Die Angst vor nuklearem Wettrüsten und Atomkrieg war es, die vor 50 Jahren in London die ersten Ostermarschierer auf die Straße trieb und eine Bewegung begründete, die sich rasant in ganz Europa verbreitete. Wesentlich dabei war stets der breite gesellschaftliche Protest gegen Regierungen, denen als Antwort auf Probleme und Bedrohungsszenarien stets nur Rüstung, Abschreckung und Militarisierung einfielen. Auch wenn der Kalte Krieg mittlerweile beendet und das große atomare Wettrüsten zumindest auf Eis gelegt ist: Die militärische Logik herrscht weiter - das zeigt sich in diesen Tagen am Beispiel Afghanistans mit seltener Deutlichkeit. Über mehr Soldaten wird geredet, über mehr Gerät und weniger Hemmungen. Mit zivilen Lösungskonzepten will sich auch die Bundesregierung nicht abgeben - im Gegensatz zum eigentlichen Souverän, dem Volk, das sich mit überwältigender Mehrheit für einen Abzug der Truppen ausspricht. Dieses Unbehagen deutlich zu machen und sich der Politik der Regierung gegen das eigene Volk öffentlich zu widersetzen, steht in bester Ostermarsch-Tradition.
Paul Schäfer, MdB, DIE LINKE