2005 hatte die Ratsfraktion DIE LINKE den Diplomingenieur Stefan Müller mit einer Untersuchung von öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln in Duisburg beauftragt, um festzustellen, ob sie barrierefrei sind oder nicht. Ergebnis war eine umfangreiche Liste von großen und kleinen Barrieren, die dauerhaft oder auch nur vorübergehend bewegungseingeschränkten Menschen das Leben unnötig erschweren. In der Publikation war auch ein Überblick über die Rechtsgrundlagen für barrierefreies Bauen und eine umfangreiche Checkliste. Seinerzeit haben wir unsere Studie OB Sauerland und Sozialdezernent Spaniel vorgestellt. Sie wurde insbesondere den städtischen Ämtern, Unternehmen und Fachausschüssen zur Verfügung gestellt, den Ratsparteien, den Wohlfahrts- und Behindertenverbänden. Häufig stießen wir auf eine positive Resonanz.

Rund zwei Jahre nach unserer ersten Studie haben wir Stefan Müller mit einer stichprobenweisen Nachuntersuchung beauftragt. Ratsfrau Marlies Lenzen: "Das Ergebnis ist ernüchternd, die Fortschritte sind nur gering. Zahlreiche, relativ einfach zu behebende Mängel bestehen auch weiterhin. Selbst repräsentative Neubauten wie CityPalais und Mercatorhalle, an denen die Stadt beteiligt ist, weisen erhebliche Mängel auf. Etliche Enthinderungsmaßnahmen lassen Fachkunde und Umsicht vermissen." Viele dieser Barrieren - dazu zählt etwa das Fehlen von einfachen, klaren und richtig angebrachten Hinweisschildern oder die in richtiger Höhe platzierten Haltegriffe in Behindertentoiletten - wären mit geringem Aufwand zu beseitigen, andere erfordern größere Investitionen, wie im Haltestellenbereich der DVG. Voraussetzungen wären allerdings ein Bewusstsein bei den Verantwortlichen, das Ernstnehmen von Beschwerden, die Einhaltung der Rechtsvorschriften und DIN-Normen, eine fachkundige Erfassung und Pläne zur Beseitigung der Barrieren. Hier gibt es nach wie vor die größten Defizite. Die Ratsfraktion der LINKEN fordert die verantwortlichen Stellen auf, endlich ihrer Verantwortung nachzukommen. Die BürgerInnen unserer Stadt werden gebeten, Druck auf die Verantwortlichen zu machen. Es geht um die Betroffenen und jeden kann es treffen. Das Problem sind nicht die betroffenen Menschen, das Problem sind die vorhandenen Barrieren und die verbreitete Untätigkeit.