunkturpro-gramm II reichen für Duisburg hinten und vorne nicht. Das gilt entsprechend für zahlreiche NRW-Kommunen ebenso. Fast 200 Kommunen sitzen in der Schuldenfalle. Durch die Krise stürzen die Gewerbesteuereinnahmen und Landeszuweisungen weiter ab. Wir wollen ein Entschuldungsprogramm von Bund und Ländern für die kommunale Ebene. Wer 500 Mrd. Euro für Banken, die das Geld an der Börse verzockt haben, ausgeben kann, kann nicht mehr behaupten, das sei nicht finanzierbar.


Es bleibt dabei: Eigene OB-Kandidatur der LINKEN –

 Brigitte Diesterhöft übernimmt

DIE LINKE Duisburg hat am 15. April 09 mit großer Mehrheit Brigitte Diesterhöft zur Oberbürgermeister-Kandidatin gewählt.

Brigitte Diesterhöft, 1953 in Duisburg geboren, machte eine Ausbildung zur Bankkauffrau und ist nach ihrem Lehramtsstudium an der Gesamthochschule Duisburg seit 1989 als Grundschullehrerin tätig. Sie ist seit 2004 Ratsfrau für DIE LINKE und kandidiert bei den Kommunalwahlen für DIE LINKE als Spitzenkandidatin auf Listenplatz 1. Brigitte Diesterhöft über ihr politisches Selbstverständnis und die Unterschiede zu den anderen KandidatInnen und Parteien: "Die Politik der LINKEN stellt die Menschen in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns. Wir weigern uns, die Reichen noch reicher zu machen, sondern fordern für alle Menschen wirklich menschenwürdige Verhältnisse. Dazu passt unsere grundsätzliche Forderung: Weg mit Hartz IV. Unerträglich die 1-Euro-Jobs. Die Menschen werden ausgebeutet und erhalten keine Lebens-perspektive. Jeder und jede sollte von dem Lohn seiner bzw. ihrer Arbeit leben können. Als Oberbürger-meisterin würde ich als erstes dafür sorgen, dass die unwürdigen Verhältnisse bei der Duisburger ARGE beendet werden".

Mit aller Kraft will sich die OB-Kandidatin der LINKEN dafür einsetzen, dass bei den Wahlen die Kräfteverhältnisse im Interesse all derjenigen verändert werden, die durch die Politik der neoliberalen Parteien vernachlässigt oder missachtet werden.

DIE LINKE führt einen eigenständigen Wahlkampf. Wir wollen unsere Ratsfraktion und unsere Mitstreiter in den Bezirksvertretungen deutlich stärken. Es gibt in NRW keine Stichwahl mehr bei der OB-Wahl. Aber derzeit gibt es mit anderen Parteien in Duisburg keine ausreichenden politischen Schnittmengen, um sich in der OB-Frage wahltaktisch abzusprechen. Die SPD hat sich neoliberal verrannt. Darüber täuscht uns auch die rote Jacke ihres OB-Kandidaten nicht hinweg. Deshalb tritt DIE LINKE mit einer eigenen OB-Kandidatin zur Kommunalwahl an.

Die Grünen richten sich auf ein Dauerverhältnis mit der CDU ein, der Partei, die in Deutschland die Hauptpartei der Besitzenden und ihrer Interessen ist. Darüber täuscht uns auch die örtliche CDU eines Adolf Sauerland nicht hinweg, der mit leichter Hand viele der Blockaden beseitigen konnte, die die SPD bis 2004 aufgestellt hat und die wir mit vielen anderen immer bekämpft haben. Die CDU setzt den Kürzungs- und Privatisierungskurs gleichzeitig massiv fort.

Wer künftig in einer demokratischeren und sozialeren Stadt leben will, in der Politik sozial gerecht für alle Menschen gestaltet und umgesetzt wird, wählt am 30. August 09

Original sozial. 

