Nicht aus Klimaschutzgründen, sondern auf Druck der Autofahrerlobby hat "Super"-Umweltminister Gabriel jetzt die Verordnung zur höheren Beimischung von Agro-Sprit ab 2009 zurückgezogen. Mehr als drei Millionen Kfz würden laut ADAC den neuen Sprit nicht vertragen, die Verbraucher müssten dann das teuere Super-Plus tanken.

Ursprünglich sollte der Anteil von Ethanol aus Pflanzen (E 10) im Benzin bis 2009 auf 10 % und dann weiter bis auf 20 % steigen. Die scheinbar umweltfreundliche Verordnung ist bei näherem Hinschauen nur eine verdeckte Subvention für die deutsche Automobilindustrie. Laut EU-Verordnung sollte der CO-Ausstoß bei Autos maximal 120 g pro 100 km betragen. Gabriel setzte einen "Kompromiss" durch, nach dem die Autos ab 2012 zwar tatsächlich nur noch 120 g CO ausstoßen dürfen, aber 10 g dürfen durch den Einsatz von Agro-Sprit weggerechnet werden. Folge: Deutsche Hersteller könnten weiter ihre großen Spritschlucker bauen.

Kritik der Umweltverbände

Von Anfang an war die Umweltbewegung gegen die Verordnung, da die massenhafte Produktion von Energiepflanzen zu steigenden Lebensmittelpreisen und zur beschleunigten Abholzung der Regenwälder führe. In eine Studie von Greenpeace stellten Wissenschaftler fest, dass die Beimengung in deutschen Kraftstoffen zu 20 % aus südamerikanischem Sojaöl besteht. Dieses wird auch noch aus gentechnisch verändertem Saatgut gewonnen und führt durch den Glyphosat-Einsatz zur Bodenvergiftung. Schon der fleißig über alle Medien verbreitete Begriff "Bio"-Sprit ist Verbrauchertäuschung. Dringend wäre es, die Autohersteller konsequent auf Verminderung der CO-Emissionen zu verpflichten, indem sie kleinere und sparsamere Autos bauen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat vorgerechnet, wie pro Jahr rund 25 Mio. t weniger CO emittiert werden könnten: Das 120 g-Ziel konsequent durchsetzen, den Steuersatz für Diesel an den für Benzin angleichen und eine CO-bezogene Kfz-Steuer einführen. Noch mehr CO ließe sich einsparen, wenn die jetzigen Anbauflächen für Agro-Sprit für den Anbau von Biomasse für Kraft-Wärme-Kopplung verwendet würden.