Hochschule in Bewegung

Linkes Gegengewicht gegen neoliberale Umstrukturierung: DIE LINKE.SDS jetzt auch in Duisburg

Seit der Bildungsoffensive in den 70er Jahren hat sich viel getan an deutschen Universitäten. Aber nicht zum Besten. Das Leben an der Universität gehorcht mehr und mehr dem neoliberalen Wirtschaftsdiktat. Wie in den anderen Bereichen der Gesellschaft werden durch sogenannte Reformen die Bildungsmöglichkeiten bis hin zur Freiheit der Lehre beschränkt. Wissen wird zu einer Handelsware.

Der StudentInnenanteil aus finanzschwachen Schichten oder aus der Arbeiterklasse nimmt seit den 80er Jahren wieder kontinuierlich ab. Studieren wird in Zukunft nur der können, der reiche Eltern hat, oder sich tief verschuldet. In diese Situation hinein hat sich ein neuer Studierendenverband gegründet - DIE LINKE.SDS.

Bundesweiter Linker Hochschulverband gegründet

Der neue Hochschulverband DIE LINKE.SDS gründete sich am 4.-6. Mai 2007. Damit entstand erstmals wieder ein bundesweiter linker Studierendenverband. Im Zuge dieser Neugründung entstanden im ganzen Bundesgebiet Hochschulgruppen, die sich dem SDS anschlossen.

Im Juli dieses Jahres keimte auch hier in Duisburg der Gedanke auf, eine solche Hochschulgruppe zu gründen. Da linke Strukturen an der Universität immer mehr zurückgehen, soll durch ein bundesweites Netzwerk linker Hochschulgruppen ein Gegengewicht zur neoliberalen Umstrukturierung geschaffen werden.

Kapital der Angst

Als Hochschulgruppe versuchen wir nicht ausschließlich hochschulpolitische Themen zu besetzen, sondern beziehen gesamtgesellschaftliche Entwicklungen mit ein. Der Kapitalismus ist heute nicht aggressiver als in vergangen Epochen, aber er zeigt heute andere Ausprägungen als noch vor 30, 100 oder 200 Jahren. Der Kapitalismus geht mit der Zeit, ja der Kapitalismus bestimmt die Zeit. Alle Verhältnisse werden durch das Kapital ständig umgewälzt und in Bewegung gehalten - das ist heute nicht anders als zu Beginn des Kapitalismus. Die Marx'sche Analyse und Vorhersage bleibt grundsätzlich gültig. Ob diese Phase nun neoliberal oder postfordistisch genannt wird, ist zweitrangig; wichtig ist, dass die Veränderungen, denen wir alle ausgesetzt sind, existenzielle Unsicherheit und Angst auslösen. In akademischen Kreisen hat sich dafür der Begriff des Prekären durchgesetzt. Niemand kann sich heute noch darauf verlassen, dass sein Arbeitsplatz morgen noch existiert, die Qualifikation ausreicht oder das Alter schon erreicht ist, an dem die Verwertung für das System von keinem Nutzen mehr ist. Jeder steht mit jedem in Konkurrenz. Ein Regime, das mit Angst regiert, wird in der Regel terroristisch genannt - das kapitalistische Regime können wir heute, nach dieser Definition, mit Sicherheit als ein terroristisches bezeichnen. In unserer Angst unterscheiden wir Studenten uns nicht vom Arbeiter bei einer Leihfirma oder auch bei ThyssenKrupp.

Solidarität, Wissen, politische Praxis

Aus der Angst für alle entsteht die Entsolidarisierung für alle. Die Aufgabe, die wir uns als Hochschulgruppe stellen, ist die Vertretung studentischer Interessen und die Analyse der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse. Wir wollen Wissen beisteuern, um unsere Zeit auf den Begriff zu bringen. Denn aus der Kritik, die den Kapitalismus an seinen eigenen Aussagen misst, können Orientierungen für die politische Praxis gewonnen werden.

Hürdenlauf für Studierende mit Kind

Barrieren, fehlende Stillplätze, unhygienische Verhältnisse ...

n Studierende mit Kindern stoßen im universitären Alltag auf vielerlei Hindernisse. Um dagegen etwas zu unternehmen, hat sich an der Uni Duisburg/Essen im Juli 2007 die AG Studieren mit Kindern gegründet. Es ist unser erklärtes Ziel, Missstände aufzudecken und Forderungen zu entwickeln, um diese publik zu machen. Studium und Elternschaft müssen möglich und selbstverständlich werden.

Der Uni-Alltag beginnt bereits damit, dass wichtige Einrichtungen wie Bibliotheken, Mensen oder Hörsäle gar nicht barrierefrei betreten werden können. Treppen, Drehtüren, schmale Gänge und Drehkreuze versperren für Kinderwagen den Zutritt. Wickelmöglichkeiten sind nur vereinzelt vorhanden. Zum Stillen einen geeigneten Platz zu finden, ist ebenso schwer. Richtig demütigend wird es erst, wenn Mutter an der Universität in die Verlegenheit gerät, Muttermilch abpumpen zu müssen. Ein alltäglicher Vorgang für stillende Studierende auf Uni-Toiletten, die sich meist in einem hygienisch bedenklichen Zustand befinden. In der Mensa gibt es kaum kindgerechtes Essen. Kinderstühle sind schlecht gewartet.

Das Kind jedoch betreuen zu lassen, um in Ruhe zu lernen, dazu besteht wegen endloser Wartelisten in Kindertageseinrichtungen praktisch keine Chance. Besonders Angebote für Kinder unter drei sind kaum vorhanden und weisen zum Teil provisorischen Charakter auf. Die Öffnungszeiten, aber vor allem auch die starren Hol- und Bringzeiten der Tageseinrichtungen, sind unpraktikabel. Gestraffte Studiengänge, hohe Präsenzzeiten in Seminaren, bei Exkursion, Labortagen, Praktika, Abend- und Wochenendveranstaltungen stellen studierende Eltern vor kaum zu lösende Betreuungsprobleme.

Geringes Einkommen

Mit Studium und Elternschaft gleich zwei gesellschaftlichen Anforderungen nachzukommen, einen akademischen Abschluss zu erlangen und sich zu reproduzieren, sollte hochschulpolitisch, aber auch in Gesellschafts- und Sozialpolitik mehr Beachtung finden und Förderung erfahren.

Das Gegenteil ist der Fall, wenn studierenden Eltern mit Einführung des Elterngeldes die Hälfte der wenigen öffentlichen Gelder gekürzt wurde. Statt zwei Jahre 300 Euro monatlich, beziehen studierende Eltern nun nur noch im ersten Lebensjahr ihres Kindes den Mindestsatz des Elterngeldes von 300 Euro. Ledige Studierende mit Kind haben durchschnittlich rund 960 Euro im Monat zur Verfügung, die finanziellen Mittel liegen also unterhalb der Armutsgrenze. Auch eine Verlängerung des Bezugszeitraums um die zwei sogenannten Väter-Monate steht Studenten nicht zu. So werden studierende Eltern nicht nur finanziell, sondern auch gleichstellungspolitisch benachteiligt.

Aktivitäten

Die Belastung für Studierende mit Kindern wächst, ihre Lebenssituation wird immer prekärer. Studienabbrüche sind die Folge. Wir bieten offene Treffen zum Erfahrungsaustausch und ein Beratungsangebot über Betreuungsmöglichkeiten und zur Beantragung öffentlicher Gelder an. Am 16.11.07 fand bereits ein Kinderkleidermarkt im Büro der LINKEN auf der Mülheimer Str. 57 statt.