 

 Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttps://www.die-linke.de/wahlen/kampagne/aktiv_werden/

 

Geschäftsstelle
DIE LINKE – Kreisverband Duisburg
Mülheimer Str. 57 – 47058 Duisburg
Tel.: 02 03 / 8 05 63 87
Fax: 02 03 / 8 05 63 86

Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-MailKontakt:

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterWebsite:


Die Langfassung des Kommunalprogramms der LINKEN Duisburg kann unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttp://www.die-linke-duisburg.de/fileadmin/kvduisburg/Komm_Prog_EF_12_08.pdf abgerufen werden. Sie ist als Broschüre in unserer Geschäftsstelle und an den zahlreichen Infoständen erhältlich. Auf Wunsch senden wir Sie Ihnen gerne zu.

 

Kreissprecher: „Personell und politisch sehr gut aufgestellt“

obere Reihe v.l.n.r.: Ratsherr Erkan Kocalar, Barbara Laakmann, Senay Samarsin, Dilan Sert, Ratsfrau Brigitte Diesterhöft - untere Reihe v.l.n.r.: Ingrid Jost, Martina Amman, Kenan Ilhan, Thomas Keuer, Ratsherr und Fraktionsvorsitzender Hermann Dierkes, Binali Demir, Herbert Fürmann

DIE LINKE Duisburg: Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl stehen

Nach der einmütigen Nominierung von Hermann Dierkes als OB-Kandidat am 05.11.08 stellte die Wahlversammlung der Duisburger LINKEN am 15.11.08 flächendeckend ihre 37 Direktkandidatinnen und -kandidaten für den Rat und insgesamt 45 Kandidatinnen und Kandidaten für die 7 Stadtbezirksvertretungen auf.

 
Die sog. Ratsreserveliste umfasst 26 Kandidatinnen und Kandidaten. Sie ist weitgehend Geschlechter quotiert. Vor allem um die 12 aussichtsreichen Plätze der Reserveliste gab es etliche Kampfabstimmungen, die allerdings fair ausgetragen wurden.

 

SpitzenvertreterInnen der Ratsreserveliste:

Platz 1: Brigitte Diesterhöft (derzeit Ratsfrau)
Platz 2: Hermann Dierkes (derzeit Fraktionsvorsitzender)
Platz 3: Barbara Laakmann
Platz 4: Erkan Kocalar (derzeit Ratsherr)
Platz 5: Martina Ammann
Platz 6: Thomas Keuer
Platz 7: Dilan Sinem Sert
Platz 8: Kenan Ilhan
Platz 9: Ingrid Jost
Platz 10: Binali Demir
Platz 11: Senay Samarsin
Platz 12: Herbert Fürmann (derzeit Bezirksvertreter)

SpitzenvertreterInnen der Bezirkslisten:

Bezirk Hamborn: Herbert Fürmann (derzeit Bezirksvertreter), Carmen Hornung-Jahn
Bezirk Homberg/Ruhrort/Baerl: Roland Busche (derzeit Bezirksvertreter), Margareta Fink
Bezirk Meiderich-Beeck: Detlef Feldmann, Kenan Ilhan
Bezirk Mitte: Michael Dubielczyk (derzeit Bezirksvertreter), Gaby Ammely
Bezirk Rheinhausen: Werner Roming, Dietrich Kunze
Bezirk Süd: Mirze Edis (derzeit Bezirksvertreter), Gülden Sezer
Bezirk Walsum: Jörg Niekulka, Dilan Sinem Sert

