Im Duisburger Norden soll ein thematisches Einkaufszentrum ("Factory Outlet Center" - FOC) entstehen. Diese Vertriebsform macht seit Jahren in Europa Furore, Britannien zählt bereits 42, Italien 17, Frankreich und Spanien jeweils 16. Das nächstgelegene Center besteht seit 2001 im niederländischen Roermond mit fast 3 Mio. Kunden jährlich, darunter zahlreiche aus dem Rhein-Ruhrgebiet. Der Duisburger Rat fasste am 10.12.07 u. a. mit den Stimmen der LINKEN mehrheitlich den Aufstellungsbeschluss für das baurechtliche Verfahren. Ob die Großinvestition von ca. 70 Mio. € tatsächlich kommt, hängt von weiteren Entscheidungen ab. Die Linksfraktion hat Chancen und Risiken abgewogen. Fazit: Sie unterstützt das Vorhaben, wenn wesentliche Vorbedingungen gewährleistet sind. Ein entsprechender Ratsantrag der LINKEN wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Was ist geplant?

Anstelle der veralteten Rhein-Ruhr-Halle und dem wegen Baufälligkeit stillgelegten Hamborner Stadtbad soll das 11. deutsche Outlet Center errichtet werden. Mit zunächst 25.000 m Verkaufsfläche wäre es das größte. Mehrere Investoren sind interessiert. Outlet Center haben eine Sortimentsbindung. Sie dürfen nur Markenware zu herabgesetzten Preisen verkaufen, und zwar Auslaufmodelle, B-Ware oder Überproduktion. Die Preisabschläge liegen zwischen 30 und 70 %. In Hamborn könnten bis zu 140 Geschäfte entstehen, in denen jeweils nur "Designer-Schnäppchen" eines Herstellers angeboten werden dürfen.

Inzwischen gibt es eine rege Diskussion über das Pro und Kontra. Der umliegende Einzelhandel ist hin- und hergerissen. Widerstand gibt es vom neuen FORUM und der METRO-Gruppe (Kaufhof) in der Innenstadt. Schließlich geht es um Kundschaft und Umsatz! AnwohnerInnen befürchten ein Anwachsen der Verkehrsbelastung. Massiver Gegenwind kommt von der SPD, obwohl sie noch 1998 für ein ähnliches Vorhaben in Marxloh eingetreten war. Jetzt geht es ihr offenbar nur um Opposition gegen die regierende Sauerland-CDU. ver.di-Sekretärin Britta Munkler sieht den örtlichen Einzelhandel gefährdet. Im Übrigen gäbe es zu viel Verkaufsfläche in Deutschland.

Pro-Argumente

Das FOC wäre - nach IKEA in Meiderich - auf Jahre hinaus der größte Ansiedlungserfolg im Norden unserer Stadt, der seit langen Jahren mit hoher Erwerbslosigkeit, Armut und Abhängigkeit von Sozialleistungen, hohen Leerständen bei Wohnungen und Ladenflächen, Billigläden und mangelnder öffentlicher Infrastruktur scheinbar hoffnungslos am Tabellenende steht. Eine rege Umweltbewegung gegen Industriedreck, bürgerschaftliche Initiativen zum kulturellen Zusammenleben, die Umwandlung von Tante-Emma in Onkel-Ali-Läden und die Entwicklung eines auch überregional wahrgenommenen Angebots an türkischen Festtags- und Brautmoden haben den Stadtteil Marxloh vor dem Umkippen bewahrt. Massive EU-Mittel für die Stadterneuerung und Highlights wie die neue Großmoschee konnten den Abstieg bestenfalls verlangsamen. Einen echten Um- und Aufschwung gibt es bisher nicht.

Erfolgsbedingungen

Mit dem FOC als Kundenmagnet, seinen rd. 800 Teil- und Vollzeitarbeitsplätzen, den erwarteten 2-3 Millionen - vor allem überregionalen - Kunden und erhöhten Steuereinnahmen für die Stadt könnte eine Trendwende eintreten. Vorausgesetzt, so die Ratsfraktion DIE LINKE, die Sache wird richtig angepackt. Der Grundsatzbeschluss des Rates legt deshalb vor allem zwei Dinge fest, zum einen: Die defizitäre und nur mit einem Kostenaufwand von 11 Mio. € sanierbare Rhein-Ruhr-Halle wird nur dann abgerissen, wenn eine (kleinere) moderne Halle in der Nähe für Schulsport, Vereine und Veranstaltungen zur Verfügung steht. Aus dem Grundstücksverkauf werden rd. 8 Mio. € erwartet, die den Grundstock für sie bilden. Und ganz entscheidend: Das FOC muss so angelegt sein, dass die benachbarten Nebenzentren - v. a. Marxloh und Althamborn - keinen Nachteil erleiden, sondern im Gegenteil etwas davon haben.

Dies betrifft den Warenbesatz im FOC, seine städtebauliche Anbindung und ein ergänzendes Warenangebot sowie eine attraktive Gastronomie in Marxloh und Althamborn selbst. Nach diesem Konzept ist etwa eine entwickelte Gastronomie im FOC selbst auszuschließen. Im Umkehrschluss sind der örtliche Handel, das Gaststättengewerbe und die Stadtplaner gefordert. Sie müssen qualitativ besser werden, wenn sie vom Kundenstrom etwas abhaben wollen. In Roermond hat die innerstädtische Geschäftswelt mit dem Center deutlich zugelegt. Das Verkehrskonzept - zu dem auch die drastische Einschränkung des PKW-Verkehrs um Marktplatz und Einkaufsstraßen gehört - wird längst akzeptiert. Die Kritiker von einst sind nach Auskunft der Stadtverwaltung sehr still geworden.

Derzeit wird ein Einzelhandelsgutachten eingeholt, um die Auswirkungen des Centers einschätzen zu können. In Duisburg liegt der jährliche Bruttokaufkraftabfluss mit 361 Mio. € (2004) in einer Größenordnung, wie sie dem gesamten Umsatz in der Innenstadt entspricht. CentrO, Düsseldorf, Mülheim, Krefeld und Co. lassen grüßen! Auch das ist ein wichtiger Faktor für die immense Verschuldung der Stadt, der die anteiligen Gewerbesteuern und Arbeitsplätze verloren gehen. Die Zentralitätskennziffer Duisburgs liegt mit rd. 94 im Keller. 100 wäre ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kaufkraftzufluss und -abfluss. Düsseldorf zum Vergleich: rd. 125.

Vorstehender Artikel basiert auf der Diskussion und Beschlusslage der Gesamtfraktion. Das Thema FOC wird im Kreisverband der LINKEN noch kontrovers diskutiert.