Zwischen Simplifizierung und Manipulation
Seit einigen Wochen bringt die WAZ eine Rubrik "Nachrichten für Kinder". Dort sollen Themen aus Tagespolitik und Boulevard in kindgerechter Sprache einfach dargestellt werden. Inhaltlich geht es auch um brisanten Stoff wie Kinderarmut oder die Besatzung des Iraks. Problematisch dabei ist allerdings, dass die "kindgerechte" Gestaltung der Artikel, sowohl was die sprachliche Darstellung als auch ihre Länge betrifft, oft zulasten des Inhalts geht. So ist es zwar einerseits gut, wenn Kinder darauf aufmerksam gemacht werden, dass es auch in Deutschland viel Armut gibt, leider erfahren sie allerdings nichts zu wesentlichen Ursachen für die steigende Kinderarmut: Massenerwerbslosigkeit, Lohndumping und rücksichtsloser Sozialabbau durch die Hartz-Gesetze. Ebenso schlicht wird die Problematik des Treibhauseffekts dargestellt: "Für die Umwelt ist es schlecht, dass es immer wärmer wird." Zweifellos wahr, aber bei weitem nicht alles: Sollen Kinder nicht erfahren, dass Produktions- und Konsummuster der industrialisierten Länder dafür hauptverantwortlich sind, dass es überhaupt so weit kommen konnte? Dass heute auch noch in Deutschland durch Industrie und Straßenverkehr viel zu viel CO² emittiert wird, während der großspurig angekündigte Kurswechsel in der Klimapolitik weiter auf sich warten lässt? Und dass ungebremste Erderwärmung nicht bloß für die Umwelt sondern vor allem für die arme Bevölkerung des Südens verheerende Auswirkungen haben wird? Kindgerechte Darstellung komplexer Themen bedeutet nicht, dass im BILDzeitungsstil bloß an der Oberfläche gekratzt, Scheinantworten gegeben und tiefere Zusammenhänge ignoriert werden!