Martina Ammann und Kenan Ilhan, die beiden Kreisverbandssprecher der LINKEN zum Ergebnis der Wahlversammlung: „Mit dem Ergebnis der disziplinierten und ruhig verlaufenen Wahlversammlung sind wir personell für die Kommunalwahl 2009 sehr gut aufgestellt. Die Kandidatinnen und Kandidaten bilden eine gute Mischung aus engagierten und fachkundigen Menschen, aus bewährten und neuen Kräften. Die Geschlechterquotierung konnte weitgehend eingehalten werden. Kandidatinnen und Kandidaten mit Migrationshintergrund sind für Rat und Bezirke hervorragend berücksichtigt worden. Unter den 12 aussichtsreichen Plätzen auf der Ratsreserveliste befinden sich 5 Kandidatinnen und Kandidaten mit türkischen bzw. kurdischen Wurzeln. Altersmäßig decken die ersten 12 Ratskandidatinnen und -kandidaten ein Spektrum zwischen 18 und 59 Jahren ab. Unser umfangreiches Kommunalprogramm wurde Anfang November verabschiedet und wird in Kürze als Broschüre und per Internet zur Verfügung stehen. Es bildet die verbindliche Grundlage für unsere politische Arbeit.“

Antwort an einen, der auszog, die Menschen seine frühere Politik vergessen zu machen ...

Hermann Dierkes, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE Duisburg

Hallo, lieber Jürgen Brandt,

in einem Schreiben auf Ihrer Internetseite werben Sie um die Unterstützung der LINKEN bei der OB-Wahl. Wir fragen uns allerdings, was Sie tatsächlich bezwecken, wenn Sie uns gleich in der Anrede herabsetzen. Sind Sie so auch in Verhandlungen gegangen, als Sie noch Stadtdirektor waren? Für Sie sind wir ein „Ableger“ einer Partei, „die sich die Linke nennt“. Nach einer derart „Klima fördernden“ Anrede tue ich mich schwer, Ihnen zu antworten. Aber sei es drum. Ich habe mich entschlossen, Ihnen sogar ausführlich zu antworten und werde nicht an einer gewissen Polemik sparen.

Ich antworte Ihnen in Ihrer Eigenschaft als OB-Kandidat des Duisburger Ablegers, der sich SPD nennt, - wobei SPD für Millionen Menschen in dieser Republik allerspätestens seit den Hartz-Gesetzen der Regierung Schröder/Fischer nicht mehr für sozial und demokratisch steht, sondern für Sozialabbau – Privatisierung – Deregulierung.

Werter Jürgen Brandt, Sie waren bis 2004 neben OB Zieling viele Jahre der maßgebende SPD-Politiker in Duisburg. Sie hatten große Teile der Verwaltung und der städtischen Unternehmen auf Ihre und Bärbel Zielings persönliche Interessen zugeschnitten, - wie die buchstäbliche Spinne im Netz.

Bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr gibt es auf Betreiben von Schwarz-Gelb in NRW keine Stichwahl mehr. Sie möchten, dass wir auf einen eigenen OB-Kandidaten verzichten, um Sie zu unterstützen. Wir sollten, so Ihr Appell, an unsere WählerInnen und Ihre Interessen denken und die Folgen, die es hätte, sollte Sauerland wieder die OB-Wahl gewinnen. Lieber Jürgen Brandt, Hand aufs Herz: Das ist ein Prachtexemplar von scheinheiliger Argumentation. Nur zur Erinnerung: Ihre bzw. Eure Politik ist 2004 nach über 50 Jahren schlicht und ergreifend abgewählt worden, und zwar mit Pauken und Trompeten. Abgewählt worden seid ihr nach jahrelangen und massiven Auseinander-setzungen auf fast jedem kommunalen Handlungsfeld. Ich will nur einige herausgreifen:

• Quälender Stillstand in der Stadtentwicklung (Beispiele: Mercatorhallenruine, unsäglich dilettantische Planerei und Zeitverluste mit dem heutigen City-Palais. Anstreben einer Megamall mit Namen Multi Casa auf dem Güterbahnhofsgelände und verbissenes Festhalten daran trotz aller Widerstände statt Wiederbelebung der Innenstadt; Vernachlässigung und scheinbar unaufhaltsamer Niedergang der Unterzentren usw.).

