Widerstand in Marxloh war erfolgreich

Abrissgürtel Duisburg Marxloh/Bruckhausen/Beeck: Bürgerbeteiligung jetzt!

Auf Bürgerversammlungen haben Stadt und EG Duisburg die Ergebnisse der Voruntersuchung für das Sanierungsverfahren "Grüngürtel Nord" am 7.8. in Marxloh und am 9.8. in Bruckhausen vorgestellt. Die Untersuchung umfasste Gebäudebestand, eine Befragung der betroffenen AnwohnerInnen sowie zwei Umweltgutachten. Erstes Fazit: Der Abriss ganzer Häuserzeilen und die Umsiedlung zahlreicher BewohnerInnen ist zumindest in Marxloh vom Tisch. Die von der Stadt in Auftrag gegebenen Umweltgutachten haben bestätigt, was die Bürgerbewegung von Anfang an gesagt hat: Die Idee einer größeren Abstandsfläche und ihre Bepflanzung bringen bei Feinstaub und Lärm keine wesentliche Verbesserung.

Die Umweltbelastung in Marxloh geht entscheidend von den beiden Großhochöfen der ThyssenKrupp Stahl (TKS) aus. Westwinde drücken die immer noch zu hohen Staubaustritte direkt in die angrenzende Wohnbebauung. Die Belastung wird seit Jahren von den AnwohnerInnen nicht mehr klaglos hingenommen. Der praktisch schon bestehende Grüngürtel - aus einem Wall zwischen Hochöfen, Willy-Brandt-Ring und dem Schwelgernpark mit hohen alten Bäumen - hat daran nichts ändern können. Zwei Studien zu Staub und Lärm bestätigen, dass auch erweiterte Abstandsflächen zwischen Industrie und Wohnbebauung kaum etwas bringen. Die Stäube aus Kaminen und Anlagen treten in einer solchen Höhe aus, dass sie auch weiterhin im Stadtgebiet niedergehen werden. Auch beim Lärm kommt ein Gutachten zu ähnlich negativen Prognosen.

 

Sanierungsbedarf besteht

Ein städtebaulicher und sozialer Sanierungsbedarf wird auch von der Bürgerbewegung nicht bestritten. Massive Einwohnerverluste, hohe Erwerbslosigkeit, verbreitete Armut, schlechte Wohnsubstanz, Verfall und Dauerleerstände bis zu 40 %, mangelnde Infrastruktur, eine verfehlte Integrationspolitik und obendrein eine hohe Umweltbelastung sind die Merkmale der Misere in Bruckhausen und Marxloh. Sie kann nur noch mit umfassenden Programmen gelöst werden. Diese Herausforderung geht über ein reines Städtebaukonzept weit hinaus. Die BI fordert zu Recht ein umfassenderes Konzept.

Dieses, aber auch schon jeder ernsthafte Schritt zur Verbesserung von Wohnumfeld und Wohnqualität, muss die betroffene Bevölkerung einbeziehen. Vorhandene Ansätze müssen aufgegriffen und weiter entwickelt werden. Die Menschen in Bruckhausen und Marxloh haben sehr wohl ein Gespür dafür, ob die Probleme ernsthaft angegangen werden oder ob sie es mit Halbheiten und Augenwischerei zu tun haben. Das wurde auf vielen Veranstaltungen, durch Stellungnahmen und fantasievolle Aktionen sehr deutlich.

Ein ernsthaftes Konzept umfasst die weitere Sanierung der TKS-Anlagen (noch bessere Filterung und rücksichtsvoller Betrieb). Außerdem besteht die Bürgerbewegung zu Recht darauf, dass TKS den Löwenanteil der jetzt auf 70 Mio. ? veranschlagten Summe für das noch zu schnürende Maßnahmenpaket in Bruckhausen und Marxloh übernehmen muss. TKS ist schließlich hauptverantwortlich für die Misere und würde sehr großen Nutzen aus einer Sanierung ziehen.

 

Teilrückzug

Die Probleme konzentrieren sich nicht im vorgesehenen Sanierungsgebiet. Deshalb haben Stadt und EG DU den Rückzug eingeleitet. Sie wollen - zumindest in Marxloh - auf ein förmliches Sanierungsverfahren mit der Möglichkeit von Enteignungen verzichten, weil es nicht "gerichtsfest" wäre. Gegen ihre Enteignung klagende Anwohner hätten sehr wahrscheinlich Erfolg. Hier soll die weitere Sanierung nur mit den "normalen" Instrumenten des Baurechts geschehen.

In Bruckhausen, wo der Widerstand nicht so stark war, will man sich trauen und eine förmliche Sanierung einleiten. Der Rat soll im Dezember darüber beschließen.