Kontrovers ist der Plan, die Rhein-Ruhr-Halle durch ein Factory-Outlet-Center (FOC) zu ersetzen, auch in der Duisburger Linkspartei.
Diese Einzelhandelsform FOC breitet sich in Europa aus. Das nächstliegende steht im holländischen Roermond. Die Gegner befürchten v. a. Verluste im Einzelhandel, kritisieren die Arbeitsbedingungen und den starken Verkehrszuwachs. Die Gesamtfraktion der LINKEN hatte sich seit Ende 2007 befürwortend positioniert (s. Artikel in SP 33) stellt aber Bedingungen. Auf der Ratssitzung im Dezember hat sie dem Beginn des Bauleitverfahrens zugestimmt. Ihr Antrag über die Realisierungsbedingungen wurde mit sehr großer Mehrheit angenommen. Angestrebt wird eine Paketlösung: Bau einer neuen anstelle der völlig veralteten und stark defizitären Rhein-Ruhr-Halle; die Verwendung der Mittel in Höhe von ca. 8 Mio. € aus dem Grundstücksverkauf für den Neubau, der ca. 10-11 Mio. kosten dürfte. Städtebaulich muss eine Verbindung zwischen Center und benachbarten Unterzentren entstehen, damit auch dort der Handel einen Aufschwung erfährt und Investitionen anzieht. Rechtlich darf im Center nur ein gehobenes Warensortiment (Designerware) zu erheblichen Preisabschlägen verkauft werden (B-Ware, Reste aus Vorjahren usw.). Ein Einzelhandelsgutachten über die möglichen Auswirkungen ist auf dem Weg. Der Rat wird sich dieses Jahr noch mit dem Thema befassen.
Die Debatte geht weiter. Wir bringen im Folgenden eine Pro und eine Kontra-Position aus der Linkspartei Duisburg.
Outlet-Center große Chance für den Duisburger Norden
Eine dicke Chance für den Duisburger Norden ist das FOC - unter obigen Realisierungsbedingungen. Eine integrierte Lösung, d.h. eine positive Wechselwirkung mit dem umliegenden Handel ist nötig (in Roermond + 15 % beim innerstädtischen Handel). Wir lehnen eine Innenstadt-Fixierung ab, auch die Unterzentren müssen leben. Das Einzelhandelsgutachten muss zu einem festgelegten Warenbesatz führen, wie z. B. in Roermond auch. Noch 1998 war z. B. die SPD für ein FOC, jetzt lehnt sie es ab! Die Kritik von METRO-Gruppe und FORUM ist durchsichtig. Sie wollen "den Rahm" mit ihren Innenstadtobjekten selbst abschöpfen. Aber auch für sie gilt der Wettbewerb, den sie sonst immer propagieren.
Bei den Arbeitsbedingungen rechnen wir mit Verhältnissen wie anderswo; u. a. in Roermond. (Normalarbeits- und Teilzeit im Verhältnis 1:2). Noch unklar sind gewerkschaftliche Organisationsmöglichkeiten und Aufbau von Betriebsräten. Kaum vorstellbar, dass sie im FOC schlimmer sind, als im Einzelhandel generell. Eher im Gegenteil. Das ist aber Kampffeld der zuständigen Gewerkschaft. Noch etwas: Duisburg als Oberzentrum - mit seinen Infrastrukturleistungen und -ausgaben - ist bei Kaufkraftbindung und Zentralitätsfaktor miserabel aufgestellt. Wer es sich leisten kann, fährt zum Einkaufen ins CentrO oder sonst wo hin. Es ist legitim, dagegen zu arbeiten.
Mit einem FOC, so schätzen wir aufgrund von Gutachten wie für das FORUM, könnte Duisburg bei der Zentralität wieder die 100 leicht überschreiten. Andere Städte liegen weit darüber! Und schließlich ist ein Verkehrskonzept unverzichtbar.
Überflüssiger Konsumtempel für Betuchte
Das geplante Factory-Outlet-Center (FOC) an der Stelle der Rhein-Ruhr-Halle mit einem überdimensionierten Parkhaus geht an den Bedürfnissen der großen Mehrheit der Bevölkerung vorbei. Die 800 Arbeitsplätze, welche dort entstehen sollen dürften sich, wie andere Beispiele von FOC-Projekten zeigen, als "Nullsummenrechnung" herausstellen, da diese lediglich verlagert und nicht neu geschaffen werden. Gerade in FOCs oder ähnlichen Einkaufszentren entstehen prekäre Arbeitsverhältnisse. Das Argument der FOC-BefürworterInnen, dass dies sowieso überall so sei, ist mehr als scheinheilig. Auch das im FOC angebotene Warensortiment überschneidet sich häufig mit dem Sortiment bereits in Duisburg angesiedelter Geschäfte, wodurch ein Abfluss aus der Innenstadt sowie daraus folgende Ladenschließungen drohen. Andere Ladenkonglomerate wie z. B. das CentrO in Oberhausen haben dazu geführt, dass ganze Innenstädte aussterben. Daran ändert auch ein Einzelhandelsgutachten nichts, denn bei allen anderen FOC-Projekten gab es ebenfalls diese Gutachten, welche immer keine Auswirkungen auf den bereits angesiedelten Einzelhandel prognostizierten. Trotzdem traten die Befürchtungen der Kritiker ein. Die im FOC angebotene preisreduzierte Markenware bleibt zudem für Durchschnittsverdiener unbezahlbar. Welchen Nutzen das FOC für die Stadtteile Marxloh und Hamborn haben soll, ist völlig unklar. Verschiedene Studien weisen nach, dass fast 75 Prozent der befragten Personen, die ein FOC besuchten, nicht den Wunsch hätten, die umliegenden Stadtteile aufzusuchen. Die Besucher kommen meist mit dem Pkw und nur selten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, weshalb ein solches Center hohe Verkehrsströme induziert und die Umwelt durch Abgase der Autos gefährdet. Durch das Verkehrsaufkommen würde ein CO-Ausstoß von 69.600.000 kg/Jahr verursacht. Um diese enorme Umweltbelastung auszugleichen, müssten 6.327.272 Bäume gepflanzt werden.