• Jahrelange industriefolgsame Umweltpolitik (so sollte u. a. im Norden eine große Gift-müllverbrennungsanlage (EZD) durchgeboxt werden, wogegen sich zehntausende Menschen wehrten; ihr wart opportunistisch im Kampf um die Stilllegung der Giftküche Uraltkokerei Thyssen; opportunistisch in allen großen Genehmigungsverfahren wie der Energie verschwendenden neuen Thyssen-Kokerei, dem Großhochofen 2 usw., d.h. ihr habt nicht für optimale Umweltauflagen gekämpft); ihr habt eine perspektivlose und gefährliche Auto- und LKW-Vorrang-Politik betrieben; der vergebliche Versuch, eine „autogerechte Stadt“ zu bauen, ist wesentlich auf Euer Wirken (auch schon vor Ihrer Zeit) zurückzuführen. Statt offensiver und intelligenter Nahverkehrspolitik war die DVG nur noch im Krebsgang; die notwendige Förderung von Radwegen und entsprechender Infrastruktur wie Radstationen, Abstellmöglichkeiten an Verkehrsknotenpunkten usw. war mehr als mangelhaft; ihr seid dem verrückten und kostspieligen Transrapid-Vorhaben nachgelaufen usw.).

• Unökologische und teure Abfallpolitik mit dem Schwerpunkt Müllverbrennung.

 Vollkommen mangelhafte Integrationspolitik gegenüber der Migrantenbevölkerung (selbst in der SPD hatten MigrantInnen so gut wie keine Chance, bei Wahlen auf aussichtsreiche Plätze zu kommen, was schließlich ebenfalls zu massiven Mitgliederverlusten führte); rigide Flüchtlingspolitik. In Eurem derzeitigen Wahlprogramm versucht ihr Euch auf zweifelhafte Weise mit „Recht und Ordnung“ zu profilieren. In der kürzlichen Marxloh-Debatte habt ihr Euch mit eindeutigen Anleihen beim Rechts-Populismus und auf Kosten der Migrantenbevölkerung profilieren wollen. Hans Pflug und Sören Link haben in diesem Zusammenhang unseren Bundestagsabgeordneten Hüseyin Aydin mit Argumenten unterhalb der Gürtellinie traktiert („Verbitten uns Belehrungen eines Zugereisten“) und die Verweise auf wachsende Armut als Ursache für die Probleme als „08/15-Gequatsche über Hartz IV“ abgetan.

 Strikte Ablehnung neuartiger demokratischer Beteiligungsmöglichkeiten bei der Haushaltsaufstellung, wie sie DIE LINKE immer wieder einforderte.

• Vernachlässigung der Schulgebäude bis unten hin; von Euch kamen keine energischen und neuen Impulse in der Bildungspolitik Richtung „Gemeinsam länger lernen“; die Schließung des modellhaften Clauberg-Gymnasiums ist von Euch betrieben worden und zeitweise am großen Widerstand gescheitert; einen Schulentwicklungsplan habt ihr stets abgelehnt.

• Weitgehende Fehlanzeige in der Enthinderungspolitik.

 Die Verschuldung der Stadt bis über beide Ohren ist unter Eurer Ägide so richtig hoch gelaufen (Diese war sicherlich auch wesentlich mit bedingt durch die Unfähigkeit der beiden Schröder/Fischer-Regierungen zu einer durchgreifenden Kommunalfinanzreform und immer neuen Aufgaben für die Kommunen ohne entsprechende Finanzausstattung. Diese Politik ist von Euch über viele Jahre nie ernsthaft kritisiert worden. Erst sehr spät habt ihr Euch an öffentlichen Protesten des Städtetags beteiligt). Gleichzeitig hat der damalige und heutige SPD-Kämmerer in 2002/03 bei einem sog. Cross-Border-Leasing-Geschäft über unsere Stadtbahnanlagen und Straßenbahninfrastruktur mitgemacht, dessen Folgen inzwischen zahlreiche Kommunen durch die Bankenkrise ausbaden müssen bzw. wo ihnen massive Verluste drohen. Das Kapitel ist auch für Duisburg noch nicht zu Ende. Ohne die Zustimmung des Stadtdirektors Brandt wäre der CBL-Steuerbetrug (so qualifiziert das der US-Senat und die oberste US-Finanzbehörde seit 2004/05) nicht gelaufen. Ohne die Unterbindung derartiger Scheingeschäfte zum Zweck der Steuer-umgehung durch die US-Politik hättet ihr damals noch einen weiteren Vertrag über das städtische Kanalnetz abgeschlossen.

