Auf der Immobilienmesse in Cannes überschlugen sich die "Kenner", in Duisburg bekommen die bürgerlichen Parteien glänzende Augen, es gibt was zu bauen - "eine lebende Brücke". Wer mit klarem Blick durch den alten Hafenstadtteil Ruhrort läuft (fahren kann man ja dank konservativer Politik derzeit nicht), der fragt sich, welchen Sinn dieses Bauwerk für die BürgerInnen unseres Bezirks haben kann.
Nüchtern betrachtet will der private Investor ein 12-stöckiges Hochhaus in die Landschaft setzen. Damit wird das Gebäude wesentlich höher, als der bisherige Spitzenreiter, der sog, Ruhrorttower. Die Living-Bridge ist also auf dem besten Weg, ein echtes Leuchtturmprojekt zu werden. Wir fürchten, dass das Objekt als Leuchtturm für verfehlte Stadtplanung weit in die Landschaft leuchten wird. Es soll hauptsächlich Büros enthalten, obwohl noch Büroraum in bester Lage - wie im CityPalais leer steht. Und das Eurogate am Innenhafen soll auch noch kommen. Der Vertreter von "Investsupport", eine städtische Einrichtung, zeigte sich dennoch sehr optimistisch, dass die Büros gut vermietet werden könnten. Selbst wenn man der Meinung ist, dass das Konzept "Wohnen und Arbeiten am Wasser" in Konkurrenz zu Düsseldorf und Köln erfolgreich sein kann, so bleiben erhebliche ökologische Bedenken. Welch großartiges Projekt rechtfertigt einen Bau mitten im Wasserschutz- und Überschwemmungsgebiet? Ist die Änderung der Ruhrströmung durch die Brücke ungefährlich?
Für DIE LINKE ist die Ökologie eine Grundlage für eine Stadtentwicklung, die Duisburgs Übergang aus der traditionellen Industrialisierung kennzeichnet. Wir möchten die Stadt erneuern, dazu gehören eine lebenswerte Umwelt und Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen. Die Eigner der Schwerindustrie haben ganze Landstriche beschädigt, das Konzept "Wohnen und Leben am Wasser" setzt die Zerstörung wichtiger ökologischer Gebiete fort. Der Verbund von Pflanzen und Tieren ist gerade in der Gegend des Rheindeichs von europäischer Bedeutung, dort kreuzen sich die Wege beider Lebensformen. Die ausführliche Kritik des BUND ist vollauf gerechtfertigt.
Wenn es nach der bürgerlichen Mehrheit geht, kreuzen sich in naher Zukunft jedoch die Autos in Ruhrort, denn in der Sondersitzung der Bezirksvertretung Homberg/ Ruhrort/ Baerl, die auf Antrag der LINKEN über das Thema diskutierte, ist von mindestens 120 Parkplätzen die Rede gewesen, "dafür werden wir ein weiteres Parkhaus bauen müssen", so der Vertreter der Verwaltung.