SI-Belegschaften im Kampf

Hochwertige Arbeitsplätze im Servicebereich gefährdet

Mit fantasievollen Aktionen und einem mehrwöchigen Streik wehren sich die Beschäftigten der Sparkassen Informatik gegen die Schließung von 4 der insgesamt 9 Standorte. Betroffen sind Duisburg, Karlsruhe, Köln und Mainz. Gemeinsam mit ver.di wollen sie eine Überprüfung des Standortkonzepts, einen Sozialtarifvertrag und Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen. Auf der Kippe stehen 1.400 Arbeitsplätze von Informatikern, Softwareentwicklern, Anwendungsbetreuern usw., davon rd. 350 in Duisburg.

Das Unternehmen ist einer der führenden Informatik-Dienstleister in Deutschland und eine Tochter der öffentlichen Sparkassen. Es betreut fast 300 Sparkassen mit 84 Mio. Konten, 15.000 Geldautomaten, 12.000 Kontoauszugsdrucker und 13,3 Mio. Online-Konten. Gerade Duisburg kann sich den Verlust von rund 350 Arbeitsplätzen überhaupt nicht leisten, schon gar nicht in der IT-Branche. Die von der SI in Duisburg genutzte Immobilie am König-Wilhelm-Platz ist zu 80 % von SI belegt. Der Mietvertrag wurde unlängst bis 2017 verlängert.

Die Zentrale in Frankfurt hat bisher ein ernsthaftes Entgegenkommen rundweg abgelehnt. Sogar die Oberbürgermeister der vier betroffenen Städte wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Ihre Bitte um ein Vermittlungsgespräch unter Beteiligung des Betriebsrats wurde als "nicht zielführend" beantwortet. Dem Kölner OB Schramma war zuvor bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert worden.

Zum Hintergrund des Standort- und Stellenabbaus gehört, dass in Eigenentwicklung ein neues EDV-System (OSPlus) erstellt wurde, das in Kürze auch von den bayerischen Sparkassen genutzt wird. Außerdem sollen Verhandlungen über eine Fusion mit dem zweitgrößten Informatikdienstleister der Branche, FinanzIT, Mitte 2008 abgeschlossen sein. Auch aus diesem Grund ist ein dauerhafter Sozialtarifvertrag mit klaren Regelungen für Umzüge, Mobilitätshilfen, Abfindungen, Umschulungen und alternativen Arbeitsplatzangeboten unverzichtbar.

Mit der Schließung der vier Standorte wäre die gesamte Rheinschiene praktisch erledigt. Einem Teil der Beschäftigten werden Ersatzarbeitsplätze u. a. in Münster und München angeboten. Etwa 200 haben das Unternehmen bereits verlassen. Die Betroffenen bestehen darauf, dass die Sparkassen und ihre Unternehmen traditionell mit ihrer Nähe zu Kommunen und Kunden werben. Mit der Schließung würde das glatte Gegenteil betrieben. Sie fordern von der Politik, sich nachdrücklich für sie einzusetzen, denn die Sparkassen sind Anstalten des öffentlichen Rechts. Die Betroffenen brauchen unsere Solidarität. Wir fordern auch die Sparkassenkunden auf, sich einzumischen.