Abgewählt worden seid ihr aber auch wegen der Superloyalität der Duisburger SPD zur Schröder-Müntefering-Clement-Politik, die nicht nur in Duisburg, sondern bundesweit so viele Millionen Menschen verunsichert, in Armut und Verzweiflung gedrängt und entwürdigt hat. Von den beklagenswerten sozialen Fakten zeugt u. a. der Duisburger Sozialbericht 2007, der erste seiner Art, den ihr übrigens ebenfalls nie zustande gebracht habt. Von der skandalösen sozialen Schieflage in der gesamten Republik zeugt auch der aktuelle OECD-Bericht. Dafür trägt Eure Partei maßgeblich politische Mitverantwortung.

Lieber Jürgen Brandt, auf Ihren Buttons versuchen Sie sich als „brandtneu“ zu verkaufen, buchstäblich wie ein Phönix aus der Asche der Duisburger Kommunalpolitik à la SPD. Man reibt sich die Augen! Wer soll Ihnen das nach der Bilanz bis 2004 abnehmen? Wann und wo haben Sie eine kritische und selbstkritische Aufarbeitung Ihrer Politik im Zusammen-hang mit der SPD-Politik insgesamt geleistet? Sauerland konnte doch mit leichter Hand eine ganze Reihe der zahllosen Blockaden und Missstände anpacken und beseitigen, die auch wir immer zusammen mit vielen Menschen unserer Stadt angeprangert haben und die Sie maßgeblich mit zu verantworten haben, insbesondere in Sachen Stadtentwicklung. Damit wird er punkten. Dafür tragen allerdings Sie und die SPD die Verantwortung und niemand sonst.

Glauben Sie wirklich, dass Duisburg eine Stadt der Blinden ist und eine Stadt, in der nur Menschen mit einem kurzen Gedächtnis zu Hause sind?

Kommunalpolitik hat zwar ihre eigene Ebene, aber sie spielt sich in Zusammenhängen ab. Noch vor wenigen Tagen waren Sie in Berlin und haben dem maßgeblichen Verantwortlichen für die unsägliche Agenda 2010 bzw. der Hartz-Gesetze, nämlich Steinmeier applaudiert, haben Münteferings Comeback mit abgefeiert, haben sich sogar seine Unterstützung zusagen lassen. Alsdann! Sie stellen sich damit immer noch demonstrativ hinter deren Sozialabbau- und sonstige Politik, sei es in der Koalition mit der CDU oder ohne. Das finde ich als jemand, der sich sein politisches Leben lang für soziale Gerechtigkeit und gewerkschaftliche Erfolge eingesetzt hat, einfach nur schäbig. Aber auch sehr kennzeichnend! Sie stellen sich damit öffentlich hinter die Politik eines Frank-Walter Steinmeier, die von ihm betriebene Militarisierung der Außenpolitik, hinter den Lissabon-Vertrag mit seinen neoliberalen, unsozialen Glaubensbekenntnissen und seiner Verpflichtung zur permanenten Aufrüstung. Wir haben Ihnen und der SPD-Spitze in Duisburg wiederholt geraten: „Geht auf Distanz zu der Agenda-Politik und zur großen Koalition." Ihr tut das nicht, weil ihr sie offenbar für richtig haltet. Wie soll aus einer so gänzlich anderen politischen Grundhaltung zwischen Euch und uns eine gedeihliche Zusammenarbeit in kommunalen Fragen erwachsen?

