Nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes aus dem Jahre 2007 hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Alter bis zu 15 Jahren, die auf Sozialhilfeniveau leben, auf mehr als 1,9 Millionen bundesweit erhöht. Kinderarmut bedeutet: Ausschluss von sozialer und kultureller Teilhabe, stark eingeschränkte Bildungschancen, Zerstörung von Zukunftsperspektiven. Kinder armer Eltern sind von Geburt an benachteiligt.

Neue wissenschaftliche Ergebnisse belegen: Die Förderung von Kindern im frühen Kindesalter hat erheblichen Einfluss auf ihre individuellen Entwicklungschancen. Deshalb ist es wichtig, dass alle Kinder das Recht auf umfassende Förderung haben sowie an Bildung und Erziehung in Gemeinschaft mit anderen Kindern teilhaben können. Das muss unabhängig vom Geldbeutel der Eltern sein. Und es darf auch nicht davon abhängen, inwieweit die Erziehungsberechtigten zeitlich und finanziell in der Lage sind, die Betreuung, Bildung und Erziehung selbst zu gewährleisten.

Aus diesem Grund setzt sich DIE LINKE für den flächendeckenden Ausbau von Kitas ein. Eltern sollen sich ganz bewusst für die Förderung ihres Kindes in einer Kindertagesstätte entscheiden können – ohne Zugangsbeschränkung und Bedarfsprüfung. Jedes Kind muss vom ersten Lebensjahr an einen Ganztagsplatz beanspruchen können. Die Realität sieht zurzeit ganz anders aus. Die Versorgung mit Kita-Plätzen ist nach wie vor sehr schlecht. Gerade in armen Städten, wie im Ruhrgebiet, gibt es besonders wenige Plätze. Gleichzeitig sind hier die Elternbeiträge relativ hoch.

Kitas leisten einen aktiven Beitrag zu Bildung, Erziehung und Betreuung

Wenn Kindertagesstätten ihrer Verantwortung für soziale Chancengleichheit und Integration gerecht werden sollen, müssen sie ihren eigenständigen und aktiven Beitrag zu Bildung, Erziehung und Betreuung und damit zur Förderung der ihnen anvertrauten Kinder leisten. Vorschulische Bildung und Erziehung stellt dabei keinen Widerspruch dar zu einem liebevollen Elternhaus, sondern ist die gesellschaftlich notwendige Ergänzung, weil hier Kinder gemeinsam mit anderen Kindern spielend lernen können.

DIE LINKE setzt sich für die gemeinsame Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern ein, unabhängig davon, ob sie behindert oder nicht behindert sind, ob deutscher oder anderer Muttersprache und unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Aufgabe von Kindertagesstätten ist es, Benachteiligungen früh zu erkennen und auszugleichen, die besonderen Talente jedes Kindes zu entdecken und ihnen Raum zur Entfaltung zu geben. Von Kindereinrichtungen müssen Kinder gewissermaßen Besitz ergreifen, sie mitgestalten können. Das verlangt Ideenreichtum im Umgang mit dem Vorhandenen; eine kluge Architektur, wo Neues entsteht und eine pädagogisch sinnvolle Ausstattung.

Rahmenbedingungen für hohe pädagogische Qualität der Kinderbetreuung

Gute Rahmenbedingungen in der Kinderbetreuung müssen den Bedürfnissen von Kindern, Eltern und dort Beschäftigten gerecht werden. Hierzu gehört neben dem Ausbau der Öffnungszeiten und der Festlegung von Mitbestimmungsrechten von Eltern, auch die angemessene Bezahlung des Personals. Wir streben an, dass eine pädagogische Fachkraft nicht mehr als vier Kinder unter drei Jahren gleichzeitig betreuen sollte. Für Drei- bis Sechsjährige empfehlen wir, dass eine pädagogische Fachkraft nicht mehr als neun Kinder gleichzeitig betreut.

Im Vergleich zu anderen Industrieländern stehen in Deutschland deutlich weniger öffentliche Gelder für frühkindliche Bildung zur Verfügung. Das muss sich dringend ändern, damit die Angebote besser werden können. Um in einer Stadt wie Duisburg den tatsächlichen Bedarf der Plätze für unter 3-jährige Kinder zu decken, brauchen wir drei Mal so viele Plätze. Die Mittel kann die Kommune natürlich nicht alleine aufbringen. Bund und Land müssen erheblich mehr Geld investieren.

DIE LINKE will, dass die Angebote für Kinder schrittweise, gebührenfrei zur Verfügung gestellt werden. Einige Bundesländer wie z. B. Rheinland-Pfalz haben damit bereits begonnen. Wichtig ist für uns auch die Bereitstellung eines kostenlosen, zumindest aber bezahlbaren Mittagessens, das die gesunde Entwicklung und die Leistungsfähigkeit der Kinder fördert. Weil Eltern den Verpflegungsbeitrag nicht leisten können, nehmen sie die Nachmittagsbetreuung für ihre Kinder nicht in Anspruch oder melden ihre Kinder erst gar nicht in einer Kita an.

Die Partei DIE LINKE verbündet sich mit allen, denen gute Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder am Herzen liegen. Mit unserer bundesweiten Kita-Kampagne unter dem Motto „Gemeinsam spielend lernen“ werben wir für bessere Kinderbetreuungsangebote und freuen uns über alle, die unsere Vorstellungen unterstützen.

Marc Mulia
Mitglied im Parteivorstand
DIE LINKE und dort mitverantwortlich für die Umsetzung der KiTa-Kampagne