Seit Monaten steht ein neues DVG-Betriebskonzept auf der Agenda der Ratsgremien, bisher meist Hinweis auf weitere Einsparungen beim spärlichen Angebot. Aber dieses Mal soll angeblich einiges anders sein. Erstmals wurden auch externe Gutachter einbezogen, neue Angebote wie Schnellbusse für entlegene Stadtteile wie Rumeln, Röttgersbach oder Vierlinden sollen Verbesserungen bringen. Doch ein genauerer Blick ergibt: In der Summe soll es erneut weniger Straßenbahn- und Busverbindungen geben. Für die neuen Schnellbuslinien ist gerade mal ein Stundentakt in der Hauptverkehrszeit vorgesehen, also sechs Fahrten pro Werktag. Wenn die Fahrgäste es kaum wahrnehmen, kann so ein Angebot wieder eingestampft werden. Dagegen sind deutliche Angebotsverschlechterungen geplant, z. B. soll auf der Linie 901 tagsüber der Takt zwischen Laar und Zoo halbiert werden. Einige andere Maßnahmen sind ganz sinnvoll.
Beim Nachhaken stellte sich dann heraus, dass die Ratsvorlage wichtige Aussagen der Gutachter bewusst unterschlägt. Diese hatten Angebot und Nutzung der DVG mit anderen Städten verglichen und stellten u. a. fest: "Kernprobleme der DVG sind die geringe Marktausschöpfung, der geringe Markterfolg und das geringe Niveau des Verkehrsangebots." Der Fahrgastverband PRO BAHN bemängelte in einem Schreiben diese Planungen, worauf Stadt und DVG Stellung nahm. Die DVG behauptete jetzt, die Gutachter hätten "Äpfel mit Birnen verglichen", da in Duisburg ja auch NIAG und DB verkehrten. Dies ist wenig stichhaltig: Auch anderswo verkehren weitere Unternehmen, zumeist gibt es wesentlich dichtere S-Bahn-Angebote.
Die Vorlage stieß in den meisten Bezirken auf Ablehnung und wurde in Ausschuss und Rat immer wieder vertagt, sodass eine Umsetzung zum Juni 2008 kaum noch möglich ist. BürgerInnen protestierten gegen verschiedene Vorhaben, wie in Walsum, wo die Haltestelle vor dem Camillus-Krankenhaus gestrichen werden soll. DVG und Stadt haben wieder einmal gezeigt, dass sie kein grundsätzlich besseres, fahrgast-orientiertes Verkehrsangebot planen können, wenn ihnen noch nicht einmal die tatsächliche Situation des Duisburger ÖPNV bewusst ist. Hilfe kann nur ein neuer Nahverkehrsplan bieten, der bereits vor vier Jahren vom Rat in Auftrag gegeben wurde. Bei der Aufstellung müssen auch die Fahrgäste beteiligt werden, und aufgrund der Erfahrungen ist eine Erarbeitung durch externe Gutachter notwendig.