Es ist auch die grobe Unwahrheit, so zu tun, als seien Sie geradezu der Erfinder der Forderungen nach einem Duisburg-Pass für Bedürftige, nach einem Sozialticket für die DVG, nach Sozialstrom für Bedürftige usw. Abgesehen davon, dass Sie diese konkreten Forderungen in Ihrer Aufzählung abschwächen und verwässern (z. B. „gerechte Strompreise“- eine Formulierung, die mehr Fragen aufwirft als sie Antworten gibt), vertreten Sie Forderungen in dieser Richtung mehr oder weniger erst solange, seitdem Sie OB-Kandidat sind und Ihre Wahlhomepage existiert.

Diese sozialpolitischen Forderungen – und zwar präziser gestellt als Ihre – sind in Wahrheit von der LINKEN entwickelt, propagiert und im Rat eingebracht worden. Die SPD hat die Forderung nach einem DU-Pass schlicht von der LINKEN und der Erwerbslosen-bewegung abgekupfert. Bis 2004 habt ihr nie ernsthaft erwogen, sie zu realisieren und bis vor Kurzem habt ihr Euch dafür nicht öffentlich eingesetzt. Einen zarten Ansatz, den es gab, habt ihr wieder abgeschafft. Die Mitstreiterinnen und Mitstreiter der LINKEN haben sich maßgeblich an der Unterschriftensammlung der Initiative für einen DU-Pass aus Erwerbslosen und DGB beteiligt. Der Rücklauf aus SPD-Untergliederungen war – wie auch beim Thema Klinikprivatisierung – sehr bescheiden.

Die SPD-Fraktion hat die DU-Pass-Forderung aufgegriffen, aber nicht zuerst entwickelt. Die SPD-Fraktion hat die Ratsanträge auf Sozialstrom und Sozialticket nicht unterstützt und auf die Bundesebene verwiesen. In Duisburg seien diese nach Meinung der SPD-Fraktion – von uns als Notmaßnahme gegen die Verarmung durch Hartz IV geforderten Maßnahmen –  „nicht finanzierbar“. Aber im Bundestag hat die SPD-Fraktion – einschließlich der beiden Duisburger Abgeordneten Pflug und Weis – in namentlicher Abstimmung gegen entsprechende Anträge der LINKSFRAKTION gestimmt, genauso, wie sie den Antrag der LINKEN zur Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zusammen mit CDU und FDP – und trotz Eurer Scheinkampagne für das Thema – abgelehnt hat.

Jetzt zu kommen, lieber Jürgen Brandt, und gewissermaßen zu behaupten: „Das, was Ihr wollt, vertrete ich doch schon lange und sogar schon vor Euch“, ist einfach billig. Das wissen nicht nur unsere Mitglieder und sämtliche MandatsträgerInnen in Rat, Ausschüssen und Bezirksvertretungen besser, die sich durch Ihre Behauptungen arg verscheißert fühlen, sondern das wissen auch erhebliche Teile der Duisburger Öffentlichkeit.

Lieber Jürgen Brandt, es gibt eine Konstante in der SPD-Politik, nämlich das enorme Auseinanderklaffen zwischen Wort und Tat. Das haben Millionen und Abermillionen inzwischen verinnerlicht. Auch in Duisburg hören wir derzeit bei unseren Aktivitäten als LINKE kaum etwas anderes in den Betrieben und aus der Bevölkerung. Euere Glaubwürdig-keitskrise hat mit der Wende zum Neoliberalismus inzwischen historische Dimensionen angenommen. Ihr seht ziemlich abgebrann(d)t aus! Wir wissen, dass viele Eurer Mitglieder darunter leiden, viele schon ausgetreten sind oder sich mit Austrittsgedanken tragen. Tausende kämpfen inzwischen in unseren Reihen für soziale Gerechtigkeit.

