"Mit geistigen Waffen kämpfen ..."

Manfred Tietz biografiert Duisburger KPD-Reichstagsabgeordneten Mathias Thesen

Im November präsentierte die Stadt Trier eine Ausstellung der VVN/BdA Duisburg über Mathias Thesen. Titel: "Meinen Mund schließt nur der Tod" - dies schrieb Thesen 1934 aus dem KZ Hamburg-Fuhlsbüttel, zehn Jahre vor seiner Hinrichtung im Todeslager Sachsenhausen. So steht es auch auf dem Cover einer politischen Biografie, die Manfred Tietz über den Duisburger Reichstagsabgeordneten schrieb.

Tietz las Passagen des Buches vor, die Lektüre berührt: die Festnahme, die Folterungen, der Prozess vor dem berüchtigten Volksgerichtshof, das Konspirieren im Knast, der organisierte Widerstand hinter Gittern und Stacheldraht, die Erschießung. Stoff für ein Shakespeare-Drama: Die Geiselnahme seiner Frau, Einweisung der Thesen-Töchter in ein Duisburger Waisenhaus, Rote-Hilfe-Aktionen Peter Thesens in Frankreich, der "Bruderkrieg" zwischen Mattes und Georg Thesen, Georgs Suche nach den Mördern an der Seite der US-Army. Die Täter? Untergetaucht, "medizinisch amnestiert". Die historische Rezeption eines Widerstandskämpfers im Kalten Krieg? "Drüben", in der damaligen DDR, geehrt, hier verschwiegen und vergessen.

Das Buch, "sorgfältig recherchiert" (Trierer Nachrichten), basiert auf Archivmaterialien sowie Berichten politischer Mitstreiter und Familienangehörigen Thesens. Die historischen Ereignisse werden kurz skizziert, das Porträt Thesens erweitert durch biografische Notizen über seine Weggefährten.

Der Autor geht der Frage nach: Kann man heute noch lernen aus der politischen Praxis von Mathias Thesen? Er schildert den Weg des Trierer Eisendrehers von der SPD über Spartakusbund und USPD in die KPD. Seine Empörung über die SPD-Politik, über imperialistische Kriegstreiber und -gewinnler wie Krupp und Thyssen, über die gnadenlose Ausbeutung und Verelendung der Ruhrarbeiterschaft. Thesens persönliche Erfahrung als Soldat vor Verdun, als Krupp- und Haniel-Malocher, als Mitglied der revolutionären Arbeiter- und Soldatenräte, als Betriebsratsvorsitzender der längst verschwundenen Walsumer Rheinwerft.

Ausführlich kommt u. a. Gertrud Lemnitz zu Wort, Thesens ehemalige Sekretärin im KPD-Unterbezirk Duisburg-Hamborn. Sehr konkret beschrieb sie sein politisches Tun: Warum gab er sich keinen "parlamentarischen Illusionen hin", auch wenn seine Partei 1924 in Hamborn mehr als 41 % der Wählerstimmen gewann? Warum initiierte er Streiks, die der internationalen Solidarität dienten, auch wenn sie Wählerstimmen kosteten? Wie nutzte er die parlamentarische Bühne im Stadtrat und im Deutschen Reichstag, um die Menschen zu Protest und Aufstand gegen die menschenunwürdigen Verhältnisse zu bewegen? Warum legte er den Akzent auf außerparlamentarische Aktionen? (...)

Das Buch ist für eine aktuelle Links-politik eine anschaulich dargestellte politische Praxis, die bedenkenswert erscheint - allerdings mit Blick auf sich ständig verändernde gesellschaftliche Verhältnisse.

Geehrt wird im ‚schwarzen Trier' ein Revolutionär, ein KPD-Spitzenfunktionär: Mitglied des ZK, der Bezirksleitung Ruhrgebiet, Partei-"Chef" in Duisburg, Bochum, Dortmund, RFB-Führer, Leiter des Widerstands in Norddeutschland. Eine offizielle Ehrung in Duisburg für Mathias Thesen steht noch aus. Die Bezirksvertretung Hamborn hat schon vor Jahren beschlossen, ihm eine Straße zu widmen. Umgesetzt wurde der Beschluss bisher nicht. Vielleicht trägt das Buch dazu bei.

Manfred Tietz: "Meinen Mund schließt nur der Tod"

Mathias Thesen (1891-1944)

Eine biographische Dokumentation

Pahl-Rugenstein Verlag, Bonn 2007 ISBN 978-3-89144-392-7, 16,90 Euro

www.pahl-rugenstein.de