In den alten Bundesländern wurden Frauen seit dem Beginn steigender Arbeitslosenzahlen auf sog. "atypische" Arbeitsplätze verwiesen, um die Bedürfnisse der Unternehmer nach flexiblem Personaleinsatz zu befriedigen. Diese Stellen wiesen sich durch geringe Löhne, rechtlich flexible Arbeitsverträge, reduzierte Dauerhaftigkeit und Verbindlichkeit aus. Die Frauenerwerbstätigkeit fungierte als Wegbereiterin in die prekäre Beschäftigung. Kein Wunder also, dass sich die Frauenbewegungen in den 70er und 80er Jahren massiv dagegen wehrten und feministische Wissenschaftlerinnen damals bereits warnten, dass diese Strategie das Ende des "Normalarbeitsverhältnisses" auch für Männer einläutet. Dieser Warnruf verhallte. Niedriglöhne für Frauen wurden in der BRD als Kavaliersdelikt betrachtet.
Bereits im Jahr 1996 hatte sich bereits die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die von einem Nettoeinkommen unterhalb von 1.400 DM leben mussten, auf 7,4 Mio. erhöht. Darunter ca. 5,5 Mio. Frauen. Und die Unternehmer träumten weiter davon, die winzigen Frauen-Löhne zur allgemeinen Norm zu machen. Sie forderten nachdrücklich stärkere Lohnspreizungen in den unteren Lohngruppen. Sie bekamen, was sie wollten und die damalige Kohl-Regierung half mit sog. Reformen im Sozialversicherungsbereich nach und sie schuf auch weitere Arbeitsverhältnisse im Niedriglohnsektor, z. B. durch das sog. Dienstmädchenprivileg. Wohlhabende Haushalte sollten Frauen im Haushalt einstellen, dafür gab bzw. gibt es immer noch Steuervergünstigungen. In den neuen Bundesländern wurden diese neuen Jobs nicht so recht angenommen. Die Leiterin einer sächsischen Dienstleistungsagentur sprach von einer "mentalen Barriere", da es in dem von der DDR geprägten Weltbild kein Platz für Haushaltshilfen gab.
Schluss mit Brot und Rosen?
Mit der Hartz-IV-Gesetzgebung der damaligen SPD-Grünen Bundesregierung erhöhte sich die Fahrtgeschwindigkeit in die prekären Jobs. Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, Ich-AGs und 1-Euro-Jobs, Mini- und Midi-Beschäftigung, Leiharbeit und Befristungen sorgten nochmals für Schwung in die Elendslöhne und für das Ende des "Normalarbeitsverhältnisses". Das Prekariat ist bei den Männern angekommen und drängt jetzt zunehmend die Frauen in die Erwerbslosigkeit.
Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, erst 8 dann 10 ... ist vor allem ein Schutz für erwerbstätige Frauen, nicht weiterhin die Vorreiterrolle in den Niedriglohnsektor übernehmen zu müssen. Mittlerweile verdienen 43 Prozent aller Frauen monatlich weniger als 900 Euro - damit liegen sie unter der Armutsgrenze. Von allen Erwerbstätigen, die einen Armutslohn beziehen, haben Frauen mit 70 Prozent die absolute Mehrheit. In Deutschland beziehen 4,9 Millionen Menschen einen Stundenlohn, der geringer als 7,50 Euro ausfällt. Bisher hat sich der Staat aktiv am Ausbau der prekären Beschäftigung beteiligt - zuerst bei den Frauen, dann bei den Männern. Jetzt wird's Zeit für den Richtungswechsel. "Ich bin mehr wert" heißt das Motto des DGB für den 8. März 2008. Setzen wir also der Bescheidenheit ein Ende.