Die schwere internationale Finanzkrise ermöglicht es jetzt sogar etlichen CDU-Vertretern und Reaktionären wie dem Franzosen Sarkozy, sich mit scheinbar antikapitalistischen Sprüchen und Vorstößen zu profilieren. Wir richten uns darauf ein, dass auch von Eurer Seite noch das eine oder andere dazu kommen wird, um so zu tun, „als hättet ihr verstanden“. Nur ein Beispiel mit örtlichem Bezug: Kaum hatte die SPD-Fraktion zusammen mit der CDU im Bundestag ein Konjunkturprogramm abgelehnt, wie es DIE LINKE als Junktim mit dem Bankenrettungspaket wollte, kam Ihre Genossin Bärbel Bas und fordert genau dies ein. Ach ja, sie läuft ja auch noch ein Rennen gegen Eure Genossin Weis um die Nominierung als Bundestagskandidatin.

Künftige, wieder einmal angepasste Argumentationslinien werden Euch aber ein zentrales Problem nicht nehmen: Ihr müsst nämlich erklären, warum die SPD diese unsägliche Politik der Marktliberalisierung, des Abbaus sozialer Schutzrechte und der Vorfahrt für das große Kapital jahrelang gefördert und mitgemacht hat. Warum ihr so tatkräftig geholfen habt, den Sozialstaat so weit herunterzufahren, dass Millionen Menschen, v. a. Rentner, Erwerbslose, Jugendliche, Alleinerziehende und Kranke in Not gebracht wurden, dass die Kinderarmut alle Rekorde schlägt, dass die prekären Jobs boomen, dass den Heuschrecken die Schleusen geöffnet wurden und die Umverteilung von unten nach oben so richtig angekurbelt wurde.

DIE LINKE wird Euch eine bloße Änderung in der Rhetorik nicht durchgehen lassen. Ihr müsst durch praktische Politik umfassende Wiedergutmachung leisten.

Wir wollen – in Anspielung auf den großen portugiesischen Romanautor José Saramago – eine  „Stadt der Sehenden“ und keine „Stadt der Blinden“. Wir wollen andere Prioritäten in der Stadtpolitik, wir wollen informierte und demokratisch beteiligte EinwohnerInnen. Wir wollen den Menschen nicht ein X für ein U vormachen. Der Kreisverband der LINKEN wird weder für die SPD, noch für Herrn Sauerland und seine CDU den Balljungen machen. Die SPD hat ihren Schlamassel allein zu verantworten. Er ist die Quittung für Eure Politik in Duisburg, im Bund und auf Landesebene (Clement lässt hier übrigens stellvertretend für viele andere auch schön grüßen!). Dafür könnt ihr uns nicht haftbar machen und dafür lassen wir uns nicht haftbar machen. Erinnern Sie sich noch an die Bewertung des für die SPD erstmals so richtig schmerzhaften Wahlergebnisses von 1999 durch OB Zieling? Wir haben es nicht vergessen. Sie meinte: „Das Schlimmste in Duisburg ist der Einzug der PDS (eine der Vorläuferorganisationen der LINKEN) in den Rat.“

Wir haben auch keine Verantwortung für Eure schwere Niederlage von 2004 übernommen und auch nicht für Euer absehbar schlechtes Ergebnis im kommenden Jahr. Eure Frau Kraft propagiert auf Landesebene ununterbrochen, dass sie uns aus dem Landtag heraus halten will. Das scheint eines ihrer zentralen Wahlziele zu sein. Sie und die der SPD nahe stehenden Medien verleumden uns mit „Wünsch-Dir-Was“-Vorwürfen und anderen Albernheiten. Für wie dumm haltet ihr eigentlich die Menschheit? Gleichzeitig stand und steht auch die SPD für alle milliardenschweren Wünsche der Reichen und Einflussreichen offen. Und die waren bekanntlich äußerst erfolgreich mit ihren Wünschen – unter der Regierung  Schröder und unter der Regierung Merkel/Steinmeier! Es kommt eben offenbar darauf an, wer sich was wünscht. Das aktuelle „Bankenrettungspaket“ liefert dafür erneut den Beweis.

