Fast eintausend Reiche sind unlängst aufgeflogen mit ihrer umfangreichen "Stiftungstätigkeit" im Privatbank-Fürstentum Liechtenstein, die nur einen einzigen Zweck verfolgt: Massive Steuerhinterziehung, um ihre "hart erarbeiteten" Profite vor der Allgemeinheit zu retten. Der BND hat, indem er ihm angebotene Bankdateien aus dubioser Quelle ankaufte, wahrscheinlich das erste Mal überhaupt etwas Sinnvolles gemacht. "Steuerskandal erschüttert die Republik" titelten etliche Medien. Verbandssprecher, Manager und Lobbyisten und gewisse Politiker sind um Schadensbegrenzung bemüht nach dem Motto: "Aber die meisten sind doch ehrlich", "Wer so etwas macht, schadet uns" usw. Jetzt aber mal Klartext: Was ist eigentlich neu an der massiven Steuerhinterziehung, die von Fachleuten auf 80 Milliarden Euro geschätzt wird? Sie wird praktiziert, seitdem und solange es Kapitalismus gibt. Die seit Jahrzehnten bekannt gewordenen Fälle und großen Fische sind doch Legende! Nur: Die Versuchung für die Herrschaften, dem Fiskus zu entwischen, steigt in dem Maße, wie eine - leider erfolgreiche - neoliberale Propaganda Steuergerechtigkeit verteufelt und als "Neiddebatte" verunglimpft; ein Klima erzeugt, in dem jede Steuerzahlung als persönliche Demütigung erlebt wird. Wo neoliberale Regierungspolitik Vorschub leistet, indem sie rücksichtloser Bereicherung das Wort redet, Gesetze dafür ändert, die Reichensteuern immer weiter senkt, aber für die Masse der Bevölkerung erhöht, Finanzverwaltung und Steuerfahndung abbaut und jegliche Kapitalmarktkontrolle abschafft. Oder glaubt irgendjemand, dass die Herrschaften mit dem Geldköfferchen in die Steueroasen fahren? Das läuft über beratende, aktiv mithelfende Banken und über elektronisch gesteuerte Geldkreisläufe. Die Sache ist System und hat System. HD