Einstimmig hat die Große Tarifkommission Stahl am 25.2.07 das Ergebnis der diesjährigen Tarifrunde angenommen: 5,2 mehr auf 13 Monate, 200 Euro für den Monat Februar und 70 Euro mehr für die Auszubildenden. Die Ausgangsforderungen lagen bei 8 % für 12 Monate, 100 Euro für die Azubis, die in den zurückliegenden zwei Tarifrunden leer ausgegangen waren, weil man den Schwerpunkt auf mehr Ausbildungsplätze legte. Nach zwei großen mehrstündigen Warnstreikwellen an allen Standorten der nordwestdeutschen Stahlindustrie, an denen sich auch in Duisburg viele tausend Beschäftigte beteiligt hatten und Massendelegationen zum Verhandlungsort, wird das Ergebnis in den Belegschaften ohne Wenn und Aber als erkämpfter Erfolg angesehen. Im Volumen und angesichts der relativ kurzen Laufzeit - in die Verhandlungen war man mit einer Laufzeit von 12 Monaten gegangen - ist es das beste Tarifergebnis für die 85.000 Beschäftigten seit vielen Jahren.

Der Abschluss wird auch als eindeutiger Erfolg des neuen Bezirksleiters Oliver Burkhard aus der Tarifabteilung der Frankfurter Zentrale gesehen. Er setzte - auf dem Hintergrund der boomenden Stahlbranche, die in den letzten 4 Jahren ein Umsatzplus von

80 %, eine Produktivitätssteigerung von 14,5 % bei einem Minus von 6,4 % der Beschäftigten verzeichnet - von Anfang an auf eine straff geführte Auseinandersetzung, was der Mobilisierung einen großen Schub verlieh und etlichen behäbigen Funktionären Beine machte. So wird der Abschluss sicher auch die aktuelle Mitgliederwerbung der IG Metall beflügeln, denn nichts ist erfolgreicher und überzeugender als Erfolg.

Wäre es am 20.2. nicht zu einem akzeptablen Ergebnis gekommen, das der Tarifkommission vorgelegt werden konnte, wäre sehr schnell die Urabstimmung durchgeführt worden und ein Streik unvermeidlich gewesen. Daran aber, so sehen es auch viele aktive Vertrauensleute und Mitglieder, hatten die Stahlindustriellen offensichtlich kein Interesse.

So nimmt es nicht wunder, wenn es auch Stimmen gibt, die sagen: "Bei Urabstimmung und Streik wäre noch mehr drin gewesen." Nicht durchgesetzt wurden zusätzliche Freischichten für ältere Arbeitnehmer, um Platz zu machen für Neueinstellungen. Die IG Metall hat angekündigt, dieses Thema nicht fallen zu lassen.

Der Abschluss wurde inzwischen auch von der ostdeutschen Stahlindustrie übernommen. Mit den 5,2 % ist in der diesjährigen Tarifrunde eine wichtige Marke gesetzt auch für andere Branchen, die zum Teil schon in der Auseinandersetzung stehen, wie der öffentliche Dienst.

Netzwerk linker GewerkschafterInnen Duisburg