In Sachen Kinderbetreuung ist Deutschland ein Entwicklungsland, kein anderes Industrieland gibt so wenig Geld für die frühkindliche Bildung aus. Aber erst nachdem zahlreiche Studien und Untersuchungen den erschreckenden Zusammenhang zwischen der sozialen Situation und dem Bildungszugang der Betroffenen nachgewiesen haben, wurde die Forderung nach besserer Bildung und Betreuung für Kinder lauter. Seit dem Jahr 2007 haben sich - mit mehr oder weniger Abstrichen - alle politischen Parteien zur Notwendigkeit einer Verbesserung der Kinderbetreuung in Deutschland bekannt. Allerdings sind die Einsichten unterschiedlich stark ausgeprägt. So geht es der CDU und der CSU im Besonderen, vorrangig um das Erlernen der deutschen Sprache als Voraussetzung für den Eintritt in die Grundschule. Die frühkindliche Förderung aller Kinder wird eher als ein Notnagel bei fehlender elterlicher Zuwendung gesehen.

Konservative Kreise sind in den letzten Monaten massiv Sturm gegen die Vorhaben der Koalition gelaufen, die Kinderbetreuung für unter Dreijährige auszubauen und zudem einen Rechtsanspruch einzuführen. Studien wurden zitiert, Tagungen organisiert, um nachzuweisen, dass die frühkindliche Bildung für Kinder unter drei Jahren nur bei den Müttern in besten Händen ist. Die sog. "Fremdbetreuung" könne zu Bindungsstörungen führen und sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Die ideologische Auseinandersetzung um die Rolle der Mutter ist also voll im Gange und scheut auch oberflächliche Beweisketten nicht. Mit dem Ausbau von Kindertagesstätten scheint nun endgültig ein Familien-Rollenbild in Gefahr zu geraten, an der sich die bürgerliche Gesellschaft jetzt bereits seit zwei Jahrhunderten festgehalten hat.

Debatten zeigen ihre Wirkung

Um den beabsichtigten Ausbau von Kindertagesstätten ist es mittlerweile wieder ruhig geworden. Das Wort Rechtsanspruch nimmt zurzeit niemand mehr aus der Regierungsriege in den Mund. Und das bereits für den Sommer letzten Jahres versprochene Gesetz lässt immer noch auf sich warten. Die meisten Mütter jedoch möchten Kindererziehung und Erwerbstätigkeit verbinden, aber nur wenige können es auch. Die Mütter von knapp einem Drittel der unter Dreijährigen sind erwerbstätig. Weit mehr, nämlich 84 Prozent der nichterwerbstätigen Mütter mit Kindern unter drei Jahren wollen aber arbeiten. Mehr als die Hälfte von ihnen führt fehlende oder nicht passende Angebote zur Kinderbetreuung mit als Grund dafür an, dass sie ihre Pläne noch nicht verwirklichen konnten. (Ergebnis der Kinderbetreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts)

Kinderbetreuung ist ein soziales Recht

DIE LINKE hat beschlossen, eine KiTa-Kampagne zu führen. Wir wollen nicht nur für gesellschaftlichen Druck für den Ausbau der Kitas für Kinder unter drei Jahren werben. Denn Eines ist klar: Die Betreuungsangebote für die Drei- bis Sechsjährigen sind insgesamt unzureichend. Vielerorts werden nur Halbtagsplätze vorgehalten. Selbst bei den Ganztagsplätzen ist nicht immer auch eine Mittagsversorgung garantiert. Eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann so nicht gewährleistet werden. Auch die Orientierung auf Tagespflegestellen ist aus unserer Sicht keine angemessene Lösung.

Unsere Forderungen

Wir wollen für unsere Vorstellungen von frühkindlicher Förderung, Bildung und Betreuung werben und den Rechtsanspruch auf frühkindlicher Bildung für alle Kinder bis zum Schul-eintritt durchsetzten. Die konkrete Betreuungssituation in den Kommunen muss verbessert werden und zwar durch kostenlose, öffentliche, steuerfinanzierte Kindertagesstätten für alle Altersgruppen.