"Straßen gefährlicher, Verkehr sicherer machen"
Shared Space, geteilter Raum, heißt ein neuer Planungsansatz, der in ganz Europa Beachtung findet. Verkehrsschilder, Fußgängerinseln, Ampeln und andere Barrieren sind nicht mehr nötig. In Shared Space fügen sich Autofahrer rücksichtsvoll ins Miteinander aller Verkehrsteilnehmer ein und werden Teil des gesamten gesellschaftlichen und kulturellen Kontexts. Shared Space wurde von Hans Monderman entwickelt. In der niederländischen Stadt Drachten (50.000 Ew.) haben sich Mitglieder von Verkehrsausschuss und Bezirksvertretungen genauer angesehen, wie es funktioniert.
Im Zentrum von Drachten, an einer Kreuzung mit täglich fast 20 000 Fahrzeugen, vielen tausend Fußgängern, schwatzenden Schülern in Fahrradpulks, Vätern mit Kindern auf dem Gepäckträger, Frauen in Kleinwagen voller Einkaufstaschen, Linksabbieger, Geradeausfahrer - sie alle strömen auf die Kreuzung zu, vermengen sich auf ihr und suchen wieder ihren Weg hinaus. Keine Ampel und kein Vorfahrtsschild regeln dabei. Es gibt nicht einmal Bürgersteige oder auch nur Fahrbahnmarkierungen. Die ganze Kreuzung ist ein ebener, rot gepflasterter Platz. Ampeln, Radwege und alles, was früher einmal die Verkehrslawine im Zaum hielt, gibt es nicht mehr. Monderman hat die Menschen in einen Zustand kompletter Verkehrsanarchie katapultiert. Und seither gibt es keine nennenswerten Unfälle an diesem Knoten mehr! Der Verkehr läuft zwar langsam, aber stetig und ist damit insgesamt sogar zügiger geworden. Das Ganze ist so unlogisch wie die menschliche Psyche, und prompt funktioniert es bestens. Eine viel befahrene Kreuzung in der Nähe von Stadtbücherei und Rathaus ist ein weiteres Beispiel.
An mittlerweile 107 Straßen und Kreuzungen hat Monderman sein Konzept umgesetzt und die Unfallzahlen gegen Null gebracht. Sein Credo: "Regelungsdichte und technische Einrichtungen vermitteln eine trügerische Sicherheit: Sie nehmen den Menschen die Eigenverantwortung ab und geben ihnen das Gefühl, dass ihnen schon nichts passiere, wenn sie sich nur an die Regeln hielten. Aber es passieren nicht weniger Unfälle. Die Menschen müssen wieder merken, dass es viele Gefahren im Straßenverkehr gibt, und sie müssen lernen, damit umzugehen. Erst dann wird Verkehr sicherer", so Monderman. Ein Modell auch für Duisburg?