"Heute wir, morgen Ihr"

Widerstand gegen Giftgas-Pipeline nimmt zu

"Heute wir, morgen Ihr", war eine Hauptparole bei der Demonstration von fast 5.000 GegnerInnen der Giftgas-Pipeline am 3.11. in Düsseldorf. Vieles spricht nämlich dafür, dass die geplante CO-Pipeline von Köln-Worringen nach Krefeld-Uerdingen nur ein Pilotprojekt ist. Ein ausgedehntes Netz soll folgen und wird folgen, wenn der Widerstand der betroffenen Bevölkerung das Vorhaben nicht kippen kann. Viel steht auf dem Spiel, der Kampf muss weiter gehen und der Widerstand noch breiter werden.

Der Ton wird schärfer, die Forderungen der Bürgerinitiativen sind erfreulich eindeutig: Keine Giftgasröhre. Nicht rechtsrheinisch und nicht linksrheinisch, nicht im Wohngebiet und nicht im Naturschutzgebiet: Nirgends! Die Produktion soll dort stattfinden, wo das CO-Gas gebraucht wird. Wenn es denn überhaupt gebraucht wird! Der BUND weist darauf hin, dass CO nur unumgänglich ist, wenn man aus Kostengründen den Syntheseweg über das ebenfalls hochgiftige Phosgen (dem furchtbaren Kampfgas "Grünkreuz" im Ersten Weltkrieg) wählt. Es gibt nämlich erprobte Synthesewege, die ohne derartige Giftstoffe zur Kunststoffproduktion auskommen.

Aspirin + Giftgas - wie passt das?

"Aspirin + Giftgas - wie passt das?", lautete eines der Transparente. In der Tat, wie passt das? Und wie bringt man dieses Missverhältnis so richtig ins Bewusstsein der Leute? Wie mobilisieren wir Verbrauchermacht? Wäre doch schön, wenn jeder Arzt sich dreimal überlegen würde, ob er ein Bayer-Produkt verschreibt, wenn jede und jeder Kranke sich viermal überlegt, ob er/sie ein Bayer Medikament kauft. Da würde die Konzernspitze mit Sicherheit hellhörig!

Mit auf der Bühne: Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Langenfeld, Hilden, Monheim, Erkrath und der Landrat des Landkreises Mettmann, der eine durchaus kämpferische Rede hielt.

Mit einer Politik wie der Duisburger Stadtspitze unter OB Sauerland und Stadtdirektor Greulich, die ihre rechtlichen Möglichkeiten ungenutzt verstreichen ließ, die allen wohl und keinem wehe tun will, die auf einen Kompromiss mit Bayer - etwa einer teilweisen Trassenänderung - hinzielt, hätte man bei dieser Veranstaltung wahrlich keinen Blumentopf gewinnen können.

So blieben sie weg, genau so wie Düsseldorfs Erwin. Vom Saulus zum Paulus geworden (oder hatte er bei der einstimmigen Abstimmung im Landtag im Jahr 2006 über das Pipeline- und Enteignungsgesetz nur geschlafen?), erwies sich auch der grüne Landtagsabgeordnete Johannes Remmel. Er versprach für sich und seine Fraktion die volle Unterstützung der Bürgerbewegung.

Aber was können wir vom Landtag noch erhoffen? Bei der stattgefundenen Anhörung schien das Hauptziel der Fraktionen nur darin zu bestehen, den Schwarzen Peter hin- und herzuschieben. Die hohe Kunst dieser Art von Politikern: Die WählerInnen nicht zu sehr zu verärgern, sich aber gleichzeitig - und vor allem - nicht mit Bayer anzulegen.

Wie bringt man die Genehmigungsbehörde unter einem Regierungspräsidenten Büssow (SPD) zur Vernunft? Macht nichts, es würde reichen, wenn Bayer endlich Einsicht zeigte. Imageschaden und wirtschaftliche Verluste sind die einzige Sprache, die der Konzernvorstand versteht. Packen wir es an!