Wildwestmanieren

Betrieb ohne Kündigungsschutz

Fast ein Jahr lang jobbte der Heizungsbauer M. Novaczek (36), verh., 2 Kinder, als Erwerbssuchender auf 400-Euro-Basis bei der Kälte-, Klima- und Wärmetechnikfirma Lenz in DU-Buchholz. Erst auf Drängen bekam er die versprochene unbefristete Festeinstellung. Die Fa. expandierte und zog um. Sie kassierte von der ARGE 6 Monate "Gründerzuschüsse" für ihren Mitarbeiter Novaczek, möglicherweise auch für weitere Neueingestellte. M. Novaczek malochte klaglos fast ein weiteres Jahr: Auf Montage, im Ausland, klopfte Überstunden, war sogar am Wochenende im Einsatz. Stundenlohn 13,50 Euro. Kein Fahrgeld, keine Rufbereitschaft und kein geregelter Urlaub. Ihm war ja noch eine Meisterstelle in Aussicht gestellt worden. Typisch: Abbruch eines Wochenendausflugs mit seiner Familie, um einen Rohrbruch zu reparieren - wieder nur zum normalen, niedrigen Stundensatz. Anfang Februar kam dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Novaczek forderte für 18 Stunden Fahrzeit zu einem holländischen Kunden die 13,50 Lohn pro Stunde. Angeboten wurden ihm nur 4,50 pro Std. Da er nicht akzeptierte, wurde ihm gekündigt. Vor dem Arbeitsgericht ließ sich der Firmenanwalt noch nicht einmal auf den Vergleichsvorschlag ein, die Kündigung um drei Wochen zu verschieben, damit er Alg I bekommen hätte. M. Novaczek wehrte sich, demonstrierte vor der Firma, bekam sogar Presse. Bei der Kreishandwerkerschaft ist die Fa. Lenz nicht eingetragen. Am 1.10. findet vor dem Arbeitsgericht Duisburg eine weitere Güteverhandlung statt.