Keine Geschäfte auf dem Rücken von Kindern und Stadtkassen
Wochenlang beschäftigte die Schließung des populären Atlantis am Innenhafen die Öffentlichkeit. Der hinter ihm stehende Investor AWC hatte es geschafft, sich als Opfer der Kommunalpolitik zu präsentieren. Nun gibt es an der Duisburger Kommunalpolitik sicherlich viel zu kritisieren, aber wir können nur davor warnen, sich vor den Karren von Privatinteressen spannen zu lassen, die die Stadt als Melkkuh missbrauchen wollen. Auch DIE LINKE. OL will das Atlantis als pädagogisch wertvollen außerschulischen Lernort in Duisburg halten. Aber nur zu akzeptablen Bedingungen. Durch die Anfrage der Linksfraktion sowie einem Antrag der Fraktion BL/AMP zur Ratssitzung am 5.11. wurde Licht in die Sache gebracht.
Fazit: Atlantis wurde durch den Investor AWC selbst mutwillig geopfert, weil er sich mit seinen Forderungen gegenüber der Stadt bzw. Gebag nicht durchsetzen konnte. Das bisherige Domizil, der Werhahn-Speicher (im Besitz der städtischen Gebag), war noch in der Zeit von OB Zieling mit europäischen Fördermitteln "für die touristische Nutzung" umgebaut worden. Der Clou: Atlantis brauchte keine Miete zu bezahlen. Dennoch erklärte sich Atlantis im Frühjahr insolvent. Um es profitabel betreiben zu können, müsse es erweitert werden und umziehen. Nach der Insolvenz stieg der Investor AWC ein, zog ein neues Konzept auf, reduzierte die Personalkosten durch viele 1-Euro-Jobber und kündigte das Mietverhältnis. Gleichzeitig verlangte er von der Stadt eine größere Immobilie, wiederum mietfrei und mit einem Zuschuss zu den Betriebskosten!
Objekt der Begierde: Das Theater am Marientor (TaM), das ohnehin auf der städtischen Verkaufsliste steht. Es war am Ende des Musical-Rauschs in der Republik mit öffentlichen Subventionen für die Fa. Stella gebaut worden. Nachdem sich Les Míserables als nicht mehr profitabel erwies, stand die Immobilie lange leer. Mehrere Dutzend Millionen DM waren in den Sand gesetzt.
Auch mit der heutigen Nutzung durch die DMG belastet das TaM die städtische Tochter IMD bzw. Stadtkasse mit 1,2 Mio. Euro. Kulturdezernent Jansen (dessen Ehefrau in einem Atlantis-Gremium sitzt) schien zunächst bereit zu sein, sich dafür einzusetzen, wurde aber offenbar von der CDU-Fraktion und der DMG-Spitze zurückgepfiffen. Angeboten wurden AWC bisher mehrere Alternativen, u. a. im Landschaftspark Nord und die frühere Disco Soundgarden am Hauptbahnhof. Warum will AWC das TaM nicht kaufen?!
In den Werhahn-Speicher zieht nun die Merlin-Gruppe mit einem Legoland ein. Die Frage der LINKEN, ob AWC jetzt von der Merlin-Gruppe Miete dafür kassiere, konnte vom Gebag-Geschäftsführer Cremer nicht eindeutig ausgeschlossen werden. Zumindest die Gebag erhalte keine Mietzahlungen von der Merlin-Gruppe. Die mietfreie Nutzung auch durch Legoland sei mit den Förderkonditionen ("touristische Nutzung") auch weiterhin möglich. Die Ansiedlung des Legolands sei "für Duisburg ein Glücksfall", so Kulturdezernent Jansen, weil dadurch die touristische Nutzung fortgesetzt werden könne und keine Zuschüsse an die EU zurückgezahlt werden müssten. Legoland ist sicher kein adäquater Ersatz für das Atlantis. DIE LINKE befürchtet, dass es sich als Verkaufsveranstaltung mit angeflanschten Ausstellungs- und Erlebnisräumen entpuppen könnte. Das wäre aber mit dem geförderten Nutzungszweck nicht vereinbar.
Nach langer Diskussion wurde der Antrag der BL/AMP verabschiedet, nachdem der OB alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen soll, um das Atlantis in Duisburg zu halten. Durch die Intervention der Linksfraktion allerdings mit dem Zusatz "soweit es für die Interessen der Stadt akzeptabel ist". Gegen den Antrag stimmten FDP und rechter Rand.