Weltweit machen alljährlich Frauen in Veranstaltungen, Demonstrationen und Aktionen auf ihre politischen Forderungen am 8. März aufmerksam. Der Internationale Frauentag hat eine lange Tradition. Die Sozialistin Clara Zetkin brachte auf der zweiten internationalen sozialistischen Frauenkonferenz 1910 den Antrag ein, einen internationalen Frauentag ins Leben zu rufen. Ihre zentrale Forderung war zunächst das Frauenwahlrecht. Später kamen noch zahlreiche Forderungen dazu, wie
- für gleiche Löhne bei gleicher Arbeitsleistung,
- Einführung des Achtstundentags
- Arbeiterinnen- und Mutterschutz
- für Frieden, gegen Militarisierung
- gegen den Abtreibungsparagrafen
Im Jahr 1921 beschloss die 2. Internationale Konferenz der Kommunistinnen in Moskau, künftig einheitlich in allen Ländern den 8. März als Internationalen Frauentag zu begehen. 1975, im internationalen Jahr der Frau, wurde dieser Tag in den UNO-Kalender der jährlich zu begehenden bedeutenden Tage aufgenommen.
Ab 1945 feierten die Sozialdemokratinnen und die Kommunistinnen - jeweils getrennt - wieder den 8. März, nachdem er für viele Jahre wegen seiner sozialistischen Tradition von den Nazis verboten war. Diese Rückbesinnung dauerte jedoch nicht sehr lange. In den 60er Jahren war für die Sozialdemokratie Frauenpolitik kein Thema mehr und der Internationale Frauentag verlor in Westdeutschland an Bedeutung. Erst mit dem Entstehen der "Neuen Frauenbewegung in den 70igern wurde der 8 März neu belebt. Die Frauenpolitik in den Gewerkschaften und in den Parteien erlebte einen neuen Aufschwung. Die Liste der Forderungen war lang. Themen wie Gewalt gegen Frauen, die Situation von Frauen in Lehre und Beruf, gleicher Lohn und vor allem für Frieden prägen die Frauentage bis heute. MF
8. März: Nur noch ein Ritual?
Die Frauen haben in den letzten 50 Jahren einige Brocken Diskriminierung weggesprengt. Weltweit - außer in Kuwait - wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Frauen dürfen eigene Geschäfte abschließen und müssen ihren Lohn nicht mehr an der Fabrikpforte ihrem Ehemann übergeben. Es werden keine Abtreibungsbusse nach Holland mehr organisiert, die Parlamente, Parteien und Gewerkschaften sehen heute nicht mehr wie ein Altherrenklub aus. Die Anrede "Fräulein" verursacht nur noch ein schales Lächeln, und dass Frauen eine gute Schulbildung und eine Erwerbstätigkeit anstreben, völlig normal. Dass Frauen zu geistigen Hochleistungen nicht fähig seien, glauben heute nur noch Ewiggestrige.
Alles easy?
Viele Frauen wollen keine Feministin sein, ohne darüber nachzudenken, wem der Antifeminismus dient. Andere betonen immer wieder, keine Quotenfrau zu sein, weil sie ihre Leistungen bewertet sehen wollen - als ob es jemals darum ging. Mädchen tragen sexistische Sprüche auf ihrem T-Shirt und Jungen lernen in der Schule nähen. Die Geschlechterverhältnisse haben sich verändert. Fast - mit Ausnahme der Unterordnung der Frauen unter den Männern. Denn immerhin ist der Chef noch ein Mann und die knallharten Daten ökonomischer Ungleichheit scheinen sich um Geschlechterdemokratie wenig zu kümmern. Frauen wollten die Hälfte der Welt und haben sie nicht bekommen. Es liegt an den familienfeindlichen Arbeitsbedingungen, Mütterklischees und Männerbünden, der drohenden Kinderlosigkeit erwerbstätiger Frauen und die Erschöpfung der arbeitenden Mütter. Alles sind Ergebnisse politischer Entscheidungen. Männer sitzen nicht zusammen und überlegen, wie sie es den Frauen schwer machen können. Aber sie sitzen auch nicht zusammen, um die heimlichen Männerquoten freiwillig abzuschaffen. Dafür müssen sich Frauen schon zusammentun.
Einige Daten und Fakten im Detail
- Obwohl das schulische Bildungsniveau von Frauen höher als das der Männer ist, beträgt ihr Anteil an den Studierenden in Deutschland "nur" 49,5 Prozent. Damit bildet Deutschland das Schlusslicht zusammen mit Zypern im europäischen Vergleich.
- Junge Männer profitieren mehr, nämlich zu 79 Prozent, von der Ausbildungsinitiative seit 2004. Sie erhalten eine deutlich höhere Ausbildungsvergütung. Nach der Ausbildung erhalten Frauen seltener als Männer die Möglichkeit zur Weiterbeschäftigung.
- Teilzeitbeschäftigung ist die Domäne der Frauen (42 im Vergleich zu 6 Prozent der Männer) und ein zunehmendes Phänomen.
– Während sich in fast allen anderen Ländern die Unterschiede zwischen Frauen- und Männereinkommen seit Mitte der 90er Jahre verkleinert haben, hat sich diese Kluft in Deutschland genau entgegengesetzt entwickelt.