Rüdiger Liedtke
Wir privatisieren uns zu Tode
Wie uns der Staat an die Wirtschaft verkauft
Deutschland befindet sich im Privatisierungsrausch: Krankenhäuser, Post, Bahn, Elektrizitätswerke, Sozialwohnungen - alles muss raus. Nur ein schlanker Staat, heißt es in der neoliberalen Logik, ist ein guter Staat, und es gibt nichts, was die Privaten nicht besser könnten. Was sich das Gemeinwesen über Generationen mit Steuergeldern aufgebaut hat, wird von der Politik für schnelles Geld verkauft. Das "Tafelsilber" wird verscherbelt, um Haushaltslöcher zu stopfen. Fundamentale Aufgabenbereiche der Daseinsfürsorge werden an private Investoren losgeschlagen, die angeblich alles billiger und vor allem besser können: bürgernah sein, wirtschaftlich agieren und effizienter entscheiden. Rüdiger Liedtke zeigt in seinem sehr empfehlenswerten Buch, wie weit die Privatisierungswelle geht - und warum das nicht gut gehen kann.
Eichborn Verlag, 264 Seiten, 16,95 €
Jürgen Glaubitz
Profit statt Moral
Das Buch zeigt, was den "Faktor" Arbeit schwächt und was das Kapital so stark macht. Unternehmenspolitik ist nicht mehr auf längerfristige Ziele ausgerichtet, sondern auf das schnelle Geld. Menschen gelten nur noch als Kostenfaktor. Top-Manager agieren im Interesse der Kapitaleigner und werden für ihr - oftmals radikales - Handeln fürstlich entlohnt. Für Moral scheint kein Platz mehr zu sein. Soziale Verantwortung: Fehlanzeige. Profit statt Moral zeigt, dass Einkommen und Vermögen immer mehr auseinanderdriften. Der kleinen Schicht Superreicher steht eine wachsende Zahl armer Menschen gegenüber. Während die einen nicht wissen, wohin mit dem vielen Geld, bleiben für ein Kind in einer Hartz-IV-Familie 2,55 Euro fürs tägliche Essen. Profit statt Moral zeigt, wer in der Wirtschaft die Strippen zieht. Das Buch liefert Daten, Fakten und Argumente für alle, die nicht wollen, dass soziale Verantwortung unter die Räder kommt. Das Buch ist eine profunde Quelle für Betriebsräte, Vertrauensleute, für Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretäre sowie für alle Übrigen, die sich für die Verhältnisse in diesem Land interessieren.
ver.di Bildung + Beratung Gemeinnützige, GMBH, Düsseldorf, 182 Seiten, 13 €
Gerhard Bäcker/Gerhard Naegele/Reinhard Bispinck/Klaus Hofemann/Jennifer Neubauer
Sozialpolitik und soziale Lage in Deutschland
Soeben ist die 4. Auflage im VS-Verlag erschienen. Es ist eine Kooperation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des WSI sowie der Universitäten Duisburg-Essen und Dortmund entstanden. Die beiden Bände sind grundlegend überarbeitet, aktualisiert und erweitert worden; sie geben in neun Kapiteln umfassende Informationen zum Gesamtbereich der Sozialpolitik.
VS-Verlag, Band 1 622 Seiten, 34,90 €, Band 2 616 Seiten, 34,90 €
Charles Clover
Fisch kaputt
Vom Leerfischen der Meere und den Konsequenzen für die ganze Welt
Seit Beginn der industriellen Fischerei Anfang der 50er Jahre sind die Fischbestände weltweit um 90 % zurückgegangen - bei allen wichtigen Speisefischen von den Tropen bis zu den Polen. Charles Clover, seit 1987 verantwortlich für das Umweltressort beim britischen Daily Telegraph, hat zur Vernichtung der "Ressource Fisch" und zum ökologischen Desaster der Meere jahrelang weltweit recherchiert. Bereits dreimal hat er den britischen Umweltpreis für die Medien gewonnen. In diesem Buch schilder er nicht nur die Fakten, sondern analysiert auch die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge.
Riemann Verlag München, 447 Seiten
Olaf Ihlau
Weltmacht Indien
Die neue Herausforderung des Westens
Seit 30 Jahren gilt der promovierte Sozialwissenschaftler Olaf Ihlau als einer der besten deutschen Indien-Kenner. 16 Jahre war er Ressortleiter beim Spiegel, zuletzt als Auslandschef, derzeit ist er für das Magazin als Autor tätig. Das Buch vermittelt einen umfassenden Überblick über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse im heutigen Indien, seine extremen Gegensätze zwischen Massenarmut, Kastenwesen einerseits und krassem Reichtum und Hightech in den großen Städten andererseits. Leider ist das Buch insbesondere in den Schlusskapiteln mit neoliberalen Positionen und "Ratschlägen" durchsetzt, die auf explosive Probleme des Landes und auf das Verhältnis zwischen den reichen Ländern und den Ländern des Südens die falschen Antworten geben.
Siedler-Verlag München oder Büchergilde Gutenberg, 223 Seiten
Ernest Mandel
Marxistische Wirtschaftstheorie
Das lange Zeit vergriffene Werk des belgischen Wirtschaftswissenschaftlers und Marxisten Ernest Mandel hat soeben eine Neuauflage erfahren. Es handelt sich nach wie vor um eine sehr lesbare und gründliche Arbeit, die an den Theorien des Marxschen Kapitals und zahlreicher weiterer marxistischer Autoren ansetzt, um den zeitgenössischen Kapitalismus zu erklären. Erstmals Anfang der 60er Jahre veröffentlicht, reflektiert es allerdings auch die aus heutiger Sicht problematische Technikgläubigkeit der Linken jener Zeit.
ISP Verlag, 820 Seiten, 49,80 €