Erneut schlechte Nachrichten aus unserer Nachbarstadt Krefeld: Nach dem geplanten Kohlekraftwerk hat die Bezirksregierung jetzt das Genehmigungsverfahren für die Erweiterung der Müllverbrennungsanlage (MVA) eingeleitet. Durch einen fünften Kessel soll die Kapazität von bisher 55,3 t Müll/h auf 80 t/h erhöht werden! Dabei hat vor Jahren schon einer, der es wissen müsste und bei dem "Industriefeindlichkeit" nicht unterstellt werden kann, vor gewaltigen Überkapazitäten bei MVAs gewarnt: Ludger Rethmann, Vorstandssprecher von Remondis, dem europaweit führenden Abfallgiganten.

Was droht mit der Erweiterung? Mülltourismus quer durch Europa, noch mehr Problemmüll (Neapel lässt grüßen), steigende Müllgebühren bei Nichtauslastung usw. Mehr Verbrennungskapazität konterkariert Müllvermeidung und Recycling. Hinzu kommen zusätzliche Emissionsbelastungen und Sonderdeponien für die Verbrennungsreste. Der Skandal liegt aber auch darin, wie geplant wird. Das stößt sogar der Stadt Duisburg sauer auf, die sonst bei der Beurteilung von Industrieanlagen auf eigenem Gebiet sehr tolerant sein kann (z. B. Kohlekraftwerk Walsum, Hochofen 8).

In einer Mitteilungsvorlage für den Umweltausschuss wird kritisiert:

- die zum Teil alten Kessel sollen nicht ersetzt werden

- die Abgasreinigung soll auf die schlechtere trockene Rauchgasreinigung umgestellt werden. Folge: verdoppelter Abgasvolumenstrom von 240.000 auf 480 Nm. Für ein geändertes Entstickungsverfahren soll der Emissionsgrenzwert von 100 auf 200 mg/m erhöht, also gleichfalls verdoppelt werden

- auch für andere Schadstoffe ergäbe sich eine Verdoppelung der Emissionsmassenströme

- die Emission von polybromierten Dioxinen und Furanen sowie polyhalogenierter Biphenyle müsse geprüft werden; in den Antragsunterlagen würden Werte zum Dioxingehalt in den abgeschiedenen Stäuben fehlen

Und besonders wichtig: Aussagen zu PM2,5-Emissionen fehlen, obwohl diese in Zukunft bei der Beurteilung von Grenzwertüberschreitungen die entscheidende Rolle spielen werden. Die Überschreitung der Tagesmittelwerte für PM10-Stäube in Kaldenhausen seien in den Antragsunterlagen nicht berücksichtigt worden. Viele Gründe, sich heftig dagegen zu wehren! Die Antragsunterlagen werden auch in Duisburg ausgelegt werden, ein Erörterungstermin steht noch nicht fest.