Auch die SPD macht jetzt wieder dabei mit, den Banken und Finanzhaien Riesensummen in den Rachen zu schmeißen. Und zwar ohne die Bedingungen, wie sie DIE LINKE aufgestellt hat: Nämlich Staatsknete nur im Verbund mit einem Konjunkturprogramm für die Infrastruktur, Teilverstaatlichungen mit Stimmrecht, Haftung der Verantwortlichen, radikal verbesserte Finanzmarktaufsicht, durchgreifenden Kapitalverkehrskontrollen und eine Millionärssteuer.

Lieber Jürgen Brandt, DIE LINKE führt in Duisburg einen eigenständigen Wahlkampf und wir wollen ein Maximum an Mandaten holen. Alle Umfragen ermutigen uns ungemein. Unser aktualisiertes Kommunalprogramm steht und wird am 5.11.08 verabschiedet. Wir werden auch einen eigenen OB-Kandidaten aufstellen. Es gibt angesichts der SPD-Politik keine besondere Nähe zwischen uns und Euch. Ihr seid für uns politische Gegner, genauso wie die CDU. Das seht ihr nach Aussagen Eures Parteivorsitzenden Ralf Jäger aus Eurer Sicht genauso.

Wenn ihr bzw. die Duisburger SPD sich ernsthaft für einen Teil unserer Forderungen einsetzen, so ist das grundsätzlich zu begrüßen. Wir haben uns immer bereit erklärt, in Sachfragen mit allen Parteien in Rat und Stadtbezirken punktuell zusammen zu arbeiten, mit Ausnahme des braunen Randes. Ihr seid aber bei den von Ihnen angesprochenen Sozialforderungen noch weitgehend den Beweis schuldig geblieben, dass ihr es ernst meint. Wir haben – nach unseren Erfahrungen mit Euch im Rat, in Bezirken, in der Öffentlichkeitsarbeit und auf Bundesebene – bisher die Einschätzung, dass ihr Euch gewissen Forderungen und Positionen aus rein wahltaktischen Gründen anschließt. Das ist uns entschieden zu wenig. Die politischen Schnittmengen zwischen der Duisburger SPD-Politik und der LINKEN sind zu dürftig, um auf eine eigene OB-Kandidatur verzichten zu können. Ganz zu schweigen davon, dass wir Ihre Kandidatur, wie ihr es gerne hättet, „vorbehaltlos“ unterstützen könnten. Angesichts Ihrer öffentlich bekundeten „Offenheit“ nach allen Seiten fragen wir: Welche Halbwertszeit haben denn eigentlich Ihre „brand(t)neuen“ Positionen, wenn das Wahlergebnis Euch eine Zusammenarbeit mit der CDU oder der FDP nahe legen sollte?

Sie selbst, lieber Jürgen Brandt, haben nämlich in einem Interview nach Ihrer Nominierung erklärt, mit wem Sie alles zusammen arbeiten könnten: Mit den Grünen, der CDU und auch mit uns. Wofür stehen Sie nach einer solchen Aussage eigentlich tatsächlich und was wollen Sie denn mit der CDU erreichen? Von uns abgekupferte Forderungen für die kommunale Sozialpolitik wollen Sie mit denen durchsetzen?

Lassen wir die Wählerinnen und Wähler entscheiden. Dann sehen wir weiter.

Mit freundlichen Grüssen

Hermann Dierkes

(Vorsitzender der Ratsfraktion DIE LINKE Duisburg)