
Barrierefreiheit ist in Duisburg längst noch nicht Standard. Nicht im öffentlichen und nicht im privaten Bereich. Hohe Bordsteinkanten, Treppen, fehlende Türöffner, keine oder mangelhaft ausgestattete Behindertentoiletten usw. machen den weit über 1.000 RollstuhlfahrerInnen, aber auch Sehbehinderten im Stadtgebiet das Leben unnötig schwerer als es schon ist. DIE LINKE nimmt sich seit Jahren des Themas an, hat Studien erstellen lassen und auf die Rathauspolitik eingewirkt. Die Ergebnisse sind angesichts von Unverständnis, Missachtung oder angeblichem Geldmangel immer noch bescheiden. In vielen Fällen geht es noch nicht einmal um viel Geld, wie etwa bei vernünftigen Ausschilderungen. Aufgrund von Bürgerbeschwerden haben sich Hermann Dierkes und Marlies Lenzen (selbst Rollstuhlfahrerin) unlängst in Hamborn etliche „Fälle“ bei der ARGE, dem Bezirksamt Hamborn (s. u.) und der AOK angesehen. Bei der AOK ist der Eingang in keinster Weise behindertengerecht. Selbst die Klingel sitzt so hoch, dass sie für einen Rollstuhlfahrer kaum erreichbar ist. Häufig stehen Betroffene ratlos vor der Tür der Krankenkasse (!). ARGE, AOK und Wirtschaftsbetriebe der Stadt wollen den jeweiligen Beschwerden nachgehen.
ARGE Hamborn, Duisburger Str. 277
Negativ fiel vor allem auf:
- Behindertenparkplätze fehlen ganz, obwohl Fläche im Eingangsbereich vorhanden.
- Auf der Zuwegung behindern Pflastersteine die Fahrt eines Rollstuhls.
- Im Aufzug hängt die Infotafel ca. 10 cm zu hoch. Sie ist für RollstuhlfahrerInnen schlecht lesbar.
- Behindertentoilette und Vorraum werden als Lagerraum für Putz- und Sanitärmaterial zweckentfremdet. Abgestelltes Reinigungsgerät behindert die freie Durchfahrt.
- Im Toilettenraum schränkt ein großer Kartonstapel mit Einmalhandtüchern den Bewegungsraum zwischen Toilette und Waschbecken stark ein.
- Eine Notrufeinrichtung fehlt gänzlich.
- Die Toilette ist nur mit einem Haltebügel (statt der erforderlichen 2) ausgestattet.
- Der Abstand zwischen Haltebügel und Toilettenstuhl ist mindestens 5 cm zu groß.
- Der Mantelhaken hängt zu hoch („Normalmaß“).
- 2 Wasserzapfstellen im Bereich des Toilettenstuhls behindern.
„Behinderten-WC“ am Bezirksamt Hamborn
Das ausgeschilderte WC ist nicht im Mindesten behindertengerecht ausgestattet. Es erfüllt selbst Anforderungen an eine Standardtoilette nicht.
- Zugang ist durch ein schweres Eisengitter verschlossen. Öffnung mit „Euroschlüssel“ möglich. Schloss schwergängig. Aufschieben des Eisengitters erfordert auch für einen gesunden Erwachsenen Kraftanstrengung.
- Rechtsseitig angebrachte Klingel (ohne Beschilderung) ist offenbar nicht aktiviert bzw. beaufsichtigt.
- Im schwarz gefliesten Vorraum führen linksseitig – völlig ungesichert – mehrere Treppenstufen nach unten vor ein weiteres Gitter. Es besteht Absturzgefahr für RollstuhlfahrerInnen.
- Toilettenraum und Toilettenstuhl erfüllen in keinster Weise die Anforderungen an ein Behinderten-WC (Toilettenstuhl zu hoch, keine Haltebügel, kein Notruf).
- Selbst einige einfache Anforderungen an eine normale Toilette werden nicht eingehalten. So fehlen eine Aufhängung für Toilettenpapier und ein Spiegel. Toilettenpapier ist nicht vorhanden. Papierhandtücher sind auf dem Spülkasten abgelegt.
Die Mängel sind leider immer noch typisch für Vieles im Stadtgebiet, im öffentlichen und privaten Bereich. DIE LINKE hat die Verantwortlichen angeschrieben. Wir erwarten jetzt unverzügliches Handeln.