Über 70.000 bedürftige Duisburgerinnen und Duisburger warten auf Taten. Eine überparteiliche Initiative "DU-Pass jetzt!" gab Mitte Februar den Startschuss für eine Unterschriftskampagne, mit der mindestens 8.000 Unterschriften unter einen sogenannten Einwohnerantrag gesammelt werden sollen. Mit diesem Einwohnerantrag soll der Rat der Stadt Duisburg gezwungen werden, die Forderung nach einem Sozialpass mit einem Sozialticket noch einmal auf die Tagesordnung zu setzen. Aufgrund der auch in Duisburg sich verschärfenden Armut soll ein Sozialpass den unterhalb der Armutsgrenze lebenden Menschen die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in Duisburg ermöglichen, wovon sie aufgrund ihrer finanziellen Situation weitestgehend ausgeschlossen bleiben. Aufgrund des Sozialberichts der Stadt Duisburg 2007 leben inzwischen ca. 20 % der Duisburger Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, wovon Kinder mit ca. 28 % und MigrantenInnen mit ca. 30 % noch einmal erheblich stärker betroffen sind. Hartz IV ist eine der Hauptursachen für diese Situation, da der sog. Regelsatz monatlich 347 € beträgt, wovon sämtliche Ausgaben bestritten werden müssen. In diesem Regelsatz ist für kulturelle Teilhabe ein monatlicher Betrag von 6,30 € enthalten, wovon noch nicht einmal der Eintrittspreis für einen Kinobesuch bezahlt werden kann. Für die Benutzung von Bus und Bahn stehen täglich 0,47 € zur Verfügung, während bereits eine Hin- und Rückfahrt mit der DVG 4,20 € und ein Monatsticket 53,80 € kosten. Kino, Theater oder andere kulturelle Veranstaltungen sind also für Hartz IV- und vergleichbare EinkommensbezieherInnen völlig unerschwinglich. Auf der anderen Seite nimmt die Selbstbedienungsmentalität der Besitz- und Macht-eliten, wie der jüngste Steuerskandal zeigt, immer größere Dimensionen an. Zur Stützung der in Schieflage geratenen Banken wie WestLB etc. stehen plötzlich im Landeshaushalt Milliarden Euro zur Verfügung, während dieselben Politiker von CDU und FDP den Menschen Wasser statt Wein predigen, wenn es um Aufbesserung der Sozialleistungen geht. So wird die Forderung nach Erhöhung des Regelsatzes auf mindestens 500 € plus Mietkosten seit Monaten von denselben Politikern kategorisch abgelehnt, die erst die Bedingungen dafür geschaffen haben, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland immer größer wird.
Aus diesen Gründen ist es bereits in zahlreichen deutschen Städten gelungen, Sozialpässe mit einem Sozialticket durchzusetzen, da die Kommunen es in der Hand haben, kulturelle Angebote, soziale Leistungen und den öffentlichen Personennahverkehr entweder kostenlos oder zu deutlich reduzierten Preisen anzubieten. So kostet z. B. in Frankfurt der Eintritt in Schwimmbäder und andere Freizeiteinrichtungen für den anspruchsberechtigten Personenkreis lediglich 1 €. In Dortmund wurde kürzlich ein Monatsticket für 15 € eingeführt. Obwohl inzwischen in vielen Städten NRWs Sozialpässe eingeführt wurden, weigert sich in Duisburg die regierende Koalition aus CDU und Grünen beharrlich, die Lebensverhältnisse der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Menschen zu verbessern. Auf Initiative der CDU mit Zustimmung der Grünen soll in Duisburg demnächst eine "Familienkarte" eingeführt werden, um Duisburg angeblich familienfreundlicher zu machen. Davon sollen dann auch die Millionärsfamilien von DU-Kaiserberg sowie alle die profitieren, die finanziell überhaupt nicht darauf angewiesen sind. Auf der Homepage der CDU-regierten Stadt Düsseldorf kann man erfahren, was man mit einer Familienkarte alles so machen kann. Da wird ein 10%iger Rabatt auf den Saunaklubbesuch angeboten, sodass der Preis dann statt 10 € "nur" 9 € beträgt. Da erhält der hungrige Gast beim Italiener auf den Pizzapreis von 5,90 € ebenfalls 10 % Ermäßigung usw. Doch wer weiß, dass im Hartz IV-Regelsatz für Ernährung plus Getränke täglich lediglich 3,79 € zur Verfügung stehen, wird leicht erkennen, dass eine sog. Familienkarte eine Mogelpackung darstellt, da sie den täglichen Kampf ums Überleben für die von Armut betroffenen Menschen in keiner Weise erleichtert, zumal alle Singles oder Großeltern, die mit ihren Enkeln in den Zoo wollen, noch nicht einmal anspruchsberechtigt sind. Zu der Forderung nach einem Sozialpass mit Sozialticket existiert deshalb keine vernünftige Alternative. Zu den ErstunterzeichnernInnen des Einwohnerantrages gehören z. B. der ehemalige OB Duisburgs, Josef Krings, der DGB-Vorsitzende Rainer Bischoff, die Duisburger Künstlerin Judy Rafat und viele andere. Um der Kampagne zum gewünschten Erfolg zu verhelfen, wird es in den nächsten Wochen und Monaten darauf ankommen, die Forderung in Duisburg lautstark zu verbreiten.